Nicht nur Osttirol ist meine Heimat

Die Sprachstudentin Antonella Talarico lebt gerne in Großstädten.

Das ist die 39. Folge der Interview-Serie “Heimweh?” Im Introvideo zur Serie erfahren Sie mehr. Unsere heutige Gesprächspartnerin ist Antonella Talarico, 24 Jahre, aus Dölsach.

Antonella, porträtiert von Linda Steiner.
Antonella Talarico, porträtiert von Linda Steiner.

Erzähl mal was du machst!

Ich bin Studentin an der Universität Wien, aber zurzeit bin ich in Spanien (Valencia) auf Auslandssemester. Mein Erasmussemester hat im Februar begonnen und neigt sich schon dem Ende zu. Es hat mir persönlich viel gebracht, da ich Spanisch und Englisch (auf Lehramt) studiere und ich hier beide Sprachen viel gebraucht habe. Englisch meistens, um mich mit den anderen Erasmus StudentInnen zu unterhalten und Spanisch auf der Uni und im Umgang mit den Einheimischen. Außerdem konnte ich hier, wie vor ein paar Jahren während meiner Aupairzeit in London, Leute aus der ganzen Welt kennenlernen und Freundschaften schließen, die überdauern.

Warum hast du dich für dieses Studium entschieden?

Da ich zweisprachig aufgewachsen bin (deutsch/italienisch), hatte ich schon immer einen besonderen Bezug zu Sprachen. Nachdem ich in der BHAK in Lienz maturiert habe, bin ich nach London gegangen, um mein Englisch zu verbessern. Dort habe ich umso mehr gemerkt, dass ich mich auch in Zukunft mit Fremdsprachen beschäftigen möchte. In der Sprachen-HAK hatte ich auch Spanischunterricht und diese Sprache hat mir von Anfang an gefallen, daher habe ich mich dafür entschieden, Spanisch und Englisch zu studieren. Nach einem Gespräch mit einer Betreuerin im Studentpoint in Wien habe ich beschlossen, die zwei Sprachen auf Lehramt zu studieren, da sich der alte Studienplan für den Magister kaum vom Bachelor-Master-Studienplan unterscheidet. Somit konnte ich nicht nur ein Philologiestudium, sondern zugleich auch ein Pädagogikstudium machen.

Was gefällt dir am besten in deinem Studium?

Besonders gut gefällt mir, dass fast alle meine Lehrveranstaltungen aus kleinen Gruppen bestehen (25 bis 30 Leute) und man somit seine MitstudentInnen recht gut kennenlernt und trotzdem immer mit neuen Leuten zu tun hat. Außerdem gefällt es mir, dass so gut wie alle Professoren „Native-Speaker“ sind und man dadurch einen ganz besonderen Bezug zur Sprache bekommt.

Ach ja, und auch, dass ich am Uni-Campus im Alten AKH studiere, gefällt mir sehr gut. Das „alte AKH“ besteht nämlich aus vielen Gebäuden, die durch grüne, autofreie Innenhöfe miteinander verbunden sind. In diesen kann man im Sommersemester gut picknicken und im Schatten unter den Bäumen oder auf einem der vielen bunten „Enzis“ lässt es sich besonders gut lernen – und tratschen!

Hast du noch einen starken Bezug zu Osttirol?

Jein, ich komme immer gerne nach Hause, um meine Familie zu besuchen und um die Natur zu genießen. Da ich aber von klein auf meine Familie in zwei verschiedenen Ländern hatte, ist nicht nur Osttirol meine Heimat, sondern auch Italien. Außerdem wohnen meine Freunde so gut wie alle in Wien oder außerhalb von Österreich, daher bin ich in den Ferien auch gerne in Italien, besuche meine Freunde im Ausland oder genieße die Freizeit in Wien.

Glaubst du, dass du irgendwann wieder hier leben wirst?

Ganz ausschließen kann man das natürlich nie, aber derzeit würde ich die Frage eher mit nein beantworten. Ich lebe zu gerne in größeren Städten (oder in ihrer Nähe), als dass ich mir vorstellen könnte, nach Osttirol zurückzukehren. Ich mag den Trubel der Großstadt, solange es genug Naherholungsgebiete gibt, was in Wien eindeutig der Fall ist. Ich mag das kulturelle Angebot und gehe so gut wie jeden Monat ins Musical, zu Konzerten oder ins spanisch-, italienisch- oder englischsprachige Kino, ich lerne gerne neue Menschen aus verschiedenen Ländern kennen und ich mag es auch, dass man in größeren Städten kein Auto braucht. Mit den vier Sprachen, die ich beherrsche, stehen mir viele Türen offen und ich kann nicht ausschließen, dass Valencia meine letzte Auslandserfahrung war.

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In der Serie „Heimweh?“ entstehen vorerst 50 Porträts von Studentinnen und Studenten aus Osttirol, geschrieben und gezeichnet von Linda Steiner. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von Durst Phototechnik. Außerhalb Osttirols lebende Studierende, aber auch andere junge „Bildungsauswanderer“ können sich per Mail an redaktion@dolomitenstadt.at bei uns melden, wenn sie an diesem Projekt teilnehmen möchten.

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