Zwei Meilensteine rollen auf Lienz zu

Mobilitätszentrum und Kaufhaus Lienz verändern die Balance der Stadt.

Der 8. Juni könnte als historischer Tag für die Chronik von Lienz eingehen. Bei der Gemeinderatssitzung an diesem Montag wurden nämlich unspektakulär – und für viele Gemeinderäte vermutlich sogar unbewusst – zwei Weichen gestellt, die die Stadt maßgeblich und nachhaltig verändern werden. Zum einen fiel mit der einstimmigen Freigabe erster Planungskosten der offizielle Startschuss zum sogenannten „Mobilitätszentrum“ beim Bahnhof.

Das klingt weniger spektakulär als es ist, denn hinter dem etwas kryptischen Begriff verbirgt sich ein 20 Millionen-Projekt, das nicht nur den Bahnkunden Barrierefreiheit bringt, sondern der ganzen Stadt. Derzeit versperrt der riesige Gleiskörper der Bahn den bevölkerungsreichen neuen Stadtvierteln im Lienzer Süden nämlich den Weg in die Innenstadt. In drei Jahren wird es möglich sein, zu Fuß in wenigen Minuten von den „Hochhäusern“ an der Tristacherstraße auf den Hauptplatz zu schlendern.

Neue Wege werden neue Chancen öffnen. Auch die Chance, das verkehrsplanerische Chaos auf der Bahnhofskreuzung und auf dem Bahnhofsvorplatz zu beseitigen, inklusive der Schwachstellen im Bereich Vögele, New Yorker und McDonalds. Bereits vor einigen Monaten haben wir beschrieben, was das Projekt „Mobilitätszentrum“ kann. Wenn man bedenkt, dass es auch noch zum größten Teil aus Mitteln der Bahn, des Bundes und des Landes finanziert wird, dann muss man wirklich von einem Meilenstein sprechen.

Das Mobilitätszentrum am Bahnhof und das (vorerst nur angekündigte) EKZ an der Dolomitenkreuzung werden Lienz verändern.  Foto: Wolfgang C. Retter
Das Mobilitätszentrum am Bahnhof und das (vorerst nur angekündigte) EKZ an der Dolomitenkreuzung werden Lienz verändern. Foto: Wolfgang C. Retter

Ein anderer Meilenstein könnte auch zum Mühlstein werden und den positiven Effekt des Mobilitätszentrums auf den Verkehrsfluss und die Lebensqualität in Lienz wieder zunichte machen. Mit einem lapidaren Brief, der am Ende der Sitzung verlesen wurde, besiegelte Immobilieninvestor Martin Hellweger das Schicksal der „Dauerg’stätten“, die zwei Kreuzungen vom Bahnhof entfernt seit Jahren für Diskussionen sorgt. Hellweger, der ein ganz anderes Kaliber sein dürfte als die finanzmarode Hobag, hat das Grundstück für das Kaufhaus Lienz übernommen und wird damit Geld verdienen wollen, wie seine Vorgänger. Im Unterschied zu Bachmann, Reichegger & Co. könnte ihm das auch gelingen. Startet er durch, werden rund 40 Millionen Euro in einen mehrstöckigen Einkaufstempel investiert, der die Verkaufsfläche der gesamten Stadt und die Anzahl der Parkplätze im Stadtbereich um ein Drittel vergrößern wird! Das ist ein Erdbeben für den angestammten Handel, aber auch für die Verkehrsplaner.

Wie das Mobilitätszentrum am Bahnhof wird das Großkaufhaus Lienz die vorhandene Balance des kleinstädtischen Lebens verändern. Im Gegensatz zum Bahnprojekt, das für alle ein Gewinn sein dürfte, wird es beim Kaufhausprojekt Gewinner und Verlierer geben. Wer draufzahlt, wird sich aber frühestens in zwei Jahren zeigen, also lange nach der nächsten Gemeinderatswahl.

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7 Postings bisher
Lienz1234 vor 3 Jahren

Liebe Besucher der Homepage von Dolomitenstadt! Ich bin für das Kaufhaus Lienz und das Mobilitätszentrum ist eine Gute Idee nur das jetzige Bahnhofsgebäude sollte bleiben und nicht abgerissen werden. Ich hoffe ins Kaufhaus Lienz kommen Geschäfte die uns fehlen das wäre ein echt gutes Geschirr Geschäft, Modell Eisenbahn Geschäft, und viele andere Sparten die mir jetzt einfallen Ciao Lienz1234

Macki vor 3 Jahren

Zitat: "und für viele Gemeinderäte vermutlich sogar unbewusst"

Was bringt ihnen dieses ständige unqualifizierte Schlechtmachen der Politiker?

Wenn ich sie erinnern darf, war das ganze Thema der damaligen Volksbefragung die Größe !!! des Kaufhauses und dessen EInfluss auf die Stadt und ihre Geschäfte. Ich denke daran können sich noch alle Gemeinderäte erinnern. Viele Gemeindebürger haben es nicht verstanden und/oder wie sie vergessen. Naja...

neugierig. vor 3 Jahren

Besten Dank für Ihre Antwort.

Na wenn heute die Frist abläuft, hoffe ich mal, dass dort doch nicht alles verbaut wird....

F_Z vor 3 Jahren

Also ich bin ja gelernter Österreicher und von daher erstmal skeptisch... "...versperrt der riesige Gleiskörper den ... Stadtvierteln im Lienzer Süden nämlich den Weg in die Innenstadt" <- naja, wenn’s die Gleise nicht wären, dann wäre es halt die Drau. Ob die geplante Unterführung (nach der Grafik in den älteren Beiträgen um die 300m lang) ein finsteres Loch im Boden wird, oder doch was anderes werde ich mir anschauen wenn sie steht. Und immer wieder lustig finde ich, wofür die ÖBB Geld ausgibt. Ich würde es schlauer finden, wenn sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren würde, und ihre Schulden abbauen würde.

Rein Interessehalber: wo kommen denn die Zahlen zu "...Anzahl der Parkplätze im Stadtbereich um ein Drittel vergrößern..." her? 1/3 kommt mir etwas viel vor.

Gerhard Pirkner vor 3 Jahren

@neugierig - ich meinte den Mühlstein, den man sprichwörtlich um den Hals hängen hat, hab´s aber tatsächlich nicht optimal formuliert :-). Zu Ihrer Frage nach dem Thema "Zanier": es wurde kaum angesprochen in dieser Sitzung und lediglich darauf hingewiesen, dass die Frist zur Bewerbung um ein Grundstück nicht verlängert wird. Sie endet am 11. Juni.

bergfex vor 3 Jahren

............. Wer draufzahlt, wird sich aber frühestens in zwei Jahren zeigen, also lange nach der nächsten Gemeinderatswahl..............

Und da wird es keine BM. B. mehr geben. Sie will sich, ohne wenn und aber , ohne Rücksicht auf Verluste, ein Denkmal setzen. Im Kopf von B. fahren ja schon jetzt die Bagger auf. Ich hoffe, die Bevölkerung von Lienz wird es zu deuten wissen.

neugierig. vor 3 Jahren

Zu aller erst an den Autor: Ich verstehe diesen Satz nicht recht: "Ein anderer Meilenstein könnte auch zum Mühlstein werden und den positiven Effekt des Mobilitätszentrums auf den Verkehrsfluss und Lebensqualität in Lienz (.......?) wieder zunichte machen." Fehlt hier ein Teil vom Satz?

Auf alle Fälle scheint sich tatsächlich was zu tun. Schon interessant, dass das offenbar alles so nebenbei durchgewunken wurde, ist doch eine tolle Sache, dass am Bahnhof modernisiert wird. Was das EKZ betrifft, bin ich doch recht skeptisch, wohin das alles noch führen soll, es wird halt an einigen Tagen der Verkehrskollaps drohen. Und möglicherweise werden Geschäfte der Innenstadt zusperren müssen. Aber wenn man Fr. Blanik im ORF Tirol so zuhört, will sie unbedingt, dass dieses EKZ mit allen unvorhersehbaren Konsequenzen gebaut wird. Eigenartig, wie kurzsichtig hier ihre Meinung ist, nur um endlich mal diesen Fehler aus der Vergangenheit verschwinden zu lassen, damit sie dieses Thema endlich begraben kann.

Ach ja Herr Pirkner, wurde das Thema "Zanier" eigentlich nicht angesprochen am 8.6.? War Herr Steininger nicht anwesend, er hackt doch liebend gern auf der Fr. Bgm. herum, wär doch wieder aufgelegt gewesen, darüber zu "diskutieren". Was passiert hier jetzt an dieser schönen Wiese? Wird sie trotzallem verbaut, obwohl es wahrlich viel bessere Grundstücke dafür gäbe, wo nicht wieder bestes Ackerland vernichtet wird?

Wenn man die Meldungen so liest und hört, muss es sich wohl um eine etwas eigenartige Gemeinderatssitzung gehandelt haben, wobei ja auch Herr Pöll dieser wieder nicht beisitzen wollte.