Mit einem Mal war mir alles klar!

Marko Kostner sah eine geschnitzte Figur und wusste, was er werden wollte.

Das ist die 47. Folge der Interview-Serie “Heimweh?” Im Introvideo zur Serie erfahren Sie mehr. Unser heutiger Gesprächspartner ist Marko Kostner, 31 Jahre, aufgewachsen in Nußdorf-Debant, seit 2004 wohnhaft in Lienz.

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Marko Kostner, porträtiert von Linda Steiner.

Erzähl mal was du machst!

Ich habe während der letzten drei Jahre einen Spezialisierungslehrgang für Holzbildhauerei an der Landesberufsschule für das Kunsthandwerk in St. Ulrich/Gröden absolviert, den ich in den nächsten Wochen mit einer Gesellenprüfung abschließen möchte.

Beschäftigst du dich schon lange mit diesem Handwerk?

Eigentlich verhältnismäßig kurz, seit circa fünf Jahren erst, dafür aber vielleicht umso „radikaler“, wenn man so sagen kann.

Inwiefern radikal?

Naja, ich musste praktisch alles aufgeben, was vorher war, um mein Leben in diese Bahn zu lenken. Das war mitunter schon aufreibend, fast ein Gewaltakt. Außerdem denke ich, dass man die Bildhauerei nur mit einer gewissen Leidenschaft auf einem guten Niveau ausüben kann. Ansonsten gibt man früher oder später auf. Es ist kein Handwerk, das man einfach so nebenbei ein bisschen betreibt. In diesem Sinn ist eine etwas radikale Herangehensweise vielleicht auch ganz gut!

Was hat dich dazu bewogen, alles für diese Leidenschaft aufzugeben?

Hm, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Da liegt die Antwort vielleicht schon in der Frage? Denn wer würde das nicht, wenn er für eine Sache oder irgendetwas entbrennt? Das ist dann schon eher ein Ich-Muss-Das-Jetzt-Machen-Egal-Was-Passiert. Andererseits entwickeln solche Begebungen sicherlich auch eine Eigendynamik, von der man sich mitreißen lässt.

Wie bist du zur Bildhauerei gekommen?

Sie ist zu mir gekommen. Ganz ehrlich, ich konnte nicht anders!
Also, eigentlich war es ganz unspektakulär: Als ich irgendwann eine geschnitzte Figur in einem Magazin sah, war mir mit einem Mal alles klar. Ich muss das wohl zur rechten Zeit gesehen haben, denn einige Jahre zuvor hatte ich neben einem Schnitzer gewohnt, bin dort jeden Tag vorbeigelaufen und hätte nie im Entferntesten daran gedacht, einen ähnlichen Weg zu beschreiten.

Wie sieht deine Arbeit genau aus? Fertigst du Figuren nach Bestellungen an oder schaffst du freie Stücke?

Während der Schulzeit habe ich das Hauptaugenmerk so weit als möglich auf Ausbildungsschwerpunkte gelegt und somit nur sehr begrenzt Auftragsarbeiten gemacht und einige eigenen Ideen umgesetzt. Mein Wunsch wäre es, ausschließlich an eigenen Ideen zu arbeiten. Da sich dies, vor allem in der Anfangszeit, nun doch eher schwierig gestaltet, arbeitet man natürlich auch an Aufträgen beziehungsweise Bestellungen.

Hast du in Osttirol ein Atelier, in dem du arbeiten kannst?

In Osttirol habe ich momentan eine kleine Kellerwerkstatt, in der ich nur recht begrenzt arbeiten kann.

Hast du vor, nach dem Ausbildungsabschluss nach Osttirol zurückzukehren?

Das wär ja schon in wenigen Wochen! Das ist mir momentan nicht möglich. Für etwa ein Jahr werde ich sicher noch in Gröden bleiben, unter anderem, um ein Praktikum bei lokalen Bildhauern zu machen beziehungsweise bei eben jenen ein bisschen zu arbeiten und zu lernen. Und natürlich, um eigenen Ideen nachzugehen.

Wäre es prinzipiell eine Option für dich?

Eine Option allemal. Jedoch würde mich der Besuch einer Kunstakademie auch sehr reizen, was sich im kommenden Jahr weisen wird. Die Rückkehroption wird somit aus dem momentanen Relevanzbereich geschoben; aber mal sehen!

–––

In der Serie „Heimweh?“ entstehen vorerst 50 Porträts von Studentinnen und Studenten aus Osttirol, geschrieben und gezeichnet von Linda Steiner. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von Durst Phototechnik. Am 11. September wird der erste Durchgang dieser Serie mit einem „Heimweh-Fest“ in Lienz beendet.

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