Kurt Geiger – Der Firefighter im Wüstensand

Ein Osttiroler löscht Brände in den Arabischen Emiraten.

Vor einigen Wochen haben wir in einem Dolomitenstadt-Artikel nach Menschen gesucht, die außerhalb Osttirols leben und Lust haben, den Dolomitenstadt-Lesern ab und zu einen Eindruck von ihrem Alltag in der Ferne zu liefern. Kurt Geiger meldete sich und weckte gleich unser Interesse. Der 25 Jahre alte Lienzer ist Berufsfeuerwehrmann an einem Ort, an dem Brandbekämpfung nach anderen Gesetzen abläuft, als in den Osttiroler Gemeinden. Kurt Geiger bekämpft Brände in den Vereinigten Arabischen Emiraten und bildet dort auch heimische Feuerwehrleute aus. Hier ist sein lesenswerter Lagebericht:

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„Die Vereinigten Arabischen Emirate besitzen eines der größten Ölvorkommen und sind eines der reichsten Länder der Welt. Sie wurden 1971 gegründet und bestehen aus den sieben Emiraten Abu Dhabi, Dubai, Ajman, Sharjah, Fujairah, Ras al Khaimah und Umm al Qaiwain. Das Emirat Abu Dhabi ist das größte und besitzt auch die meisten Erdölvorkommen.

Vor mehr als 10 Jahren hatte ein Großbrand weite Teile eines Marktes in Abu Dhabi vernichtet. Durch dieses Ereignis entschloss man sich, eine Sondereinheit zu gründen, die Quick Intervention Unit (QIU), welche nach den deutschen Feuerwehrdienstvorschriften arbeitet. Die Führung erfolgt hauptsächlich von Deutschen und Österreichern, welche für die Sicherheit in den Emiraten zuständig sind. Man unterstützt hier die arabischen Kollegen bei Einsätzen und bringt ihnen das Feuerwehrwesen bei.

Die Stadt Stadt Al Ruwais hat 40.000 Einwohner und befindet sich im Westen des Landes.
Die Stadt Al Ruwais hat 40.000 Einwohner und befindet sich im Westen des Landes.

Ich bin im Emirat Abu Dhabi, in der Stadt Al Ruwais stationiert. Ruwais ist eine mittelgroße Stadt mit ca. 40.000 Einwohnern und befindet sich in der westlichen Region des Landes. Durch die nahegelegenen Ölfelder spielt Ruwais eine Schlüsselfunktion für die staatliche Ölgesellschaft ADNOC. Die Stadt wurde erst gebaut, als der Ölboom ins Land kam und ist sozusagen keine alte Stadt. Das gesamte Industriegebiet erstreckt sich über mehrere Kilometer und wächst von Tag zu Tag.

In diesem Gebiet herrscht absolutes Fotoverbot. Das wird rund um die Uhr streng überwacht. Außerhalb befinden sich hier mehrere sogenannte Arbeiterlager, „Camps“ wie man sie hier nennt, von verschiedenen Firmen. Hier wohnen zum größten Teil Menschen aus ärmeren Ländern, die für einen Hungerlohn sechs Tage pro Woche arbeiten. Wieviele Leute in diesen Lagern direkt wohnen, kann man nicht genau sagen. Auch bei einem Einsatz das richtige Lager zu finden, ist schwierig. Es gibt mehrere Camps mit dem gleichen Namen.

Links Kurt Geiger vor einem Einsatzfahrzeug, rechts das Schild vor der Feuerwache.
Links Kurt Geiger vor einem Einsatzfahrzeug, rechts das Schild vor der Feuerwache.

Die Feuerwache Ruwais wird von der Abu Dhabi Police und von Feuerwehrmännern der Emirates Fire and Rescue Company (EFRC) betrieben, der ich angehöre. Das Einsatzgebiet erstreckt sich mehrere Kilometer von der Grenze Saudi Arabiens bis in die Wüstenstadt Madinat Zayed. Haupteinsatzgebiet der Feuerwache ist Ruwais selbst, mit der angeschlossenen Ölindustrie.

Das EFRC Team besteht aus einem europäischen Teamleiter mit Stellvertreter, vier europäischen Supervisors (Zugskommandanten), vier Assistant Supervisors (Gruppenkommandanten) und aus jordanischen und türkischen Feuerwehrmännern. Von Seiten der Abu Dhabi Police arbeiten mit uns
auch Emiratis, Omanis, Saudis, Syrer und Yemenitis als Einsatzfahrer und Maschinisten der verschiedenen Feuerwehrautos.

Ich bin hier Gruppenkommandant auf einem Rüstlöschfahrzeug. Mein Hauptaufgabengebiet ist es, meinen Zugskommandanten auf meiner Schicht bei Einsätzen zu unterstützen und mit ihm die türkischen und jordanischen Firefighter nach den deutschen Feuerwehrdienstvorschriften auszubilden. Nebenbei bin ich noch Hauptverantwortlicher für den gesamten Atemschutz. Insgesamt haben wir ca. 100 Atemschutzgeräte mit Masken vor Ort. Die Geräte selbst kommen von der Deutschen Firma Dräger. Jeden Tag, außer Freitags, wird vier Stunden in den verschiedensten Bereichen ausgebildet. Die Hauptverständigungssprache ist Englisch, was leider nicht immer einfach ist. Es gibt sehr viele, die kein einziges Wort Englisch sprechen, obwohl sie schon seit drei Jahren hier sind.

Die Firefighters aus Al Ruwais beim Einsatz in einem Arbeitercamp.
Die Firefighters aus Al Ruwais beim Einsatz in einem Arbeitercamp.

Die Fahrzeuge kommen hauptsächlich vom österreichischen Fahrzeughersteller Rosenbauer. Auch der Tiroler Fahrzeugaufbauer „Empl“ ist stark vertreten. In Österreich erkennt man sofort ein rotes Feuerwehrauto, hier sind die Fahrzeuge alle gelb. Auf unserer Wache sind 12 Fahrzeuge stationiert, mit denen wir jegliche Art von Einsätzen abarbeiten. Im Fuhrpark sind ein Gefahrengutfahrzeug, ein schweres Rüstfahrzeug, eine Drehleiter mit Korb mit einer Höhe von 53 Metern, ein Bronto Skylift mit 54 Metern Höhe, der eine Löschleistung von 9000 Litern in der Minute hat und speziell für die Ölindustrie gebraucht wird. Mehrere Großtankwägen mit 7000 Liter bis zu 40.000 Liter Wassertanks sind hier ebenfalls stationiert.

Hydranten gibt es hier keine. Wasser muss zu den Löscheinsätzen mitgenommen werden und ist knapp.
Hydranten gibt es hier keine. Wasser muss zu den Löscheinsätzen mitgenommen werden und ist knapp.

Ganz anders als in Österreich gibt es hier keine Wasserversorgung vor Ort, wir müssen das Löschwasser zum Einsatzort mitbringen. Geht unser Wasser während eines Einsatzes zur Neige, stoppt die Polizei Trinkwassertankwägen und eskortiert sie zu unserer Einsatzstelle.

Wir arbeiten im Schichtsystem. Das europäische Personal ist mit einem Supervisor und einem Assistant Supervisor immer 24 Stunden auf Schicht. In der Früh ist Schichtwechsel. Der Tagdienst arbeitet von Sonntag bis Donnerstag und ist mit einem weiteren Supervisor, Assistant Supervisor und den Teamleitern besetzt.

Mit österreichischen Einsätzen sind unsere hier nicht vergleichbar. Man braucht hier viel Ruhe und Geduld. Neulich wurde ein LKW-Feuer auf der Autobahn gemeldet. Ob es sich um die neue oder alte Autobahn handelt, konnte uns keiner mitteilen. Beide Autobahnen haben die gleiche Bezeichnung. Das macht es schwierig für uns, die Einsatzstelle zu finden. Während der Anfahrt stellte sich heraus, dass es sich um einen LKW handelt, der Kunststoff transportiert. Mehrere Fahrzeuge wurden nachalarmiert um sicherzustellen, dass genügend Wasser am Einsatzort ist.

Ein Brand, der glimpflich ausging. Nur ein Teil der Ladung dieses Sattelzuges hatte Feuer gefangen.
Ein Brand, der glimpflich ausging. Nur ein Teil der Ladung dieses Sattelzuges hatte Feuer gefangen.

Nach ca. einer halben Stunde hab ich einen Sattelzug gesichtet. Er brannte nicht. Durch die enorme Hitze – in den Emiraten steigt das Thermometer im Sommer auf bis zu 50 Grad bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit – wurde ein Reifen des Lkw zu heiß und fing Feuer. Daraufhin verlor der Laster eine Palette mit PVC-Granulat, das später Feuer fing. Ich war froh, dass nur ein Teil der Ladung brannte und nicht der gesamte Lkw, der mehr als 40 Tonnen PVC-Granulat auf seiner Ladefläche verstaut hatte.

Während wir die Ladung löschten, wechselten die beiden Fahrer schon den Reifen, um die Weiterfahrt antreten zu können. Die Polizei mischte sich nicht ein und schaute zu. Die Felge war voll mit geschmolzenem PVC. Bei uns in Österreich würde man nie auf die Idee kommen, hier noch einen Reifen zu wechseln. Ob sie es geschafft haben, weiß ich nicht. Wir waren mit den Löscharbeiten schneller.

Man muss die Kultur, die Menschen und das Land verstehen. Im Bild die Moschee von Ruwais.
Man muss die Kultur, die Menschen und das Land verstehen. Im Bild die Moschee von Ruwais.

Wir fahren im Schnitt ca. 100 Einsätze im Jahr. Brandmeldeanlagen werden von uns nicht angefahren. Jeder Tag hier in den Emiraten ist ein neues Abenteuer. Man muss hier die Kultur, die Menschen und das Land verstehen und respektieren. Ansonsten macht man sich sehr schnell unbeliebt und sitzt
schneller als man denkt in einem Betonbunker in der Wüste oder tritt die Heimreise an.

Noch kurz zu mir selbst: Ich bin 25 Jahre alt, also 1988 in Lienz geboren. Seit mehreren Jahren bin ich Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Lienz. Ich habe den Zivildienst an der Landesfeuerwehrschule Tirol abgeleistet und bin seit sechs Monaten in den Emiraten.“

Kurt Geiger, Al Ruwais, Abu Dhabi

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1 Posting bisher
bergfex vor 3 Jahren

Man muss hier die Kultur, die Menschen und das Land verstehen und respektieren. Ansonsten macht man sich sehr schnell unbeliebt und sitzt schneller als man denkt in einem Betonbunker in der Wüste oder tritt die Heimreise an.

Dieser Satz gefällt mir besonders. Da könnten sich bei uns gewisse "Facharbeiter" eine Scheibe abschneiden.

Da sieht man auch das Österreicher (Osttiroler) auf der ganzen Welt gebraucht und geschätzt werden. Gratuliere zu dem Bericht und wünsche dem Kurt alles Gute.