Der Virger „Lauantwidder“ wird wieder verlost

Tradition aus dem 17. Jahrhundert findet am „Weißsamstag“ ihre Fortsetzung.

Im 17. Jahrhundert verlobten die Virger und Prägratner eine jährliche Prozession mit einem weißen Widder. Fotos: Franz Holzer
Im 17. Jahrhundert verlobten die Virger und Prägratner eine jährliche Prozession mit einem weißen Widder. Fotos: Franz Holzer

Der erste Samstag nach Ostern ist für viele Virgentaler etwas ganz besonderes – ein Tag, an dem Brauchtum aktiv gelebt wird: Die Bewohner von Virgen und Prägraten pilgern mit einem prächtig geschmückten weißen Widder zur Wallfahrtskirche Maria Schnee. Es mutet schon fast etwas mystisch an, wenn dort der Widderhalter nach altem Ritual das Opfertier dreimal um den Hochaltar führt. Im Anschluss an einen Dankgottesdienst wird der Widder auf dem Kirchplatz öffentlich verlost.

Das Virger Opferwidder Brauchtum gründet sich auf ein Verlöbnis aus dem 17. Jahrhundert – damals herrschte in der Region eine verheerende Pestepidemie. Laut Überlieferungen hätten die Virger und Prägratner in ärgster Not Zuflucht zu Gott gesucht und eine jährliche Prozession mit einem weißen Widder nach Lavant verlobt, um von der Pest erlöst zu werden.

Dreimal führt der Widderhalter das Opfertier um den Hochaltar.
Dreimal führt der Widderhalter das Opfertier um den Hochaltar.

Viele ähnliche Traditionen wurden im Laufe der Zeit vergessen, die des Virger Opferwidders hat allerdings die Jahrhunderte überlebt und wird Jahr für Jahr von den Gläubigen fortgeführt. Seit 1920 wird der „Lauantwidder“, wie er umgangssprachlich noch immer bezeichnet wird, nicht mehr nach Lavant, sondern nach Obermauern geführt. Früher wurde das Tier nach der Messe versteigert, heute verlost man den Widder. Der Gewinn kommt den Pfarrgemeinden von Virgen und Prägraten zu Gute.

Jedes Jahr übernimmt eine Fraktion von Virgen oder Prägraten die Haltung und Pflege des Widders. Heuer ist der Ortsteil Mellitz in Virgen an der Reihe im „Radl“. Agrargemeinschaftsobfrau Martina Wibmer hat zusammen mit ihrem Mann Peter den „Lauantwidder“ gehalten und gepflegt. Der schöne, weiße gehörnte Steinschafwidder, der ein Jahr lang nicht geschoren werden darf, muss in den Tagen vor dem Opfergang mehrmals gebadet und gekämmt werden.

Der Gewinner der Verlosung darf den Widder behalten oder weiterverkaufen.
Der Gewinner der Verlosung darf den Widder behalten oder weiterverkaufen.

An seinem großen Tag, dem „Weißsamstag“, wird er mit Blumen und Bändern herausgeputzt und zur Pfarrkirche gebracht. Von dort aus führt die Bittprozession mit den Gläubigen nach Obermauern. Dort treffen sie mit den Wallfahrern aus Prägraten zusammen und feiern gemeinsam die Heilige Messe in der Wallfahrtskirche Maria Schnee.

Die Gläubigen treffen sich am Samstag, 26. April, um 8.15 Uhr zur Opferwidderprozession bei der Pfarrkirche St. Virgil in Virgen. Um 9 Uhr findet der Dankgottesdienst in der Wallfahrtskirche Maria Schnee in Obermauern statt, anschließend wird der Widder verlost.

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2 Postings bisher
tauernwind

Vor wenigen Tagen im Fernsehen sah man eine Dokumentation über das Putenfleisch welches in den Supermarktregalen liegt und allzuoft auch auf unseren Tellern.... im Vergleich hat ein Widder der in Virgen heranwächst wohl den Himmel auf Erden.

Und das Herausputzen bzw. die viele Aufmerksamkeit wird ihn sicherlich nicht wahnsinnig stören, der denkt sich höchstens "...jetzt spinnens total..." ;-)

SusiCat-frankfurt

artgerecht ist nur die freiheit - auch in den köpfen der menschen ... " an seinem großen Tag dem 'Weißsamstag' wird er mit Blumen herausgeputzt ... " auch Traditionen aus dem 17.Jahrhundert können 2014 hinterfragt werden ...