„Es ist ein komisch-schönes Gefühl!“

Interview mit dem jungen Osttiroler Autor Mathias Klammer über seine literarischen Erfolge.

Am 27. November wird Mathias Klammer in der Stadtbücherei Lienz aus seinem Roman „Ein guter Tag zum Fliegen“ lesen. Anja Kofler sprach anlässlich dieses Heimatbesuchs mit ihm über seine Erfolge, wie es ist, rezensiert zu werden und darüber, wie sich eine Lesung in einer Region anfühlt, die man Heimat nennt.

Matthias Klammer liest immer wieder einmal in Osttirol – trotzdem viel zu selten, wie wir finden. Foto: Arne Müseler
Matthias Klammer liest immer wieder einmal in Osttirol – trotzdem viel zu selten, wie wir finden. Foto: Arne Müseler

Ich habe dich gegoogelt und spannende Rezensionen über dein Buch „Ein guter Tag zum Fliegen“ gefunden, auch jene von Anna Dobler in der Welt. Sie nennt dein Buch „… ein Koffer voller Anekdoten“. Ist es das?

Irgendwie trifft es das ganz gut, ja. Ich verarbeite in meinen Texten immer sehr viele Ideen und Impulse auf einmal. Das widerspricht den großen Romanautoren, die es immer wieder schaffen, eine Situation auf vielen Seiten zu beschreiben. Bei mir fühlt sich’s im Kopf zwar meistens auch so an, beim Schreiben entsteht dann aber oft ganz automatisch dieses Episoden- und Anekdotenhafte. Ich kann das nicht kontrollieren – das ist quasi mein Stil. (lacht)

Anna Dobler meinte in dem Artikel auch, sie sei ein wenig skeptisch, wie ein vom Schicksal weitgehend verschonter Mittzwanziger glaubwürdig vom Leben und vor allem vom Tod erzählen könne. Warum kannst du das?

Das kann ich dir ehrlich gesagt nicht wirklich beantworten. Es freut mich sehr, wenn LeserInnen meine Bücher als authentisch und glaubwürdig einschätzen. Meine Texte sind natürlich nicht gezielt auf Glaubwürdigkeit getrimmt, das würde auch gar nicht funktionieren. Ich schreibe über diese Themen einfach so, wie ich sie empfinde – sozusagen eine Mischung aus Fantasie und Erfahrung. Es zieht mich einfach immer wieder automatisch zu solchen Geschichten, zu solchen Themen, mit denen ich mich dann intensiv auseinandersetze. Obwohl es das Schicksal natürlich gut mit mir – und mit den meisten Menschen, die ich kenne – meint.

Wie ist es, wenn das eigene Buch rezensiert wird?

So etwas ist immer cool und beängstigend zugleich. Natürlich will man als Schriftsteller auch gelesen werden und je namhafter die Medien, die über einen berichten, desto größer wird auch die Aufmerksamkeit. Es ist lässig, wenn in einer Zeitung, in der man selbst oft Rezensionen über bekannte Autoren liest, plötzlich auf einer halben Seite über dich und dein Buch berichtet wird.
Kurz gesagt: Es ist ein komisch-schönes Gefühl.

Das ist manchmal ein recht schonungsloses Geschäft, die Literatur. In deinem Roman steckt viel Arbeit und dann kommt jemand, der ihn vielleicht einfach nicht mag und schlecht darüber schreibt.

Ja, das stimmt. Und es ist wie in der Musik, in der Kunst, bei der Schauspielerei etc. auch: Man gibt natürlich mit einem Buch, einem Lied, einem Bild einen ganz persönlichen Teil von sich selbst der Öffentlichkeit preis. Manche Autoren schreiben sich ja wirklich das eigene Leben von der Seele – da ist dieser Schritt in die Öffentlichkeit noch viel persönlicher. Logischerweise möchte jeder Autor, dass das eigene Buch allen gefällt. Man findet es ja selber gut, sonst würde man es gar nicht erst publizieren. Man muss aber auch versuchen, pragmatisch zu bleiben: Wie viele Bücher gefallen einem selbst nicht? Wie viele Dinge stören einen generell? Dann weiß man wieder, dass man einfach damit leben muss, dass nicht allen alles gefällt.

Romane sind nicht die einzige Textform, die dem jungen liegt. Foto: Arne Müseler
Romane sind nicht die einzige Textform, die dem jungen Autor liegt. Foto: Arne Müseler

Du schreibst nicht nur Romane und (Kurz-)Geschichten, sondern hast auch ein Theaterstück geschrieben.

Ja, genau. Ich habe ein Theaterstück mit dem Titel „Raum.Zeit.Still.“ geschrieben, das auch vom Bundeskanzleramt ausgezeichnet wurde. Es macht ab und zu einfach Spaß, eine andere Textform auszuprobieren. Das ist so ähnlich wie Drehbücher zu schreiben – das hat mit einem klassischen Roman nicht viel zu tun, ist aber eine schöne Arbeit.

Im Dezember 2013 hast du schon einmal in der Stadtbücherei gelesen. Damals hast du mir erzählt, dass du bei Auftritten ziemlich nervös bist. Hat sich das nach den vielen Lesungen, die du seither gemacht hast, verändert?

Ja und nein. Natürlich freue ich mich immer auf Lesungen und Auftritte, weil es ein schönes Gefühl ist, LeserInnen zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Eine Grundnervosität ist aber schon immer da. Irgendwie wär’s aber auch komisch, wenn dem nicht so wäre. Ich glaube, da braucht es noch ein paar mehr Lesungen, bis man dermaßen abgebrüht ist.

Im letzten Jahr gab es auf dolomitenstadt.at eine Reihe, die „Heimweh“ hieß, hast du auch manchmal Heimweh nach Osttirol? Kannst du dir vorstellen, wieder zurückzukommen?

Heimweh an sich habe ich nicht, da ich ziemlich regelmäßig in Osttirol bin. Vorstellbar ist ein generelles Zurückkommen immer, da ich in Osttirol aufgewachsen bin, das ist auch immer Heimat. Derzeit passt das aber alles sehr gut so.

Auf deiner Homepage steht zwar, du bist Schriftsteller. Aber dein Brotberuf ist ein anderer.

Genau, meine Website ist eine reine „Schriftsteller-Website“, die sich stark auf meine literarische Arbeit konzentriert. Hauptberuflich bin ich an einer Salzburger Kommunikationsagentur beteiligt und tätig. Das macht mir viel Spaß, da sich diese Tätigkeit sehr gut mit meiner Leidenschaft fürs Schreiben vereinen lässt.

Du arbeitest an deinem dritten Roman, sag mal Mathias, wie alt bist du nochmal?

Eh schon wieder 27 … Ich habe mir immer gedacht, dass das nur ältere Menschen sagen, aber jetzt merke ich auch schon, dass die Jahre wirklich schneller vergehen als früher … (lacht)

Allen Lesern und Literaturfans empfehle ich, unbedingt zur Lesung mit Mathias Klammer in die Stadtbücherei zu kommen, denn schon sein nächster Roman könnte sein Durchbruch sein.

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