Nichts ist spektakulärer als das Universum

Chris Manucredo studiert Physik in Innsbruck und ist begeisterter Musiker.

Das ist die 20. Folge der Interview-Serie “Heimweh?” Im Introvideo zur Serie erfahren Sie mehr. Unser heutiger Gesprächspartner ist Chris Manucredo (22) aus Nußdorf-Debant.

Chris Manucredo, porträtiert von Linda Steiner.
Chris Manucredo, porträtiert von Linda Steiner.

Wie verbringst du am liebsten deine Zeit?

Am liebsten musiziere ich mit meinen Freunden. Seit vier Jahren spielen wir bereits in einer Band in welcher ich singe und Gitarre spiele.

Du studierst doch in Innsbruck, triffst du deine Band dann auch dort, oder fährst du zu den Proben immer nach Hause?

Vor ungefähr zwei Jahren habe ich entdeckt, dass das Unterrichten auch zu einer meiner Leidenschaften gehört und habe begonnen, Nachhilfe zu geben. Das gibt mir einen Grund, beinahe jedes Wochenende nach Osttirol zu fahren. Nachdem alle Bandmitglieder hier in Osttirol leben und arbeiten, wäre es etwas kompliziert geworden, wenn ich mir nicht so ein Arrangement „zurechtgelegt“ hätte.

In welchen Fächern gibst du Nachhilfe?

Mathematik, Englisch und selten auch Physik – wobei für Physik-Nachhilfe äußerst wenig Bedarf herrscht.

Glaubst du, das liegt an den guten Schulen in Osttirol?

Es wäre sehr schön, das zu glauben. Ich will nicht damit sagen, dass die Osttiroler Schulen schlecht sind – ganz im Gegenteil – aber meist wird wenig Wert auf den Physikunterricht gelegt. Als angehender Physiker finde ich das natürlich schade.

Willst du auch einmal unterrichten?

Ich habe bereits darüber nachgedacht, weil mir unterrichten viel Spaß bereitet; aber ich will nach meinem Studium auf jeden Fall forschen. Das ist auch der Grund, warum ich mich gegen das Lehramtsstudium entschieden habe.

Gibt es ein Gebiet in der Physik, das dich besonders fasziniert?

Astronomie und Astrophysik. Meiner Meinung nach gibt es nichts Spektakuläreres als das Universum, die Frage, wie alles angefangen hat und wie das alles überhaupt funktioniert. Meine Mitbewohnerinnen dürfen sich regelmäßig Vorträge darüber anhören.

Du hast ja einen starken Bezug zu Osttirol, kannst du dir vorstellen irgendwann hier zu leben und zu arbeiten?

Ich kann es mir auf jeden Fall vorstellen. Es gibt nämlich auch hier einige interessante Aufgabenbereiche für Physiker. Man stellt sich zu Anfang des Physikstudiums natürlich vor, dass man irgendwann bei der NASA oder der ESA arbeitet, um dabei zu helfen, Menschen auf den Mars zu schießen, aber wenn man nach dem ersten Semester dann wieder auf dem Boden der Tatsachen landet, denkt man über „irdischere“ Gebiete der Physik nach.

Welche Möglichkeiten bieten sich da in Osttirol?

In einigen der größeren Firmen wie z.B. der Firma Durst oder der Firma Liebherr gibt es Forschungseinrichtungen, in welchen auch Physiker gebraucht werden.

Gibt es etwas, das du an Osttirol verändern würdest?

Ich habe von Plänen gehört, Lienz zu einer kleinen Universitätsstadt zu machen. Das wäre vielleicht gar nicht so schlecht, denn mir kommen die Menschen hier manchmal etwas kurzsichtig vor. Mit einer kleinen Universität würde sicher mehr kulturelle Diversität herrschen. Das würde den Tellerrand mancher Leute etwas ausweiten.

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In der Serie „Heimweh?“ entstehen vorerst 50 Porträts von Studentinnen und Studenten aus Osttirol, geschrieben und gezeichnet von Linda Steiner. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von Durst Phototechnik. Außerhalb Osttirols lebende Studierende, aber auch andere junge „Bildungsauswanderer“ können sich per Mail an redaktion@dolomitenstadt.at bei uns melden, wenn sie an diesem Projekt teilnehmen möchten.

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