Noch will ich die Vorteile der Stadt genießen

Miriam Reisinger studiert Bildungswissenschaften in Wien.

Das ist die 14. Folge der Interview-Serie “Heimweh?” Im Introvideo zur Serie erfahren Sie mehr. Unsere heutige Gesprächspartnerin ist Miriam Reisinger (24) aus Debant.

Miriam Reisinger, porträtiert von Linda Steiner.
Miriam Reisinger, porträtiert von Linda Steiner.

Erzähl mal was du machst!

Ich studiere in Wien Bildungswissenschaften und bin gerade im 7. Semester. Die Bachelorarbeit schreibe ich nächstes Semester und nebenbei arbeite ich bei den Wiener Kinderfreunden. Was genau nach dem Bachelor ansteht, ist noch nicht ganz klar, entweder gleich arbeiten oder vielleicht doch noch weiterstudieren.

Was sind die Wiener Kinderfreunde? Und welche Aufgaben hast du dort?



Die Wiener Kinderfreunde sind ein Verein, der Kinderbetreuung in allen möglichen Altersgruppen anbietet. Der Verein setzt sich sehr für Kinderrechte ein und versucht den Kindern in Wien ein attraktives Freizeit-Angebot und vor allem viel Spaß zu bieten. Ich bin bei den Kinderfreunden als Freizeitpädagogin tätig und arbeite hauptsächlich bei Festen und Veranstaltungen im Outdoor Bereich mit. Zum Beispiel beim Donauinselfest. Da bieten wir Kindern jedes Jahr die Möglichkeit zu unterschiedlichsten Aktivitäten, mit uns gemeinsam zu spielen, sich schminken zu lassen. Es gibt auch Spiele, wo die Kinder sich richtig austoben können.

Im Winter sieht mein Arbeitsbereich etwas anders aus. Es gibt wenige Feste im Freien. Da betreue ich Kinder zum Beispiel bei der AK in Wien, wo Mütter die Möglichkeit haben, ihre Kinder während eines Kurses von uns betreuen zu lassen. Ich mag diese Tätigkeit sehr. Es fallen viele unterschiedliche Aufgaben an und die Arbeit mit Kindern bereitet mir Freude.



Gibt es eine Altersstufe, mit der du nicht so gut zurecht kommst?



Zu Beginn war der Umgang mit den ganz Kleinen eine große Herausforderung für mich, weil man nicht recht weiß, wie die Kinder reagieren werden, wenn die Mütter weg sind. Mittlerweile gehe ich da aber sehr entspannt ran, weil Kinder – speziell Kleinkinder – solche Anspannungen spüren und sich mitreißen lassen. Also wie gesagt, mittlerweile ist es sehr schön, genau zu wissen, wie man mit Babies und vor allem mit sich selbst in solchen Situationen umgehen soll. Im Allgemeinen arbeite ich mit allen Kindern, in jedem Alter, gleich gerne.


Hattest du schon früher Kontakt zu Kleinkindern? Durch Geschwister oder als Babysitterin?


Ja, ich habe von klein an auf meine Cousine aufgepasst. Mittlerweile ist sie 15, bald 16 und, wie ich finde, ist sie ein ganz wundervoller Mensch geworden. Es hat mir immer schon Freude bereitet, den Kleinen ein Ohr zu schenken und genauer hinzuschauen. Es war mir auch immer ein Bedürfnis, Kinder zu beschützen, was damit zu tun haben könnte, dass ich einen jüngeren Bruder habe. Ich möchte den Kindern eine schöne und unbeschwerte Zeit ermöglichen. Dieses Bedürfnis, Kindern eine Stütze zu sein, erklärt auch meine Bildungsentscheidung.

Hast du einen starken Bezug zu Osttirol?



Ja sehr, ich liebe es nach Hause zu kommen. Wenn ich dann in Greifenburg bin, wird meine Freude riesengroß und ich weiß, bald bin ich wieder zu Hause. Es gab einmal eine etwas längere Phase in Wien, das waren vier Monate – und dann haben mir die Berge und meine Familie schon sehr gefehlt. In der Regel versuche ich, zumindest alle zwei Monate nach Hause zu fahren, um Energie zu tanken.

Möchtest du später nach Osttirol zurückkehren?



Auf alle Fälle, aber zuerst will ich noch die Vorteile der großen Stadt in vollen Zügen genießen. Wenn ich bereit bin sesshaft zu werden, komme ich zurück.

Gibt es etwas, das du dir für Osttirol und seine Entwicklung wünschst?



Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten; einerseits ist es wünschenswert, dass den jungen Leuten in Osttirol mehr geboten wird, um es attraktiver zu gestalten. Andererseits ist es mein Rückzugsort aus der großen stressigen Stadt. Ich finde es gut, so wie es ist!

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In der Serie „Heimweh?“ entstehen vorerst 50 Porträts von Studentinnen und Studenten aus Osttirol, geschrieben und gezeichnet von Linda Steiner. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von Durst Phototechnik. Außerhalb Osttirols lebende Studierende, aber auch andere junge „Bildungsauswanderer“ können sich per Mail an redaktion@dolomitenstadt.at bei uns melden, wenn sie an diesem Projekt teilnehmen möchten.

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