Syrer und Osttiroler helfen gemeinsam

Zahlreiche Osttiroler haben bereits Sachspenden für Flüchtlinge abgegeben.

Viele Osttiroler und Oberkärntner haben bereits Schachteln abgegeben und freuen sich, dass sie nicht die Einzigen sind. Fotos: Wolfgang Retter
Viele Osttiroler und Oberkärntner freuen sich, dass sie nicht die einzigen Spender sind. Manche fragen sofort nach: „Was braucht ihr denn noch, dann komme ich wieder.“ Fotos: Wolfgang Retter

Die Sammelaktion läuft noch bis Freitag, 9. Oktober, um 17 Uhr, doch viele Menschen haben schon großzügig Schachteln mit Kleidung, Decken, Kinderwägen und anderes vorbeigebracht. Organisatorin Alexandra Urso-Tabernig hat Tränen in den Augen, wenn sie vom bisherigen Erfolg der Spendensammlung spricht. „Die vielen Spenden sind wunderbar und ich weiß, dass all das wirklich benötigt und auch an die richtigen Leute gehen wird“, sagt sie und fügt hinzu: „Was mich aber am allermeisten berührt, ist die Tatsache, dass wir solch ein unerwartet großes und positives Echo erhalten haben. Dafür möchte ich mich besonders bedanken.“ Dann wirft sie einen Blick in die Runde – gerade ist ein älteres Ehepaar vorbeigekommen und hat zwei liebevoll gepackte Schachteln abgegeben. Sie sagen, sie wissen, was es heißt, in Not zu sein, und lächeln den drei jungen Männern zu, die ihnen die Schachteln abnehmen, nicken und mit ganz leichtem Akzent „Danke!“ sagen.

Die drei Männer, das sind Anas Hamad, Bilan Mohammed und Mohammed Khalifa. Sie sind Asylwerber in Lienz und leben seit ein paar Monaten hier. Ursprünglich stammen sie aus dem syrischen Damaskus, jetzt möchten sie helfen, am liebsten gemeinsam mit den Osttirolern. Sie mögen Osttirol und die Wärme, mit der sie hier bisher empfangen worden sind, sagen sie. In dieser Woche schleppen sie die Schachteln, schlichten sie in den LKW für Traiskirchen und Schwechat, damit möglichst viel darin Platz hat. Ihre Berufe hingegen können sie derzeit nicht ausüben. Anas ist Anwalt und sein Traum wäre es, die Prüfungen, die man in Österreich braucht, nachholen zu können, damit er eines Tages hier arbeiten kann. Bilan hat Architektur studiert und Mohammed ist Elektriker. Zunächst ist jetzt einmal das Deutschlernen auf der Tagesordnung. Jeden Tag lernen sie mit Hilfe des Internets. Einige Sätze gehen schon sehr gut. Die Übung fehlt noch, aber das wird schon, sagen sie, und sie hoffen, dass sie bald Gelegenheit haben, mit Osttirolern ins Gespräch zu kommen.

Kaffee zur Stärkung, v.l.: Alexandra, Anas, Bilan und Mohammed nützen einen ruhigen Moment zum Plaudern.
Kaffee zur Stärkung, v.l.: Alexandra, Anas, Bilan und Mohammed nützen einen ruhigen Moment zum Plaudern.

Da die Spenden täglich von 10 bis 18 Uhr abgegeben werden können, kommen häufig Frauen mit kleinen Kindern vorbei. Asan, Bilan und Mohammed hatten eher Männer erwartet und wundern sich, wie viele Frauen in Osttirol Auto fahren. In Damaskus sei das nicht so, erzählen sie. Auch sonst ist vieles anders hier, so lernen sie meist durch Beobachtung. Sie schauen den Osttirolern zu, um die Kultur rasch zu verstehen, erklären sie. Dann kommt eine Mutter mit zwei Kindern vorbei, bringt Kindersachen und die zwei Kleinen sagen, sie würden so gerne einmal in den LKW schauen. Bilan und Asan heben die Kinder vorsichtig hoch, nehmen sie an der Hand und zeigen ihnen, wie sie die Schachteln stapeln. Die Kinder nicken und strahlen die Männer an.

Wenn gerade niemand vorbeikommt und alle Schachteln gut verstaut sind, unterhalten sich Mohammed und Bilan. Sie sagen, sie sind froh, in Lienz zu sein. Sie nennen es Glück.
Wenn gerade niemand vorbeikommt und alle Schachteln gut verstaut sind, unterhalten sich Mohammed und Bilan. Sie sagen, sie sind froh, in Lienz zu sein. Sie nennen es Glück.

Sollte der erste LKW bald voll sein, hätte die Firma Tschapeller, auf deren Parkplatz in Lienz die Sammlung stattfindet, einen weiteren Container für den Transport. Auf die Frage, was noch besonders gebraucht werde, sagt Alexandra Urso-Tabernig: „Dankbar sind wir für all die Dinge, die auf unserer Liste waren, aber besonders gebraucht werden noch Männerkleidung und Männerschuhe.“

Am Montag sehr früh morgens wird der Transport in Richtung Schwechat losgehen. Von dort werden die Schachteln von der Osttirolerin Maria Oberhauser über das Pfarrzentrum, in dem sie seit über 30 Jahren unter anderem mit Flüchtlingen arbeitet und wohnt, an Menschen auf der Flucht verteilt.

Am Dienstag Vormittag war ein Drittel des LKWs beladen, seitdem ist viel dazugekommen.
Am Dienstag Vormittag war ein Drittel des LKWs beladen, seitdem ist viel dazugekommen.

Fotos: Wolfgang Retter

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