Flüchtlingsquote für Osttirols Planungsverbände

Bezirk Lienz soll weitere Asylwerber nach einem Landesschlüssel aufnehmen.

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In der Angerburg, Osttirols größtem Flüchtlingsheim, leben derzeit rund 70 Menschen.

Die acht Bezirkshauptleute und Vertreter der 36 gemeindeübergreifenden Tiroler Planungsverbände sowie der Stadt Innsbruck trafen sich mit Landeshauptmann Günther Platter, Soziallandesrätin Christine Baur und Gemeindelandesrat Johannes Tratter bei einem Flüchtlingsgipfel am vergangenen Freitag im Landhaus in Innsbruck.

„Hunderttausende Menschen im Nahen Osten und in Afrika müssen auf Grund von Krieg und Terror täglich um ihr Leben fürchten“, fasste Platter als Vorsitzender zusammen: „Im Rahmen eines Tiroler Solidaritätspaktes mit den Gemeinden und Bezirken werden in Tirol bis zum Jahresende 400 Flüchtlinge zusätzlich zu den derzeit schon betreuten 1.979 Menschen aufgenommen.“

Die Festlegung einer Flüchtlingsquote für jeden Bezirk ist die erste Maßnahme, um ausgewogene Strukturen zu schaffen. Die Höhe dieses Richtwertes orientiert sich an der Einwohnerzahl des Bezirkes. Genaue Zahlen für die einzelnen Bezirke will das Land zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht veröffentlichen.

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Bezirkshauptfrau Olga Reisner will die Bevölkerung sensibilisieren. Fotos: Dolomitenstadt/Egger

Die Bezirkshauptmannschaften werden mit den Planungsverbänden die Einhaltung dieser Quote sicherstellen. Das versicherte die Lienzer Bezirkshauptfrau Olga Reisner auch gegenüber dolomitenstadt.at: „Der Obmann des Planungsverbandes Lienzer Talboden, Josef Mair, war ja selber in Innsbruck. Erwin Schiffmann und Andreas Köll habe ich bereits informiert.“ Untergebracht werden sollen die Flüchtlinge in den „Zentralräumen“ Osttirols. Dazu zählen, laut Reisner, auch die beiden Marktgemeinden Sillian und Matrei. „Jetzt gilt es, die Bevölkerung darauf vorzubereiten und zu sensibilisieren“, gibt die Bezirkshauptfrau die Marschroute vor.

Abwartend reagierte der Sillianer Bürgermeister und Obmann des Pustertaler Planungsverbandes, Erwin Schiffmann: „In der nächsten Sitzung des Planungsverbandes, welche in den kommenden 14 Tagen stattfinden wird, werde ich unsere Bürgermeister informieren. Dann muss man schauen, ob und wo Flüchtlinge untergebracht werden können.“ Man müsse allerdings behutsam vorgehen und das Ganze informativ aufarbeiten. Grundsätzlich ablehnen will Schiffmann in diesem Zusammenhang nichts: „Wenn die Rahmenbedingungen passen, kann man über alles reden.“

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Der Sillianer Bürgermeister Erwin Schiffmann will sich ansehen, ob und wo Flüchtlinge untergebracht werden können.

Der Matreier Bürgermeister, Andreas Köll, der auch das Amt des Obmanns des PV 34 bekleidet, will auf die nächste Planungsverbands-Sitzung am 27. Oktober warten: „Wir haben Olga Reisner eingeladen – sie wird die Bürgermeister zur Thematik informieren.“ Köll betont allerdings, dass seine Gemeinde in den vergangenen Jahren „sehr hilfsbereit“ war. Bereits in den 70er-Jahren habe die Marktgemeinde vietnamesische „Boat People“ aufgenommen – „ich habe sogar 20 Jahre lang neben ihnen gewohnt und gute Erfahrungen gemacht“, berichtet der Matreier Bürgermeister und VP-Bundesrat.

Bis 2009 gab es in der Tauerngemeinde ein eigenes Asylwerberheim in Form einer „Container-Siedlung“. Insgesamt 65 Flüchtlinge fanden dort eine Unterkunft. „Frau Iglesias war für die Betreuung zuständig und Frau Holzer hat sogar gratis Deutschunterricht gegeben. Außerdem waren sehr talentierte Fußballer dabei – einige spielten sogar bei uns im Verein“, erinnert sich Köll.

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Andreas Köll zeigt sich der Flüchtlingsfrage offen und erinnert sich an positive Erfahrungen in der Vergangenheit.

Nur hinter der Frage, wo syrische Flüchtlinge im Iseltal künftig untergebracht werden sollen, steht noch ein Fragezeichen. Einerseits will der Matreier Bürgermeister mit dem Pfarrer über das Widum als Bleibe sprechen, andererseits kann er sich auch eine Unterbringung in anderen Gemeinden seines Planungsverbandes vorstellen.

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Josef Mair erklärt, dass die beiden Talbodengemeinden Dölsach und Lienz mit ihren Flüchtlingsheimen die Quote für den gesamten Bezirk erfüllen. Allerdings will er weiter human agieren.

Der Dölsacher Bürgermeister Josef Mair, Obmann des Talboden-Planungsverbandes erklärt: „Wir erfüllen eigentlich mit Dölsach und Lienz die Quote für ganz Osttirol – ich glaube, es fehlen nur zwei oder drei Menschen.“ Allerdings will Mair „nicht auf einzelne Kommastellen“ schauen und ruft zur Umsicht auf: „Da sollte man schon humanitär sein.“

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1 Posting bisher
Gertrude vor 3 Jahren

Wo bleiben denn die vielen Christen in der ÖVP? Meine Herren Bürgermeister- geht mit gutem Beispiel voran und drückt Euch nicht davor, diese armen Menschen aufzunehmen.