Portugiesischer Leiharbeiter verstarb in Osttirol

Leichnam wurde in Abfaltern begraben. Bauherr Loacker will jetzt helfen.

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Derzeit erweitert Loacker ihr Werk in Heinfels. Kostenpunkt: 70 Millionen Euro. Foto: Dolomitenstadt/Egger

Derzeit erweitert der Südtiroler Waffelhersteller Loacker mit Sitz am Ritten seine Produktionsstätte in Heinfels um ein neues Werk. Gesamtkosten: 70 Millionen Euro. Bereits Mitte Juni dieses Jahres geriet der Süßwarenproduzent in die heimischen Schlagzeilen. Damals sollen portugiesische Leiharbeiter illegal beschäftigt gewesen sein. Das Unternehmen reagierte empört und versicherte, dass Loacker „keine illegale Beschäftigung toleriere“.

Jetzt gibt es wieder Aufregung rund um die „Eisenbieger“ aus Portugal. Bernadette Moser aus Abfaltersbach bewies Zivilcourage, meldete sich bereits Anfang der Woche in der Dolomitenstadt-Redaktion und berichtete betroffen: „Eine Gruppe der Portugiesen lebt bei uns im Abfaltersbacher Widum, ganz friedlich. Einer dieser Arbeiter verstarb vor 14 Tagen an einer Krankheit in Osttirol. Da niemand für die Überstellungskosten in Höhe von 7.000 bis 8.000 Euro aufkommen wollte, wird er jetzt hier bei uns in Abfaltern begraben. Daheim hinterlässt der Mann eine Familie mit Kindern – ich vermisse hier die Menschenwürde.“

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Am Dienstagvormittag wurde der Verstorbene im Abfalterer Friedhof beigesetzt.

Am Dienstagvormittag, 16. September, fand dann im Friedhof von Abfaltern auch tatsächlich die Beerdigung im kleinen Rahmen mit wenigen Freunden und Verwandten des Verstorbenen statt. Wir konfrontierten den Bauherrn mit den Vorwürfen und erhielten folgendes Antwortschreiben von Hans-Peter Dejakum, Marketing Director bei Loacker:

„Vielen, vielen Dank für Ihre Meldung zu dieser tragischen Situation. Wir hatten ursprünglich nur von dem Vorfall gehört und fühlen uns sehr wohl betroffen. Gleichzeitig drücken wir unser tiefstes Beileid und Anteilnahme der ganzen Familie aus. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um dieser Familie die Überführung des Leichnams ihres Vaters zu ermöglichen. Gleich morgen werden wir uns mit den beteiligten Firmen in Verbindung setzen und unseren Beitrag dazu leisten.“

Tatsächlich hat der Südtiroler Waffelproduzent mittlerweile schon Kontakt mit dem Bestatter und den betroffenen Firmen aufgenommen. „Die Prüfung für die mögliche beste Lösung läuft noch und dies wird noch einige Zeit brauchen, weil wir auf jeden Fall respektvoll den Wünschen und Bedürfnissen der Hinterbliebenen folgen möchten“, berichtet der Firmensprecher. Es seien religiöse und rechtliche Aspekte zu berücksichtigen. „Mehr können wir zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht mitteilen“, so Dejakum.

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7 Postings bisher
h.klammer vor 4 Jahren

Ich find es lustig, wie leichtfertig Kommentare abgegeben werden - ohne wirklich Wissen zu besitzen. Da wird über Todesursachen diskutiert, über Bezahlung, über Anmeldung oder Nichtanmeldung,...etc. Und das alles schön anonym..... Tu felix austria-ein Heer von Polemikern mit Rechtschreibschwächen.

sewasche vor 4 Jahren

@kobis

Nachdem Sie ja über die näheren Umstände des tragischen Todes mehr wissen, als bislang über Medien kommuniziert wurde, verstehe ich, dass Sie hier emotional reagieren. Sie schreiben auch, dass sich der Portugiese nicht an einen Arzt gewendet hat, weil er „einfach nicht gemeldet“ war. Wem dem so ist - und ich gehe jetzt davon aus, dass Sie ja keine Vermutungen anstellen und alles beweisen können – dann wagen Sie sich doch den Schritt aus dem Schutz der Anonymität und bringen den Fall zur Anzeige. Dann werden jene zur Verantwortung gezogen, die hier gar nicht oder fahrlässig gehandelt haben. Sie ärgern sich ja eingangs in Ihrem Kommentar, dass man „nichts ändern und bewegen will.“ Also setzen Sie die richtigen Schritte.

Was den Arbeitnehmerschutz betrifft, greife ich auf belegbare Daten zurück: Demnach liegt Italien laut dem OECD employment protection index (EDL) wie Österreich im internationalen Mittelfeld (I: 2,79, A: 2,44), Portugal bei 2,69 Punkten auf der 0 – 6 teiligen Skala (0= geringste Einschränkung, 6 = stärkste Einschränkung). Ich würde also mit dem Begriff von „moderner Sklaverei“ vorsichtiger umgehen.

Ich hoffe doch sehr, dass sich all die Vorwürfe nicht bewahrheiten – siehe die Schwarzarbeiter-Geschichte im Juni, wo außer Anschuldigungen nichts übrig geblieben ist.

kobis vor 4 Jahren

@ sewasche

herrlich Österreich wie es im Buche steht ... tiefes Mitgefühl ausdrücken aber ändern und bewegen will man nichts ... was hilft ihr Mitgefühl der Familie in Portugal ... es tut mir leid dass ich so aufgebracht schreibe aber ihre Antwort bzw. Kommentar bringt mich wirklich zum Kochen... deshalb entschuldigen sie auch meine Ausdrucksweise aber es kann doch woll nicht sein, dass man das auch noch in irgendeiner Weise entschuldigen bzw. schön reden bzw. vertuschen will ... woher wollen bitte sie wissen ob ich hier reißerisches Halbwissen lt. Definition Nitzsches wiedergebe oder ob vl doch mehr dahinter steckt?! Ich habe in keinsterweise behauptet, dass es sich um einen Arbeitsunfall gehandelt hat, sondern dass er einer Krankheit gestorben ist, da er nicht fachärztlich versorgt wurde. Noch eine Prise "Halbwissen": er ist an einer Lungenenzündung gestorben ... Sagen sie mir, wie viele Personen im Alter von 47 Jahren müssen heutzutage noch an einer LUNGENENTZÜNDUNG sterben?! Ich denke (Auskunft Krankenschwester) dass sich dieser Prozentsatz relativ klein hält! Wissen sie wie diese Baustellen in dem Heimatland des Loacker Geschäftsführers Herrn Hess in Italien aussieht. Hier muss man vor Baubeginn alle Unterlagen an sämtliche Ämter schicken sowie an den Bauherrn, denn dieser haftet schlussendlich für die Richtigkeit bzw. Rechtskonformitäten aller Personen/Betriebe welche am Bau beteiligt sind. In Italien ist man keine 5 Minuten am Bau und schon steht der Arbeitsinspektor auf der Matte und verlangt alle geforderten Unterlagen. Eigentlich gelten alle Kollektivverträge des Landes wo man arbeitet! Sprich die portugisischen Leiharbeiter müssten ÖSTERREICHISCHE Löhne erhalten! Dies sollte eben Dumpinglöhne in Ländern mit höheren sozialen Standards sichern! Zitat von einem italienischen Arbeitsinspektor: "Österreich ist selber schuld wenn man zu wenig kontrolliert!" Glauben sie (sewasche) ich weiß von was ich spreche! Aber zurück zum leider verstorbenen Portugiesen.. Bitte ich würde gerne ihre Vermutung bzw. Halbwissen evt auch Wissen lesen wieso er sich nicht an einen Arzt wand? Ich wenn ich eine Krankheit habe frage natürlich auch immer zurerst im Freundeskreis nach irgendwelche Tabletten ... aahh entschuldigen sie, ich kann nicht anders ... er war einfach nicht gemeldet! Aber egal lassen wir die Anmeldung bzw. Sozialversicherung beiseite... Sprechen wir über Arbeitszeit Arbeitnehmerschutz ... kleiner Tipp fahren sie mal bei strömenden Regen (war ja nicht so selten diesen Sommer) nach Heinfels zur Baustellen am Abend egal wann 22:00 uä und schauen sie mal was sich alles so tut... Entweder in Portugal gibt es keine Wetterschicht oder wie es raimatt so schön formuliert hat es handelt sich um moderne Sklaverei!!! Ich wundert es nicht, dass sich dieser Mann eine starke Lungenentzündung unter diesen Arbeitsbedingungen - rundum die Uhr buggln bis zum, leider im wahrsten Sinne des Wortes, UMFALLEN; bei jeglichen Witterungen - geholt hat. Sicher sind Subfirmen involviert aber dieses Lügenkonstrukt über 20 Subfirmen und keiner weiß was der andere tut, darf es hier zu Lande nicht spielen! Wie heißt bei der Polizei: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht" Leider beinhaltet dies das Baugewerbe wohl nicht. Wobei die alle ganz genau wissen was Sache ist!!! In Italien wie bereits erwähnt schützt die Unwissenheit den Bauherrn wirklich nicht! So sollte es auch sein!! sewasche ich glaube Loacker ist hier keinesfalls zu bemitleiden, glauben sie mir die wissen ganz genau was auf ihrer Baustelle passiert... Wobei man nach allen Antworten bzw. Reaktionen von Loacker auf diverse Anschuldigen überhaupt fragen muss ob Loacker überhaupt weiß dass in Heinfels gebaut wird ...

raimatt vor 4 Jahren

Also der Arbeitsinspektorrat, die Firmen und auch die Bauherren wissen genau wie das mit den Leihpersonal, Leasingfirmen usw gehandhabt wird!! Den mit Stammpersonal und auch Leihfirmen bei denen der gesetzliche Kolektivvertrag eingehalten wird könnte man solche Baustellen nicht mit solchen Preisunterscheiden anbieten!! Das ist in Osttirol auch gar nichts neues, sondern es ist einfach in der EU gang und gebe das sich Firmen Leihpersonal zur unterstützung anfordern! Es ist halt in gewisser hinsicht ein von der EU geförderter "Sklavenhandel"!!!! Die Arbeiter von den Leihfirmen kommen meist aus Portugal, Polen, Ungarn ..... und verrrichten auf den Baustellen nicht nur die Bewehrungsverlegung sonder es gibt auch genug die eine gute Facharbeiter die zu Schalungsarbeiten usw. angestellt werden!! Da die Arbeiter mit den Lohn was sie bekommen auch sehr zufrieden sind, da es doch um einiges mehr ist wie in ihrer Heimat, machen sie die Arbeit auch gern und jammern nicht sondern sind froh das sie ein "gutes Geld" bekommen!! Sie sind dabei aber meist nur als Hilfsarbeiter oder in der niedrigsten Kollektivvertragstufe eingestellt und verrrichten aber Facharbeiter aufgaben, von Kollektivvertraglichen Zulagen und er gleichen fang ich gar nicht erst an zu schreiben, den davon sehnen die Arbeiter gar nichts!!! Also müsste der Arbeitsinspektorrat sich jeden einzelnen Arbeitsvertrag ansehn und auch zuordnen welche arbeit der Mann dazu leistet, was natürlich viel zu viel arbeit ist!! Aber leider ist das halt ganz normaler Baustellenalltag und wie schon geschrieben, moderne Sklaventriberei von der EU, den Ländern tollariert und gefördert!!!

sewasche vor 4 Jahren

Zuerst möchte ich der Familie mein tiefes Mitgefühl zum Ableben ihres Vaters und Sohnes ausdrücken. Es ist bitter, einen lieben Menschen so fern der Heimat verlieren zu müssen.

Ich halte es für falsch und absolut widerlich, der Firma Loacker irgendwie eine Mitschuld am Tod des portugiesischen Arbeiters in die Schuhe schieben zu wollen. Fakt ist, dass der Verstorbene an einer Krankheit, nicht durch einen Arbeitsunfall ums Leben gekommen ist. Fakt ist, dass der Leiharbeiter Dienstnehmer eines Subunternehmens ist, das - so hoffe ich - auch alle sozialen und arbeitsrechtlichen Standards erfüllen muss.

Warum hat es eigentlich bei der angeblichen Schwarzarbeiter-Geschichte nie eine Anzeige gegeben? Ganz einfach: Die Vorwürfe haben sich nicht bestätigt. Also bitte ich sehr herzlich darum, sich vorher zu informieren, bevor man mit Pauschalverurteilungen um sich wirft.

„Das Halbwissen ist siegreicher, als das Ganzwissen: es kennt die Dinge einfacher, als sie sind, und macht daher seine Meinung fasslicher und überzeugender.“ - Friedrich Nietzsche (1844 -1900 -klassischer Philologe und Philosoph)

mischmaschin vor 4 Jahren

Das ist hart - wenn da nur ein Bruchteil wahr dran ist (und das ist anzunehmen), dann kann sich die Olga den oben angekündigten Sprechtag sparen und sich mal drum kümmern, daß solche Schweinereien nicht in Osttirol Fuß fassen. Ich werde mir ein Beispiel an der Courage von Fr. Moser nehmen - wenn nichts anderes hilft, dann werden wir uns halt über die Medien wehren!

kobis vor 4 Jahren

Danke Bernadette Moser!!! Danke für deine Zivilcourage! Respekt!

Loacker hilft, dass ich nicht lache!! Schön wenn man die Vorstellung besitzt, dass Lohndumping und illegale Arbeiter nur auf riesigen Baustellen in Saudi Arabien, China etc. Realität ist. Traurig aber wahr, dass man gerade keine Thema-Dokumentation auf ORF2 schaut sondern sich in Heinfels, vor der Haustür, befindet... Nicht dass diese Fakten bei uns schlimmer zu bewerten ist! Ganz egal wo, es geht um die Menschenrechte und um die Menschenwürde! Aber hier können wir Bürger etwas dagegen tun und nicht wegschauen!

Bauherr Loacker will jetzt helfen ... Bauherr Loacker hat wie immer wieder nichts gewusst, nichts gehört (nur Fragmente), nichts gesehen... Loacker weiß ganz genau waß auf ihrer Baustelle in Heinfels passiert! Preisunterschiede bei der Ausschreibung in Höhe von ca. 8.000.000 EUR bei einer Gesamtsumme von ca. 70.000.000 EUR im Vergleich der heimischen Anbieter zum Bestbieter spricht glaube ich für sich. Dass hier etwas gewaltig faul ist versteht man glaube ich mit normalem Hausvertand auch, ohne dass ich BWL studiert haben muss! Loacker hätte helfen können indem sie Firmen beauftragen welche gerechte Löhne an ANGEMELDETE Arbeiter zahlen! Aber soweit sind wir schon, dass sogar das Arbeitsinspektorat wegsieht! Zitat: "So eine Baustelle sind wir nicht in der Lage zu überblicken" ... OHNE WORTE! Es ist wirklich erschreckend, dass Menschen hier bei uns in Osttirol für einen Lohn unter aller Würde arbeiten müssen und nicht versichert sind! Dieser Mann hätte ohne Probleme gerettet werden können wenn er sich an einen Arzt wenden können! Und nicht von Abfaltersbacher-Bürgern diverse Medikamente zusammenbetteln hätte müssen... Firma Loacker erhält enorme Förderungen aus ÖFFENTLICHER Hand! Es geht alles in Ordnung, dass man Betriebe fördert um neue Arbeitsplätze, vor allem in unserem arbeitsmarktschwachen Gebiet Osttirol, aber für so einen Betrieb der ohne Skrupel und Rücksicht auf Menschen und deren Würde sicher nicht!! Meiner Meinung sollte Loacker die Förderungen nur erhalten wenn sie nachweisen kann, dass alle versichert sind und gerechte Löhne erhalten!! Arbeitsplätze schön und gut aber nicht zu diesem Preis (MENSCHENLEBEN)!!!!

Ich hoffe wirklich, dass Arbeitsinspektorat/Finanzamt/Arbeiterkammer nach diesem tragischem Unglück endlich aufgewacht sind und nicht wieder wegschauen!! Nehmt euch an Beispiel an Bernadette Moser!!