Wählt uns, ihr kleinen Häuslbauer!

Man kann die Provinzialität auch übertreiben. Ein Kommentar.

Lienz ist gerade dabei, mit buchstäblich hausbackenen Rezepten die Abwanderung zu stoppen. Nein, nicht in die Abwanderung in die Ballungszentren, wo auf gut ausgebildete junge Leute die richtigen Jobs und urbanes Lebensgefühl warten. Gestoppt werden soll der Abmarsch nach Tristach, Amlach, Leisach und Gaimberg oder in noch exotischere Regionen wie Dölsach, Oberlienz oder gar Schlaiten!

Das Rezept: Wir machen die Stadt zum Dorf, zum pseudoländlichen Idyll mit dem Charakter einer Schrebergartensiedlung. Nichts anderes ist eine Parzellierung von 350-m2-Fleckchen für die viel zitierten „kleinen Häuslbauer“, die die Stadt gerne innerhalb ihrer Grenzen hätte und nicht zweihundert Meter weiter im nächsten Dorf.

Der Exodus der Bauwilligen hat einen Grund, nämlich Baugrund. Der kostet im „Speckgürtel“, wie die Lienzer Gemeinderäte neuerdings zu den Umland-Gemeinden sagen, deutlich weniger als in guten Stadtlagen. Darauf reagiert man mit 20 kleinen Baugrundstücken – schön im Raster angeordnet, auf einem guten Acker an der Zettersfeldstraße – die „unter 200 Euro“ pro Quadratmeter angeboten werden. Man schafft sich seinen eigenen Speckgürtel. Wie originell.

Die ganze Aktion ist politisch und nicht städteplanerisch motiviert und somit hinterfragbar. Leider. Und leider typisch, vor allem für das Denkmuster der Lienzer ÖVP, aus deren Reihen der Kleinhäusler-Vorstoß bereits vor Jahren kam. Häuslbauer in der Mienekugel sind Schwarze, Wohnblock-Mieter in Eichholz Rote? Wenn es nur so einfach wäre. Heldenhaft haben Pargger & Co. eine Parzelle für den „Lebenstraum vieler Lienzer“ erobert, was ein bissl nach Raiffeisen-Werbespot klingt und der Stadt als Ganzes vorwiegend Nachteile bringt. Die SPÖ samt Bürgermeisterin spielt mit. Schließlich wird bald gewählt und Blanik weiß, wer Baugrund will, geht zum Schmid und nicht zum Schmidl, also zur Bürgermeisterin. Doch Vorsicht: Für 20 Parzellen gibt es schon 60 Bewerber – also 40 Enttäuschte!

Zersiedlung frisst wertvollen Grund, der von wenigen genutzt wird. Zersiedlung kostet Geld – weil die Infrastruktur teuer ist – die von allen bezahlt wird. Wenn das Ganze dann auch noch auf dem Reißbrett geplant und aus dem Boden gestampft wird, ist obendrein eine Menge Zoff vorprogrammiert. Hier wächst ja nicht Schritt für Schritt über die Jahrzehnte ein Dörfchen heran, sondern 20 Kaufwillige erwerben Gründe, ohne die künftigen Nachbarn und deren Pläne zu kennen.

Wer gibt die Gestaltungsrichtlinien vor und was ist, wenn jemand nicht fertig baut? Foto: Prokop/photocase.com
Wer gibt die Gestaltungsrichtlinien vor und was ist, wenn jemand nicht fertig baut? Foto: Prokop/photocase.com

Diese 20 Häuslbauer sollen dann – auf die Plätze fertig los – binnen zwei Jahren ihre Häuschen aufstellen. Hornbach lässt grüßen. Das Projekt ist das Ziel. Aber was ist, wenn einer nicht fertig wird, weil ihm das Geld ausgeht? Ein vergammelter Rohbau im Vorstadt-Idyll? Darf man ein pinkfarbenes Fertigteilhäuschen aufstellen? Und gleich daneben eines jener modischen Holzlatten-Objekte, die angeblich so super ausschauen, wenn sie nach ein paar Jahren grauschwarz geworden sind und ehemaligen Kriegsbaracken ähneln? Wer bestimmt, was gestalterisch akzeptabel ist? Die Bürgermeisterin? Der Stadtbaumeister? Meinhard Pargger? Oder gar ein Gestaltungsverein der künftigen Schrebergärtner?

Überboten wird dieser Schildbürgerstreich der Lienzer Stadtplanung nur noch von der Diskussion um die Vergabe der Baugründe. Da zeigt sich, was „Weitblick“ für kurzsichtige Wahlkämpfer bedeutet. Weil man all das für „bauwillige Lienzer“ inszeniert hat, tun sich absurde Abgrenzungsprobleme auf.

Die EU? Wurscht. Aber was oder wer ist ein Lienzer, das soll einmal einer auf den Punkt bringen. FP-Mandatar Sepp Blasisker, dem bei aller Sympathie für die Häuslbauer-Idee doch die Zuwanderung Sorgen bereitet, würde am liebsten nur die verbriefte Stadtbürgerschaft gelten lassen. Sonst könnte ja jeder Tristacher daherkommen. Elisabeth Blanik kontert mit dem Taufschein: „Was machst du mit einem, der in Lienz geboren wurde und jetzt mit Familie in Innsbruck lebt und fünf Kinder hat?“, fragt die Bürgermeisterin und setzt mit Blick auf den Finanzausgleich nach: „Denk an die Einwohnerertragsanteile“.

Am Ende überwiegen am 11. Mai im Lienzer Gemeinderat doch die weltoffenen Kosmopoliten mit sozialem Gewissen. „Was ist, wenn fünf Matreier zu uns ziehen möchten“, fragt jemand. „Köllflüchtlinge“, ruft ein anderer. „Die nehmen wir“, gibt sich der Sepp Blasisker großzügig, als moderater Freiheitlicher, der er nun einmal ist.

Nur für Uwe Ladstädter von der LSL ist die Wiederwahl offenbar kein Ziel. „Wann kommt eigentlich das seit langem beauftragte Raumordnungskonzept“, fragt er zwischendurch ketzerisch. Die Bürgermeisterin blickt in Richtung Stadtbaumeister: „Demnächst“, sagt der.

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24 Postings bisher
wolf_c vor 3 Jahren

... das mit dem Grundeigentümer ist genau der Punkt (unabhängig von unserem kulturellen Eigentumsverständis) Eigentümer sind wir als Stadtgemeinde, und wir beschliessen also, den Humus zu zerstören und Geld zu machen ... wir sollten gescheiter sein und nicht scheitern! ...

... und dann gibt es noch die Wahrheit, das Eigentümer wegen Schulden(siehe Zinssystem und Bankenrettung und Griechenland uswusw) verkaufen(müssen), und nicht aus Jux und Tollerei ...

chiller336 vor 3 Jahren

zum thema genossen sagg ich nur soviel - auch wenn grünland verbaut wurde, so hat man doch dafür gesorgt, dass bei versteigerungen Nicht mehr der osten der stadt verparkt wird und sich relativ weniger staus bilden, dass keine geruchsbelästigung mehr im stadtinneren stattfindet durch kuhmist etc. zum thema wirtschafter: jeder der gut verhandelt und möglicherweise auch spekuliert, wird das tun und seinen profit erhöhen - sofern ihm die möglichkeiten dazu zur verfügung stehen. und eine verbauung im grünen is ja wohl grundsätzlich nur möglich, wenn grundeigentümer ihren besitz verkaufen. zum thema bauruinen: es is a altes ermüdendes thema - wo abgerissen wird, bleibt meist mal brachland übrig ... leider .... aber dass es auch anders geht, zeigt einmal mehr die firma rossbacher, welche im stadtinneren ihre gründe auch möglichst kurz - und dann auch nur weil man sich erst den weg durch den genehmigungsdschungel bahnen muß - unbebaut lässt

e ist mc2 vor 3 Jahren

Es liegt wohl somit an jedem einzelnen, die richtigen Leute zu wählen, damit die alte Garde mal ausgetauscht werden kann. Mich wundert, dass auch Fr. Blanik da mitmacht, wollte sie noch schnell auf den ÖVP-Mini-Häuselbauerzug aufspringen? Frage mich, wer dort jetzt schon sein Interesse angemeldet hat, also ich würde mich da auch mal genauer erkundigen, nicht dass man die Katz im Sack kauft, bevor man dann verwundert erwacht.

Bin mal neugierig, wie sich die Fa. Zanier tatsächlich entscheidet, daran dürfte doch wohl alles hängen.

ps: was schon ein wenig auffällig in Sachen RGO ist, sobald sie abgewandert sind, hinterlassen sie eigentlich immer nur Bauruinen. Als Stadt sollte man doch wohl die Möglichkeit haben, solche Gebäude abtragen zu lassen, bei der Mühle hat es nach Gefahr in Verzug ja auch schnellstens funktioniert, jedoch war dieser Bunker dann schon höchst lukrativ verscherbelt...

wolf_c vor 3 Jahren

... politisch ändert sich gar nix, solange jeder einzelne nicht bei sich selber anfängt, und damit meine ich sicher keinen ego-wahnsinn wie wir ihn tagtäglich beobachten dürfen ...

... politisch ist die Entscheidung zur V E R - (nicht B E -) bauung, besser gesagt die Entscheidung zur Z E R S T Ö R U N G von Raum und Leben und Landschaft eine billige und schlechte und bequeme .... (aber wie ich schon erwähnte: politisch wird sich nichts ändern ... uswusw ...) und Nachdenken und Abwägen dazu könnte ja weh tun, und unerwünschte Erkenntnisse und Ergebnisse liefern ...

... und zu den 'Genossen' : diese sind sicher k e i n e Wirtschafter sondern K a p i t a l i s t e n und sie gehen mit miesem Beispiel voran; siehe deren eigene V E R - bauung mitten in der grünen ... aber dafür ist es ja 'unpolitisch' ...

... und von Park P L Ä T Z E N und dergleichen Blödsinn fange ich jetzt lieber gar nicht an. aber wie gesagt: politisch wird sich nix ändern ...

chiller336 vor 3 Jahren

politisch wird sich, wenn überhaupt, erst was ändern, wenn die gesamte liga ausgetauscht wird und endlich junge neue leute am steuerpult sitzen, die für die nöte der heutigen zeit ein vielfach besseres auge haben, als diese alteingeschossenen konservativen immerallesgleichlassenwoller - und das betrifft nciht nur diese aktuelle geschichte in unserem bezirk, sondern geht auch über die landes und bundesgrenzen hinaus

skepsis vor 3 Jahren

@ chiller336: ja leider regiert nur noch die Gier bzw. Gewinnmaximierung in unserer Gesellschaft und es wird meine Idee nur eine (sozial verträgliche) Variante bleiben. Aber träumen darf man noch und wer weiß, vielleicht denkt man doch ein wenig darüber nach, ob es nicht auch Vorteile und ein gutes (ÖVP-) Image abgeben würde, hier etwas Tolles zu machen. Es sind viele kleine Schritte, die oft zum guten Ende führen und wenn man mit solchen Maßnahmen den Menschen bzw. den Schülern und somit der heimischen Bevölkerung helfen kann, sollte das doch jedem einzelnen ein gutes Gefühl geben, etwas Sinnvolles geschaffen zu haben, da es sich die RGO wohl ziemlich sicher locker leisten könnte, einen Teil ihrer Gewinne sozial zu verwerten.

Man sollte endlich mal umdenken anfangen und kann nicht einfach ohne Konsequenzen alles zu betonieren oder wie beim Liebherr tausende m² Wiese zuschütten und jetzt ohne weitere Verbauung brach liegen lassen. Was hat das jetzt für einen Sinn gehabt, wenn doch keine Halle gebaut wird??? Es gibt auch noch andere Lebewesen auf dieser Erde, das sollten doch gerade die Landwirte wissen...

Und dass der Grundkauf Zanier 100% fix ist, glaube ich nicht, wenn man die Aussage des Firmenchefs liest, dass er noch alles prüfen läßt. Hoffentlich für die Natur und man findet wahrlich einen besseren Ort für seine Arbeitsplätze......vielleicht am RGO Gelände anstatt der alten grauslichen Gebäude? ;-)

chiller336 vor 3 Jahren

@ skepsis ... wäre hätte könnte ....bringt nix mehr, dieser zug is abgfahrn - es wird dort gebaut werden und wenn du meinst, dass eine firma zanier hier ihr kaufangebot zurückzieht, so muss ich das ins reich der träume verweisen. baugründe auf dem rgo areal sind zwar eine schöne idee - wer möchte nicht zentrumsnah grundbesitzer sein - aber eben mit sicherheit nicht umsetzbar - vor allem nicht zu DEM preis. und dass die genossen gute wirtschafter sind, ist wohl hinlänglich bekannt. so wird dieser grund brach liegen, bis jemand kommt und einen dementsprechenden preis dafür bezahlt - aber ganz ehrlich .... wer würde nicht genauso handeln, vor allem wenn man nicht unter zugzwang steht?

skepsis vor 3 Jahren

Hab heute mal das Gemeinderatsprotokoll vom 31.03.2015 gelesen. Interessante Schlagabtäusche in Sachen Hobag gibts da nachzulesen. Aber auch Interessantes zum Genossenareal der alten Versteigerungshalle:

"GR ÖR Josef Blasisker: ...... Er sei der Ansicht, dass die Stadtgemeinde Lienz beim Stadtsaal, beim Hauptplatz und bei der Nordschule säumig sei. Auch wünsche er sich eine Verwertung des RGO-Areals in der Stadt. Die Bürgermeisterin bestätigt, dass die Schule Nord eines der nächsten Projekte sein müsse. Sie weist aber darauf hin, dass es für die Verwaltung nicht möglich sei zur laufenden Arbeit und dem Um- und Zubau des Dolomitenbades noch ein Großprojekt wie die Schule umzusetzen. Verhandlungen bzgl. des RGO-Areals scheiterten bisher an den Preisvorstellungen der Genossenschaft. Beim Stadtsaal gebe es neue Eigentümer mit denen man Zukunftsgespräche führe. Vzbgm. Meinhard Pargger bestätigt, dass die Nordschule politisch außer Streit stehe."

Es wurde also offenbar schon probiert, das Genossenareal zu erwerben, nur die Gier der ÖVP Genossen scheint doch zu groß zu sein, um einen Preis zu akzeptieren, der der Stadtgemeinde die Möglichkeit weiterer Stadtentwicklungen für die Allgemeinheit zu ermöglichen, obwohl diese ÖVP-Bauernvertreter eh nicht wissen, wohin mit ihren Gewinnen. Herr Pargger, dazu hätte ich gerne eine Antwort, warum vorher wieder in die grüne Wiese gebaut werden muss, obwohl hier eine riesen Fläche nur darauf wartet, sinnvoll genutzt und somit platzsparend verwertet zu werden. Immerhin lebt die Genossenschaft dieser Grundeigentümer ja wohl auch von der Bevölkerung. Wäre es da nicht auch mal Zeit, etwas zurückzugeben und dort etwas Sinnvolles, wie z.B. günstige Baugründe, zu schaffen? Oder die "Schule Nord Neu" dort grundkostengünstig zu errichten. Da die Wirtschaft nun mal nur funktioniert, wenn das Geld immer in Bewegung bleibt, wäre es doch wohl eine gute Idee, hier von jemanden der sehr viel hat, etwas abzugeben und damit der Wirtschaft/Bevölkerung zu helfen und auch der Abwanderung ein wenig entgegen zu wirken und gleichzeitig auch die noch vorhandenen Äcker und Wiesen zu erhalten, was doch auch im Sinne der Landwirte sein müßte.

Also Herr Pargger, bemühen Sie sich bitte darum, das würde wohl viele Wählerstimmen bringen, wenn die ÖVP-Genossen hier mal ein wenig nachgeben würden und somit allen geholfen wäre.

Hoffe auch, dass Herr Zanier von sich aus den Kaufantrag zurückzieht und somit diese planlose Grundstücks/Schrebergartenparzellierung in die grüne Wiese hinfällig wäre.

Macki vor 3 Jahren

Ja hoffentlich tut endlich einmal jemand etwas für uns kleine Häuslbauer! Bitte mehr davon und meine Stimme geht dorthin. Ich wähle keine ilusorischen Gutmenschen.

chiller336 vor 3 Jahren

@ golipi stimmt, gewagte these ... ich bin 45 +, und entspreche sonst in keinster weise deiner eingeworfenen these. ABER ich bin vom fach und aus dieser hinsicht kann ich nur wiederholen: jeder der sich beabsichtigt, dort ein grundstückl zu sichern - sofern er eins bekommt und den auswahlkriterien entspricht - sollte sich nach möglichkeit VOR unterzeichnung irgendwelcher verträge mal ansehen, wie groß ein grundstück mit der angegebenen m² zahl wirklich ist. und dann entscheiden, ob er oder sie beabsichtigt, den rest seines/ihres lebens in einer - ich sages nun absichtlich - schrebergartensiedlung verbringen möchte. mit blick auf den bebauungsplan stellt sich mir auch die große frage, warum die zufahrt zur firma zanier DURCH diese siedlung erfolgt - viel spaß dann, wenn anlieferung und abholung durch lkw oder gar sattelschlepper regelmässig mitten durch euren kleinen lebenstraum erfolgt .... und das zu diesem preis!!

bergfex vor 3 Jahren

@Blitz Donner........So ist es. Dein Posting passt genau zum Artikel.

@golipi,..........Es ist deine Meinung, die eben zu akzeptieren ist. Ich schreibe es deiner Unerfahrenheit zu, lass dir aber deinen Standpunkt.

Blitz Donner vor 3 Jahren

...nur am Rande...wenn man gescheit, gescheit schreibt, dann bitte mit "t".....

Also ich bin ein genau "45+/-"...wo stehe ich dann? Was man dazu auch schreiben kann, dass die "45-" Generation die ist, die schon längst am Erben von ihren Großeltern oder Eltern ist, also bitte nicht meckern, denn da werden dann auch diese großen Gärten wieder frei...

Aber der Schreiber hat schon recht. Diese Parzellenaufteilung ist ja ein Witz. Da fällt ein Rechen mal um, dann muss man ihn schon beim Nachbar suchen... Warum man hier so agiert, ist ja wohl auch klar. Den Zanier MUSS man da billigpreislich hinstellen, damit durch die Arbeitsplätze die er eh schon hat oder event. noch kreieren will ÖFFENTLICHES Interesse vorgegaukelt, beim Land Tirol durchgewunken und somit so ein wertvoller Acker auch schon wieder bedenkenlos zugebaut werden kann. Und da die Weitsicht eines Politikers immer nur dem Machterhalt und den nächsten Wahlen gilt, werden das nicht die letzten Unsinnigkeiten dieses Gemeinderates sein.

Ich frage mich nur, wenn M-Preis zwischen Hofer und Billa eh nicht baut, warum Zanier dann nicht diesen Grund käuflich (unglücklicherweise zu sicher einem viel höheren Preis) erwirbt und in dieses Brachland baut und nicht ein schönes Naherholungsgebiet mit dem Radweg nach Nußdorf, zubetoniert. Es ist auch interessant, dass wir Bürger auf der anderen Seite der Zettersfeldstraße keinen Zanier als Lärmschutz bekommen haben...da sieht man wieder mal, dass man sich alles zurechtschustern kann, nur um unbedingt wieder ein völlig jungfräuliches und seit jeher unberührtes Gebiet anzuknabbern und auch hier mit dem Bodenfraß ungehemmt fortzufahren.

Wo ist hier der hochwichtige Bebauungsplan, der solches Misch-Masch verhindern soll? Wo ist das Land Tirol, das so einen Blödsinn verhindert? Und warum können überall brachliegende Grundstücke einfach unbebaut bleiben? Warum denkt man nicht mal über einen Tausch solcher Grundstücke mit unberührter Natur nach? Auch ich wundere mich darüber, dass das ÖVP-Genossenareal, die Franz Josef Kaserne, das Borgareal, die HOBAG Flächen, riesen Flächen am Bahnhof, das M-Preisareal etc. etc.etc. unbebaut bleiben können. Wie lange glaubt ihr Politiker eigentlich noch, dass man tun und lassen kann, was man will, egal wie die nächsten Generationen darüber mal denken werden?

Also wir werden uns dort drüben sicher nicht anmelden, wer will denn schon in so einer "amerikanischen Haus- an Haus und Fenster- an Fenstersiedlung wohnen? Welcher Raumplaner hat denn diese Parzellierung vorgeschlagen? Wenn ich schon platzsparend baue, dann wohl nur als Reihenhaussiedlung. Dafür muss man nicht studiert haben, um ein wenig (Reihen-)Hausverstand einzusetzen und damit Platz zu sparen.

Also an alle, die dort bauen werden, jetzt schon viel Spass mit den Auflagen, die die Stadt hier vorgibt (Miniparzellen zu 195,- €!, Vorkaufsrecht, Wiederkaufsrecht, alte EIGENTUMSwohnung ist zu verkaufen!, der Zanier nimmt euch dann nicht nur den unglaublich lauten Straßenlärm sondern gleich auch die Abendsonne zu einem viel günstigeren Kaufpreis, der Postdienstzustellungslärm ab 5h früh...und in spätestens zehn Jahren fällt euch in dieser Enge dann sowieso die Decke auf den Kopf...Ein schönes Bsp. ist ja dazu das neue Ortsbild von Amlach am Ortseingang, also auch hier hat die Raumordnung total versagt!

Echt gut durchdacht das ganze Konzept, würde sagen NICHT GENÜGEND und rein politisch motiviert, wie Herr Pirkner treffend schrieb. Bin ja mal neugierig, wie der nächste Gemeinderat aussehen wird, hoffentlich fliegen da ein paar ewig gestrige endgültig raus.

golipi vor 3 Jahren

Ich werfe jetzt einmal eine gewagte These in den Raum.

Alle, die hier so gescheid schreiben wohnen selbst in einem schönen Einfamilienhaus, haben >600m² Grundstücksfläche, und sind in der Generation 45+. Damals bekam man noch den Grund mehr oder weniger nachgeworfen, die Größe konnte man sich aussuchen und die Baukosten waren auch noch normal. Da kann man leicht gescheid reden.

Bitte versetzt euch mal in die Lage eines jungen Menschen. Den Traum vom eigenen Heim haben die meisten, hattet ihr auch. Nur zurzeit ist es fast unmöglich. Von den Kosten ganz zu schweigen. Man erhält nirgends mehr "große" Gründe (wenn man überhaupt noch Gründe erhält, siehe Sillian - Strassen). Selbst wenn in Kalkstein ein Grund umgewidmet und neu parzelliert wird, werden die größten Grundstücke nur um die 450m² haben. Das ist die Tiroler Raumordnung. I heiße die auch nicht gut nur leider ist das jetzt einmal so. Wir junge Menschen müssen damit leben. Uns bleibt nichts anders übrig als nach dem Motto "Lieber ein kleines Grundstück als gar kein Grundstück" zu bauen. Aber am liebsten würdet ihr 45+ uns alle alla Lienz Süd in verpfuschte, grausige, enge Billigstwohnblöcke stecken um Grund zu sparen. Das ihr die großen Flächen verbaut habt, sagt ihr nirgends. Seht auch mal Gemeindebilder vor 40 Jahren an und jetzt. Das nennt man Bauboom. Und dass eine Wohnung in so einer Wohnblocksiedlung, welche wirklich an Kriegsbaracken in größerem Stil ähneln, nicht erstrebenswert ist, dürft ihr uns auch nicht übel nehmen.

Wie gesagt, es heißt nicht umsonst der Traum vom eigenen Haus. Also bitte respektiert das.

bergfex vor 3 Jahren

Lieber Gerhard Pirkner.

Wieder einmal hast du einen top Bericht erstellt. Leicht sarkastisch, aber den Nagel genau auf den Kopf getroffen. Man sieht ja an den Kommentaren der User, welche Meinung das "Volk" hat. Dem allen ist nichts hinzu zu fügen. DANKE Gerhard.

schnuffi vor 3 Jahren

Was ich bei uns nicht verstehe sind die horrenden Grundstückpreise. Bei uns zählt ausschliesslich die stadtnahe Lage zu Lienz und die Sonnenstunden im Winter die der Bauplatz bietet. Wir haben eine schwache Infrastruktur, keine Uni und zahlen auch noch Höchstpreise! Was wir aber haben ist Lebensqualität. Wir wohnen in einem Paradies für Sportbegeisterte.

chiller336 vor 3 Jahren

@ prinzessin L: da hast ka chance mehr - den speck ham sich schon andere gschnappt und den kas, der dort verzapft wird, is ohnehin ungeniessbar ;-)

@ schnuffi: der abstand zur grundgrenze errechnet sich aus der höhe der traufe x 0,7m - jedoch gilt ein mindestabstand von 4m zur grundgrenze - ausgenommen der bau einer garage, die kann direkt an der grundgrenze verbaut werden. nichtsdestotrotz finde ich persönlich es unverantwortlich, so kleine baugrundstücke an, ich sag mal laien, zu vergeben. ich kann nur dringend jedem empfehlen, sich vor kauf zu informieren, wie groß ein gebäude sein darf/kann und wie sich das dann in der realität anfühlen wird - in bezug auf verdichtete bauweise.

liest man sich die vergabekriterien durch, fällt auf, dass dere stadtgemeinde bei wiederverkauf dieser liegenschaften immer ein vorkaufsrecht eingeräumt wird .... lässt wieder platz für spekulationen

christoph vor 3 Jahren

sparsam und zweckmäßig ist zum spar gehn und reißzwecken kaufen, wenn sonderangebot weitestmögliche Wiederherstellung ist weitläufig und meist unwiederbringlich oder -bar cash c)…. d)…

uswusw…ist wenn man/frau nicht weiter weiß wählen Gesetzesbrecher verstoßen stoßspiel ist gesetzesbrecherisch wer hat die gewählt :-(

wolf_c vor 3 Jahren

vielleicht passt dies zum Thema :

(2) Ziele der überörtlichen Raumordnung sind insbesondere: a) die sparsame und zweckmäßige Nutzung des Bodens, b) der Schutz und die Pflege der Umwelt, insbesondere die Bewahrung oder die weitestmögliche Wiederherstellung der Reinheit von Luft, Wasser und Boden sowie die Vermeidung oder Verringerung der schädlichen Auswirkungen von Lärm, c).... d)...

uswusw...

.... und jetzt frage ich: werden wir von Gesetzesbrechern regiert? und wer hat die gewählt :-) ?

skepsis vor 3 Jahren

Dieser Bericht bringt tatsächlich (ein wenig sarkastisch) die Wahrheit zu Tage. Warum nur wird wieder ein gutes Stück Ackerland so locker und offenbar ohne groß nachzudenken, verbaut. Mit Miniparzellen und einem Industriegrundstück. Warum schreitet hier nicht das Land ein und stoppt so einen Irrsinn. Und warum werden nicht vorher mal im Stadtgebiet verschiedene Grundstücke wie das Raiffeisengenossenschaftsareal vom Zanier verbaut. Ich verstehe einfach nicht, warum man nicht endlich mal umdenken anfängt und auch der Spargedanke zählt. Erst wenn alles verbaut ist, wird man wohl merken, dass es keine Wiesen und viel weniger Bienen gibt. Doch so lange wir haben, wird ordentlich verbraucht, egal ob es in der Stadt sicher hunderte leerstehende Objekte und Wohnungen gibt, die nur noch als Spekulationsobjekte dienen. Oder es werden so teure Wohnungen in den besten Lagen gebaut, dass man sich das auch nicht mehr leisten kann, außer man ist von auswärts und braucht einen Freizeitwohnsitz. Schade, dass man diese Stadtregierung zum größten Teil echt vergessen kann, denn man scheint auf gar keinen Fall mal anfangen zu wollen, ein wenig moderner und weniger geldgierig (es geht ja wohl nur um die Steuereinnahmen und sicher nicht um die Menschen) denken will. Schwache Vorstellung liebe Bgm., die diesen schwarzen Schwachsinn auch noch gut heißt....

schnuffi vor 3 Jahren

Im Westen soll die Fa. Zanier als Puffer zur Zettersfeldstrasse hin dienen. Das passt. Südlich ist die Post angesiedelt. Hat schon jemand an die Lieferung der gesamten Post in der Nacht mit den zahlreichen LKW's gedacht?? Der zuständige Raumplaner hat sicher das Maximum aus der vorhandenen Fläche herausgeholt. Ohne dementsprechenden Bebauungsplan (ist sicher gemacht worden) mit einem Mindestabstand von 3 Meter zum angrenzenden Grundstück kann man bei diesen Minibauplätzen ja fast nicht mehr bauen. Wenn man ein Haus mit 8x10 Metern plus Garage und Terrasse annimmt, bleibt nicht mehr viel Grünfläche übrig und es wird zum Nachbar hin echt supereng. Siehe die verschachtelte Siedlung im Weberlefeld in Thurn, die Siedlung in der Zettersfeldstrasse in Gaimberg wo sogar direkt neben bzw. unter der Hochspannungsleitung gebaut wurde und teilweise auch die neue Siedlung in Amlach. Die Häuser stehen knapp hintereinander und man schaut von der Terrasse direkt in Nachbar's Garagenwand bzw. Gartenmauer. Möchten die zuständigen Planer bzw. Verantwortlichen der Gemeinden selbst auch so wohnen?

PrinzessinL vor 3 Jahren

Wie immer ein treffender Kommentar. Mitten rein ins Schwarze.

Ich wäre ja nur gerne mal Mäuschen bei der Vergabe.

webe vor 3 Jahren

ein wunderbarer artikel, hr. dr. pirkner, DANKE !!!

ich habe vor nunmehr über 30 jahren meine speckgürtel-(heimat)gemeinde verlassen und beobachte regelmäßig das "treiben" in der "provinz" aus der ferne. ich amüsiere mich köstlich über solche possen. jedenfalls spare ich mir eine menge geld an kabarett-eintrittsgeldern. die berichte aus lienz, matrei, virgen etc., mit all ihren "kasperln", sind so lustig, da kommt ein kabarettprogramm niemals mit.................

frin vor 3 Jahren

Was ich nicht ganz nachvollziehen kann ist die fast konstante Einwohnerzahl seit über 40 Jahren, aber es werden immer mehr Häuser und Wohnungen gebaut.

Was passiert mit den ganzen leeren Wohnungen in 20-30 Jahren wenn die Einwohnerzahl einmal unter 10k rutscht - wird das wieder abgerissen, soll sich doch die nächste Generation drum kümmern?

anton2009 vor 3 Jahren

Sehr geehrter Herr Dr. Pirkner! Aufrichtige Gratulation zu Ihrem hervorragenden Kommentar; diesem fehlt nur noch ein Absatz, der dem Sportartikelhändler Zanier gewidmet ist, der mit seinem Industriebau die neuen "Schrebergärtler" vom Lärm der Zettersfeldstraße schützt!

Offensichtlich ist das Projekt schon so weit ausgearbeitet, dass ein Rückzug nicht mehr möglich ist! Schade!