Ich möchte noch andere Teile der Welt sehen

Jakob Müller studiert Erdwissenschaften in Wien.

Das ist die 22. Folge der Interview-Serie “Heimweh?” Im Introvideo zur Serie erfahren Sie mehr. Unser heutiger Gesprächspartner ist Jakob Müller. Er kommt aus Lienz, hat acht Jahre in Iselsberg gewohnt und ist 23 Jahre alt.

Jakob Müller, porträtiert von Linda Steiner.
Jakob Müller, porträtiert von Linda Steiner.

Was machst du zurzeit?

Im Moment studiere ich Erdwissenschaften in Wien und werde den Bachelor im Sommersemester abschließen.

Bist du ein naturverbundener Mensch oder wie bist du auf dieses Studium gekommen?

Als Kind hat mich Geographie immer sehr interessiert. Trotzdem habe ich mich nach der Hauptschule aus Interesse zur Informatik und Wirtschaft dafür entschieden, die Handelsakademie zu besuchen. Wie sich im Laufe dieser fünf Jahre herausgestellt hat, war mir die Wirtschaft ein zu enges Gebiet, welches mich immer noch fasziniert, in dem ich mir aber nicht vorstellen konnte, zu arbeiten. Deshalb entschied ich mich, ein Studium in einem komplett anderen Feld, den Naturwissenschaften, zu beginnen. Die endgültige Wahl fiel erst in den ersten Studienwochen, da ich mir sehr lange unsicher war, was ich beginnen sollte.

Hast du schon eine Ahnung, welche berufliche Richtung du mit deiner Ausbildung einschlagen willst?

Noch nicht wirklich. Das Bachelor-Studium der Erdwissenschaften vermittelt ein allgemeines Verständnis über das System Erde und zielt hauptsächlich auf klassische Geologie ab. Ein starkes Interesse entwickelt sich in Richtung Hydro- und Umweltgeologie. In diesem Bereich schreibe ich gerade meine Bachelorarbeit.

Nach Abschluss dieses Studienabschnitts möchte ich gern ein oder zwei Praktika machen und mir dabei weiter überlegen, wo ich mal hinmöchte.

Hast du vor in Wien zu bleiben?

Wien hat ohne Zweifel viel zu bieten und das Jobangebot für fachspezifische Ausbildungen ist in Ballungsräumen natürlich höher. Vor allem kulturell, mit Konzerten, Parties, Theater und Festivals aller Art ist diese Stadt für Österreich unschlagbar und hat seinen eigenen Charme. Doch dass ich auf Dauer mit dem Wiener Grant (der auch sehr amüsant sein kann) und den düsteren Wintern hier leben will, bezweifle ich. Außerdem vermisse ich manchmal die Natur.

Wäre Osttirol als Lebensmittelpunkt eine Option für dich?

Eine Option definitiv. Ich genieße es immer sehr, die Ferien in Osttirol zu verbringen, Familie und Freunde zu sehen und Kraft zu tanken. Mit den Jahren merkt man jedoch, dass sich der Lebensmittelpunkt immer mehr an den Studienort verschiebt. Außerdem habe ich noch vor, andere Teile der Welt zu sehen und kann diese Frage somit noch nicht beantworten.

Wünschst du dir eine Veränderung für Osttirol?

Man sollte sich etwas einfallen lassen, um den Bezirk für junge Leute attraktiver zu machen, denn sie gestalten die Zukunft. Ein größeres Freizeitangebot wäre sicherlich hilfreich, vor allem wenn sich die Sonne mal länger nicht blicken lässt, wird es recht schnell langweilig. Außerdem wäre es gut für den stark wetterabhängigen Tourismus. Spontan fällt mir hierzu eine echte Kletterhalle ein, von der zwar immer wieder gesprochen wird, die aber noch nicht realisiert wurde.

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In der Serie „Heimweh?“ entstehen vorerst 50 Porträts von Studentinnen und Studenten aus Osttirol, geschrieben und gezeichnet von Linda Steiner. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von Durst Phototechnik. Außerhalb Osttirols lebende Studierende, aber auch andere junge „Bildungsauswanderer“ können sich per Mail an redaktion@dolomitenstadt.at bei uns melden, wenn sie an diesem Projekt teilnehmen möchten.

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