Lienzer Stadtrat über Jugendbetreuung einig

Mobile Jugendarbeit kommt – SPÖ will auch echtes Streetworking.

Als vor wenigen Wochen die VP-Gemeinderäte Meinhard Pargger, Karl Kashofer und Stefan Schrott ihren Plan für eine sogenannte mobile Jugendarbeit in Lienz vorlegten, war die breite Zustimmung aus den Reihen der SPÖ bzw. durch Bürgermeisterin Elisabeth Blanik ebenso absehbar, wie der jetzt neuerlich geäußerte Erweiterungswunsch der SPÖ in Sachen Jugendarbeit.

Bereits Ende 2010 und mit einem Gemeinderatsantrag im Juni 2011 forderten die SP-Mandatare die Beschäftigung von Streetworkern auf den Straßen von Lienz. In einem Pressegespräch am 4. Dezember unterstrichen Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und die Mandatare Christina Gruber und Karl Zabernig, dass mobile Jugendarbeit zwar wichtig sei, aber für bestimmte „Problemjugendliche“ zu kurz greife.

Christina Gruber, Elisabeth Blanik und Karl Zabernik wollen die mobile Jugendarbeit, ergänzt um echte Sozialarbeit durch zumindest einen Streetworker.
Christina Gruber, Elisabeth Blanik und Karl Zabernig wollen die mobile Jugendarbeit, ergänzt um echte Sozialarbeit durch zumindest einen Streetworker.

Tatsächlich werden diese Begrifflichkeiten, die unter Experten umstritten sind, vom Land Tirol vorgegeben. Das Land unterstützt tirolweit mehr als ein Dutzend Projekte der „mobilen Jugendarbeit“, die als eine pädagogische und beratende Tätigkeit begriffen wird. Entsprechend ausgebildete Mitarbeiter sind zwar „mobil“ unterwegs, sprechen also auch mit Jugendlichen in Parks und an anderen Hotspots im öffentlichen Raum, sehen sich aber eher als Ratgeber und Vermittler, nicht als klassische Sozialarbeiter. Für Betreuung von Drogenabhängigen und Obdachlosen sind nach der Landesdefinition nicht mobile Jugendarbeiter sondern „Streetworker“ zuständig, ausgebildete Sozialarbeiter, die sich permanent um die Betroffenen kümmern.

Die Stadt Lienz wird 2015 über den Trägerverein des Jugendzentrums zumindest einen „mobilen Jugendarbeiter“ anstellen. Mittelfristig könnte eine zweite Arbeitskraft kommen, auch deshalb, weil man eine geschlechterspezifische Betreuung durch einen Mann und eine Frau anstrebt. Blanik, Gruber und der in einem Sozialbetrieb tätige Zabernig schlagen vor, zumindest eine der beiden Stellen mit einem ausgebildeten Streetworker zu besetzen: „Auch bei uns gibt es Drogenabhängige. Der Bedarf ist auf jeden Fall da“.

Verstärkung sollen auch die Schulassistenten bekommen. Sie haben eigentlich integrative Aufgaben, sind aber zunehmend mit sozialen Problemen von SchülerInnen konfrontiert. Zabernig: „Immer mehr Schüler haben außerschulische Probleme, die sie in die Schule mitnehmen.“ Organisiert über das Tiroler Kinderschutzzentrum werden deshalb 2015 in Lienz und in Nussdorf/Debant Schulsozialarbeiter eingesetzt. In der Stadt sollen ein Mann und eine Frau vorwiegend an den Neuen Mittelschulen und in der Volksschule Lienz Süd den Kindern und Jugendlichen mit Problemen zur Seite stehen. 90.000 Euro sind dafür budgetiert, zwei Drittel übernimmt das Land, ein Drittel die Stadt.

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3 Postings bisher
pirate vor 3 Jahren

Lieber Churchill, Streetwork kann sehrwohl auch Jugendberatung sein, in Graz bspw. gibt es das Caritas Jugendstreetwork. Es gibt bereits österreichweit Jugenzentren, die Streetworker anstellen, die für die gleiche Zielgruppe wie die Anlaufstelle zuständig sind. Prinzipiell schließt Streetwork also nicht die Jugendarbeit aus. lg

Churchill vor 3 Jahren

Außerdem: Bei uns heißt das immer noch "Trafik", nicht "Kiosk" ;-)

Churchill vor 3 Jahren

Tatsächlich? Herrscht in Lienz wirklich Bedarf nach einem Streetworker? Um meine Zweifel zu begründen: Streetworker sind keine normalen Jugendberater, sondern sind insbesondere für echte Problemfälle, wie etwa Obdachlose, Drogenkranke und Prostituierte, "zuständig".