Bei der Jobsuche hab ich gar keine Probleme

Andreas Schönfelder studiert Geodäsie und verrät uns, was das ist.

Das ist die 15. Folge der Interview-Serie “Heimweh?” Im Introvideo zur Serie erfahren Sie mehr. Unser heutiger Gesprächspartner ist Andreas Schönfelder (22) aus Lienz.

Andreas Schönfelder, porträtiert von Linda Steiner.
Andreas Schönfelder, porträtiert von Linda Steiner.

Was machst du zurzeit?

Ich studiere Geodäsie auf der TU Graz und mache gerade meinen Master. Nebenbei arbeite ich im Bereich Web-Design/Homepages und anderen studienrelevanten Bereichen.

Was kann man sich unter Geodäsie vorstellen?

Eigentlich nennt sich das Studium Geomatics Engineering bzw. Geometics Science. In meinem Studium lernt man einerseits Dinge wie die klassische Vermessung, welche viel Anwendung im Kataster und Bauwesen findet. Andererseits wird auch mit sehr modernen Technologien gearbeitet. Dabei beschäftigt man sich mit Satellitensystemen, wie dem wohl allen bekannten GPS oder mit physikalischen Fragestellungen, wie der Bestimmung des Erdschwerefeldes. Außerdem lernt man viel im Bereich Fernerkundung, was vereinfacht gesagt die Auswertung von Satellitenbildern darstellt. Alles in allem ein ziemlich weit gefächertes Anwendungsgebiet

Warst du dir von Anfang an sicher, was du studieren willst? Oder wie bist du zu Geodäsie gekommen?

Nein überhaupt nicht. Eher überraschend traf mich der Bescheid, dass ich als vorübergehend untauglich eingestuft wurde. Wie bei vielen anderen war dann alles sehr spontan und das beliebte Ausschlussverfahren kam zum Einsatz. Als ich zum ersten Mal von diesem Studium hörte, weckte es sehr schnell mein Interesse. Man hat einerseits die Möglichkeit einen Beruf zu ergreifen, bei dem man das Privileg genießt, sehr viel in der Natur unterwegs zu sein, andererseits kann man auch im Bereich der Fernerkundung mit geopolitisch relevanten Themen wie zum Beispiel der Klassifizierung von Tropenwäldern arbeiten. Kurz gesagt, es ist von Anfang an ein sehr anwendungsorientiertes Studium, bei dem man schnell erkennt, was mit diesen Technologien möglich ist.

Hast du auch schon praktische Erfahrung in einem dieser Bereiche sammeln können?

Da man als Student auch immer etwas Geld nötig hat, arbeite ich im Sommer ein paar Monate. Zu Beginn meiner Studienzeit konnte ich gleich beim Grazer Zivilbüro Arge Digitalplan einer studienrelevanten Tätigkeit nachgehen. In den letzten zwei Jahren war ich dann in Lienz und habe beim Vermessungsbüro Rohracher gearbeitet und die Osttiroler Natur genießen können. Für den heurigen Sommer werde ich mir wohl in Graz oder Wien eine etwas größere IT Firma suchen. Bei der Jobsuche in diesem Bereich hat man kaum bis gar keine Probleme.

Dann stehen dir ja alle Türen offen. Kannst du dir vorstellen, in Osttirol zu leben und zu arbeiten?

Ich kann es mir sogar sehr gut vorstellen. Wie die meisten, die in Osttirol aufgewachsen sind, lernte ich sehr schnell die dort vorhandene Lebensqualität schätzen. So viel Sonne und Natur kann man in Österreich nicht überall genießen. Allerdings gibt es einige Nachteile im Bezirk, welche das Fragezeichen bezüglich einer Rückkehr nach Lienz sehr schnell größer werden lassen. Abgesehen von der wirtschaftlichen Lage und der damit verbundenen Diskussion, welche für alle „Heimkehrer“ eine große Rolle spielen wird, genieße ich in Graz vor allem das große Angebot an Kultur, besonders in Form von Konzerten.

Wahrscheinlich geht es nicht nur mir so, dass ein paar Tage in Lienz schon reichen, dass einem vor allem bei schlechtem Wetter sehr schnell langweilig wird. Hierfür fehlen schlicht und einfach Einrichtungen. Schwimmbad? Attraktive Kletterhalle? Ansprechender Veranstaltungssaal? Lauter Themen, die ich schon im Kindergartenalter gehört habe. Konkrete Pläne für die Rückkehr nach Osttirol habe ich eigentlich nicht; es bleibt noch alles offen. Kinder in der Großstadt aufziehen möchte ich nicht, aber noch genieße ich die Vorteile der Stadt.

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In der Serie „Heimweh?“ entstehen vorerst 50 Porträts von Studentinnen und Studenten aus Osttirol, geschrieben und gezeichnet von Linda Steiner. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von Durst Phototechnik. Außerhalb Osttirols lebende Studierende, aber auch andere junge „Bildungsauswanderer“ können sich per Mail an redaktion@dolomitenstadt.at bei uns melden, wenn sie an diesem Projekt teilnehmen möchten.

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