Studium und Kind sind für mich gut vereinbar

Marlene Michor studiert, arbeitet und ist hauptberuflich Mama von Marie.

Das ist die 9. Folge der Interview-Serie “Heimweh?” Im Introvideo zur Serie erfahren Sie mehr. Unsere heutige Gesprächspartnerin ist Marlene Michor aus Dölsach, geboren am 27. Juni 1989.

Marlene und Marie Michor - porträtiert von Linda Steiner.
Marlene und Marie Michor – porträtiert von Linda Steiner.

Erzähl mal, was du machst.

Zurzeit schreibe ich meine Diplomarbeit, bin also im Endspurt meines Studiums Publizistik und Kommunikationswissenschaften und ich mache jetzt nebenbei noch eine Ausbildung zur Schreibberaterin am Schreibcenter der Uni Klagenfurt in Kooperation mit der Karl-Franzens Uni Graz.

Aber hauptberuflich bin ich Mama meiner feinen Marie, mit der ich vor fünf Jahren gemeinsam von Osttirol nach Kärnten gezogen bin, um zu studieren.

Lässt sich das Studium gut mit einem Kind vereinbaren?

Ja, absolut! Aber mit Kind zu studieren ist sicherlich ganz eine andere Herausforderung als ohne Kind. Ganz klar, du musst alles genau managen und organisieren. Studentenpartys und spontane Aktionen sind eher selten. Und lernen? Am Abend, wenn das Kind schläft. Nichtsdestotrotz  hatte ich wirklich eine tolle Studienzeit, die ich auf keinen Fall missen möchte! Der Vorteil ist nämlich, dass ich mir im Diplomstudium fast alles frei einteilen konnte. So gesehen konnte ich die wertvolle Zeit mit meiner Marie von Anfang an bis heute (sie ist jetzt siebeneinhalb) in vollen Zügen genießen. Ich hatte und habe immer noch sehr viel entspannte Zeit mit ihr und kann nebenbei ein Studium abschließen und eine zusätzliche Ausbildung machen; für diese Möglichkeit und Erfahrung bin ich ehrlich dankbar.

Gibt es schon einen konkreten Berufswunsch, den du dir nach dem Diplom erfüllen möchtest?

Beruflich war ich in den letzten Jahren beim Radio daheim. Erste Moderationserfahrungen habe ich nach der Matura bei Radio Osttirol gesammelt, während der Studienzeit war ich Beitragsgestalterin einer Uni-Sendung auf Radio Kärnten. Aktuell hat mich eine Klagenfurter Radio-Werbeagentur aufgenommen, die mich für verschiedene Projekte bucht. Möglicherweise bleibe ich auf dieser Schiene, oder ich mache eine Kurve und schlage einen neuen Weg ein.

Nachdem ich gerade die Ausbildung zur Schreibberaterin mache, im Zuge dessen ab nächstem Herbst an der Uni Klagenfurt als Tutorin arbeite und möglicherweise Workshops plane und Beratungen anbiete, könnte sich etwas in diese Richtung ergeben. Ich lasse mich einfach mal überraschen und freue mich auf alles, was kommt!

Was ist eigentlich eine Schreibberaterin?

Eine Schreibberaterin hilft dir bei deinem individuellen Schreibprojekt weiter zu kommen. Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger und rotem Korrekturstift! Hier geht es viel mehr um den Schreibprozess an sich. Hilfestellungen bei möglichen Schreibblockaden werden gegeben, Leute können über ihre möglichen Probleme sprechen, Lösungen werden gemeinsam erarbeitet. In Amerika gibt es bereits auf über 90 Prozent der Universitäten sogenannte Schreibcenter, wo Studierende an ihren Texten arbeiten und Hilfestellungen bekommen. Im deutschsprachigen Raum wird oft noch angenommen, dass Maturantinnen und Maturanten aus der Schule kommen und sofort einen wissenschaftlichen Text schreiben können, nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Dem wird durch die Angebote am Schreibcenter in Klagenfurt, das übrigens gerade sein 10-jähriges Jubiläum gefeiert hat, positiv entgegengewirkt.

Könntest du dir vorstellen, deinen Lebensmittelpunkt wieder nach Osttirol zu verlegen?

Eine Uni in Lienz wäre super, dann könnte ich sofort zurückkommen! Aber wenn ich ernsthaft darüber nachdenke zurückzukommen, wird mir klar, dass ich wohl noch eine Weile hier in Klagenfurt bleiben werde. Nachdem mein Wissensdurst noch nicht gestillt ist, ich mich weiterhin gerne selbst verwirklichen möchte und sich im Moment Türen und Tore dafür öffnen, will ich hier bleiben.

Mir taugt das familiäre Flair der Uni in Klagenfurt, der Wörthersee ist ein Traum, Marie geht hier in eine super Schule, Freundschaften sind in den Jahren entstanden. Aber das Beste an Klagenfurt ist, dass wir in eineinhalb Stunden „daheim“ in Osttirol sind. Wir setzen uns seit fünf Jahren so gut wie jedes Wochenende ins Auto und fahren ab ins Paradies zu unserer lustigen Familie. Vielleicht kommen wir eines Tages wieder zurück und bleiben für immer, wer weiß.
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In der Serie „Heimweh?“ entstehen vorerst 50 Porträts von Studentinnen und Studenten aus Osttirol, geschrieben und gezeichnet von Linda Steiner. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von Durst Phototechnik. Außerhalb Osttirols lebende Studierende, aber auch andere junge „Bildungsauswanderer“ können sich per Mail an redaktion@dolomitenstadt.at bei uns melden, wenn sie an diesem Projekt teilnehmen möchten.

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