Kaufhaus-Grundstück auf 3,2 Millionen geschätzt

Expertengutachten mit allen Facts hier zum Download!

Einen knappen Monat nach der Gemeinderatswahl könnten nicht in der Liebburg sondern in Bozen sehr entscheidende Weichen für die Lienzer Innenstadt gestellt werden. Am 24. März um 9.15 Uhr wird – nicht in Lienz, wie von den Exanwälten der Projektwerber gewünscht – sondern in Bozen das 6.000 Quadratmeter große Kaufhaus-Grundstück der in den Konkurs geschlitterten Hobag versteigert. Auf der Website des Bozener Landesgerichtes kann man ein Gutachten herunterladen, das den Wert dieses Grundstücks mit 3,18 Millionen Euro beziffert. Gutachter Gerhard Stauder begründet diese Bewertung ausführlich. Der Ausrufungspreis liegt dennoch bei 6,5 Millionen Euro. Das Grundstück ist mit millionenschweren Pfandrechten belastet.

4.342 Quadratmeter hat das eigentliche Kaufhausareal, der ehemalige Fahrschul-Übungsplatz auf der anderen Straßenseite der B100, auf dem unter anderem ein Hotel geplant ist, hat 1.918 Quadratmeter. Stauder bewertet die Flächen mit 520 Euro/m2 und 480 Euro/m2. Er verweist darauf, dass für vergleichbare Transaktionen in Lienz diese Preise erzielt wurden und bewertet auch den Umstand, dass eine baureife Planung für ein Großkaufhaus samt Hotel und mehrstöckiger Tiefgarage vorliegt. Diese Vorarbeiten sind nach Ansicht des Gutachters mit 1,5 bis zwei Millionen Euro zu bewerten.

Allerdings verweist das Gutachten auch auf zwei gravierende Risken für potenzielle Bauherren bzw. Investoren (siehe Screenshot):

Screenshot. Anklicken um das Bild zu vergrößern.
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Künftige „Kaufhaus-Erbauer“ haben neben dem Risiko einer Umweltverträglichkeitsprüfung – das ist der Grund für die Aussetzung des Baubescheids – auch noch das Risiko, dass sie Parzellen „im öffentlichen Eigentum“ für die Verwirklichung des vom Architektenbüro Mathoi entworfenen Projekts brauchen. Die Politik hätte also durchaus noch Chancen zur Mitsprache bzw. Mitgestaltung. Den wahlkämpfenden Politikern und Politikerinnen war dazu bislang jedoch kein Kommentar zu entlocken.

Nicht erwähnt wird im Gutachten, dass im Zuge der Aussetzung des Baubescheids auch gegen den gewerberechtlichen Bescheid Einspruch erhoben wurde. Hier ist das Urteil noch ausständig. Und noch ein Faktor wird vor allem von Anrainern gelegentlich vorgebracht: vor dem Abriss der Alten Mühle war bestialischer Gestank zu riechen. Die Mühle war tief unterkellert.

Der Gutachter beschreibt seinen Lokalaugenschein so: „Auf beiden Grundstücken wurden offenbar vormals bestehende Gebäude abgebrochen (Restmauern vorhanden). Nach dem Abbruch der Gebäude wurden die Flächen eingeebnet. … Aus rein technischer Sicht ist das Areal bebaubar.“

So könnte die Kaufhaus-Baustelle noch lange aussehen. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner
Was liegt eigentlich unter der Erde bzw. dem Schutt der Kaufhaus-Baustelle? Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Interessant für potenzielle Einkaufscenter-Betreiber ist auch die Einschätzung des Businessplans von Hobag & Co. Die bisherigen „Investoren“ waren von einer Anfangsrendite von 7% ausgegangen und von einer durchschnittlichen Miete von 15 Euro pro Quadratmeter Handelsfläche. Aus der Sicht des Gutachters liegt diese Mietpreiserwartung „um Einiges über den derzeit marktüblichen Mietwerten“. Die geschätzten Baukosten von 42,7 Millionen Euro hält Stauder für realistisch.

Das gesamte Gutachten zum Download!

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3 Postings bisher
dacapo vor 2 Jahren

Würde gern wissen, wie SPÖ, LSL, Grüne (sind die immer noch dafür?) zum Thema Kaufhaus stehen. Oder, wenn ich ein Gegner des Kaufhaus Lienz bin und nicht will, dass es gebaut wird: Wenn kann ich dann wählen?

nanny vor 2 Jahren

Danke an anton2009 für sein Nichtmitsteigern :-) Schaumamal was da noch rauskommt ..... vor allem auch aus dem "versteckten" unterirdischen Baustellenbereich ...

anton2009 vor 2 Jahren

Dank an "dolomitenstadt.at" für die gute und prompte Information. Der Ersteigerer wird hier keine "gmahte Wiesn" vorfinden! Aufgrund der vielen zu erwartenden Auflagen habe ich mich entschlossen nicht mitzustiegern!!!!