Moderate Natura 2000-Töne im „Vorderen Iseltal“

Schlaiten, St. Johann, Ainet und Oberlienz melden sich zu Wort.

Nach dem Säbelrasseln und wilden Anschuldigungen der Kraftwerksbürgermeister Andreas Köll, Dietmar Ruggenthaler und Anton Steiner am Samstag, 26. Juli, melden sich am Dienstag, 29. Juli die Vertreter der Iseltaler Bürgermeisterriege mit betont besonnenen Tönen zu Natura 2000 zu Wort, angeführt vom Aineter Bürgermeister Karl Poppeller. Er versammelte im Camp von Osttirol Adventures in Ainet die Kollegen Martin Huber (Oberlienz), Ludwig Pedarnig, (Schlaiten) und Franz Gollner (St. Johann) um einen Tisch.

In ihren Statements ließen die Gemeindechefs zwar keine Zweifel aufkommen, dass der Runde Tisch mit Landesrätin Ingrid Felipe in Kals nicht nach ihrem Wunsch verlief, unterstrichen aber auch, dass ein Kompromiss bei gutem Willen aller Beteiligten aber noch in Reichweite sei.

Poppeller erinnerte an die verheerende Hochwasserkatastrophe von 1965/66, die „harte Verbauung der Folgejahre und die Renaturierung und Aufweitung, die heute in den Schlaitner Auen dem Fluss wieder Raum gibt.“ Für Poppeller ist das naturschutzrechtliche Korsett schon derzeit eng, die Biotop-Kartierung des Landes lückenlos und die Materiengesetzgebung „restriktiv und auf die Natur ausgerichtet“. Wie schon vor Tagen in einem Dolomitenstadt-Interview unterstrich der Aineter Bürgermeister, er ist auch Vorstand der Felbertauernstraße AG, dass man sich an den Vorgaben der EU orientieren müsse. Kompromissbereitschaft sei das Gebot der Stunde.

Immer wieder fiel der Begriff „Umgebungsschutz“, verbunden mit der Frage, wo genau das Schutzgebiet ausgewiesen würde, mit welchen Konsequenzen? Alle vier Ortschefs beklagen einen Mangel an Information – vor, während und nach dem Runden Tisch in Kals. Der dort von Revital präsentierte Vorschlag sei im Detail nicht dargestellt und zudem unscharf an die Wand gebeamt worden. „Wie offiziell das ist, konnte bis jetzt nicht geklärt werden“, meinen die Bürgermeister, sprechen von „elend schwacher Vorgangsweise“ und gehen davon aus, „dass das Chefsache wird“, also Landeshauptmann Günther Platter ein Machtwort spricht.

Warum fünf Wochen vor der Nominierung plötzlich die Hektik ausbricht? „Es hat einen gewissen Verdrängungsmechanismus gegeben“. Der Unterschied zum hinteren Iseltal? „Wir haben ein gemeinsames Thema mit unterschiedlichen Zugängen. Wir führen keine Kraftwerksdiskussion.“ Und der Ausweg? „Man kann sich am Lechtal orientieren“. Möglich sei das mit konkreten Managementplänen, einem Talschaftsvertrag, einem Trägerverein und einem Fördermodell, das auch jenseits des Naturschutzes die Entwicklung in der Iselregion forciere, betonen die vier Bürgermeister.

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