Meine Arbeit ist handwerklich und kreativ

Laura Lienharter ist „Vergolderin“ in der Bundeshauptstadt.

Das ist die 43. Folge der Interview-Serie “Heimweh?” Im Introvideo zur Serie erfahren Sie mehr. Unsere heutige Gesprächspartnerin ist Laura Lienharter, 25, aus Tristach.

Laura Lienharter, porträtiert von Linda Steiner.
Laura Lienharter, porträtiert von Linda Steiner.

Erzähl mal, was du machst!

Ich arbeite seit drei Jahren in Wien als Vergolderin. In dem Betrieb, in dem ich arbeite, bin ich zuständig für Vergoldungen und Restaurationen von Rahmen, Skulpturen und verschiedenster Antiquitäten. Die Ausbildung dazu habe ich in Nordtirol in einer Fachschule für Kunsthandwerk und Design gemacht.

Arbeitest du gerne?

Die Arbeit hier gefällt mir sehr gut, da ich etwas Handwerkliches und Kreatives machen kann. Es gibt immer neue Dinge zu lernen, zum Beispiel die Restauration von verschiedensten antiken Gegenständen; etwas das ich in der Schule eigentlich gar nicht gemacht habe.

Manchmal gibt es auch Außendienste, und so habe ich auch schon einmal im Schloss Bruck oder im Palais Lichtenstein gearbeitet. Diese Abwechslung schätze ich sehr.  Man benötigt sehr viel Geduld, wenn man mit einem so feinen Material wie Blattgold arbeitet. Aber es ist nicht nur das feine Arbeiten mit dem Gold, sondern es gehört auch Schleifen, Reinigen oder das sogenannte Patinieren (ein Verfahren, bei dem Neuanfertigungen so bearbeitet werden, dass sie antik aussehen) dazu.

War dir schon immer klar, dass du in diese Richtung gehen willst?

Als Jugendliche habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, etwas Kreatives zu machen, aber dann habe ich für drei Jahre das Klösterle in Lienz besucht und habe auch meine soziale Ader entdeckt. Damals wollte ich Krankenschwester werden, aber auch der Gedanke an ein kreatives Handwerk hat mich sehr gereizt.  Schließlich habe ich mich entschieden. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass ich später noch eine Ausbildung im Sozialbereich machen werde.

Wie war der Umzug von Osttirol nach Wien für dich?

Die Schule in Nordtirol war in einem sehr kleinen Dorf, da gab es nicht viel außer dem Internat und so hatte ich sehr viel Kontakt mit meinen MitschülerInnen, was eigentlich sehr schön war. Danach bin ich von einem Extrem in ein anderes gekommen. Am Anfang war das eine ziemliche Umstellung, aber mittlerweile habe ich Wien und alles, was es mir zu bieten hat, lieben gelernt.

Hast du noch einen starken Bezug zu deiner Heimat?

Ja schon, ich habe sehr viele Freunde aus Osttirol, von denen die meisten aber auch irgendwo auswärts studieren. Zu Feiertagen oder Anlässen fahre ich meistens nach Hause, auch wenn ich Urlaub habe, verbringe ich Zeit zu Hause bei meiner Familie.
Vor allem tut mir der Wechsel gut; auf der einen Seite mein Zuhause, meine Familie und die wunderschöne Natur – auf der anderen Seite Wien und mein eigenes, selbstständiges Leben.

Kannst du dir vorstellen irgendwann wieder nach Hause zurückzukehren?

Prinzipiell ja, aber momentan gefällt mir Wien einfach sehr gut und ich weiß noch nicht, wie meine Zukunft aussehen wird. Es ist auf jeden Fall eine Option für mich.

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In der Serie „Heimweh?“ entstehen vorerst 50 Porträts von Studentinnen und Studenten aus Osttirol, geschrieben und gezeichnet von Linda Steiner. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von Durst Phototechnik. Außerhalb Osttirols lebende Studierende, aber auch andere junge „Bildungsauswanderer“ können sich per Mail an redaktion@dolomitenstadt.at bei uns melden, wenn sie an diesem Projekt teilnehmen möchten.

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