Frau bei der Bergrettung? Funktioniert wunderbar!

Pamela Walder aus Matrei ist der beste Beweis dafür.

Pamela Walder wusste schon als Kind: „Ich will Bergretterin werden!“ Und sie ist Bergretterin geworden. Das liegt ihr wortwörtlich im Blut. Schon ihr Urgroßvater war Bergführer und -retter, ihr Großvater war Ortsstellenleiter der Bergrettung Matrei und aktuell wird die Ortsstelle – wie könnte es anders sein – von ihrem Vater Raimund geleitet.

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Das ist Pamela Waldner mit Vater Raimund Köll und Tochter Chiara.

Im Jahr 2009 hat Pamela, zwanzigjährig und Mutter von einem Kind, ihren Vorsatz wahr gemacht. Sie wurde die erste Bergretterin Matreis und die zweite des gesamten Iseltales! Inzwischen war sie schon bei vielen, auch harten Einsätzen dabei und ist sogar Ausschussmitglied. „Frauen bei der Bergrettung waren früher undenkbar!“, weiß Vater Raimund. Anfangs seien ein Großteil der Ortsstellen gegen die Aufnahme von Frauen gewesen, aber heute gäbe es in Osttirol nur noch wenige Ortsstellen ohne Frauen, denn: „Es funktioniert wunderbar!“

Die Einsatzmannschaft der Bergrettung Matrei umfasst 50 Personen, darunter drei Frauen, eine Frau befindet sich noch in Ausbildung. Immerhin. Es ist ein junges Team, das neben den Übungen und Weiterbildungen immer wieder tolle gesellige Aktionen plant.

Ab einem Alter von 14 Jahren kann man mit der Ausbildung beginnen. Nach einem Probejahr, in dem die Übungen in der Ortsstelle besucht werden müssen, beschließt der Ortsstellenausschuss über die Zulassung zur Anwärterprüfung. An einem Tag im Sommer wird u.a. die Seiltechnik geprüft, im Winter muss jeder Anwärter seine Kondition bei einer Schitour unter Beweis stellen. Es gilt 500 Höhenmeter von den insgesamt ca. 1.200 Höhenmetern in längstens einer Stunde zu schaffen und beim Abfahren über freies Gelände – meist „Eisenbahnerpulver“, wie Raimund es nennt – keine schlechte Figur zu machen.

Dann erst beginnt die offizielle Ausbildung von insgesamt zwei Wochen. „Man lernt so viel, auch für das eigene Leben. Aber das Wichtigste, damit die Rettungseinsätze einwandfrei funktionieren, ist die Teamfähigkeit jedes einzelnen. Die muss man selbst mitbringen, die kann man nicht erlernen.“ Aus der Sicht von Pamela und ihrer KollegInnen ist das Verständnis und die Unterstützung ihrer Familien besonders wichtig.

Oft sind bei gefährlichen und beschwerlichen Einsätzen leichtsinnige Wanderer zu bergen, die alle Regeln des Hausverstandes missachteten. Auf meine Frage, ob man sich da nicht auch einmal ärgere, bekomme ich von beiden kopfschüttelnd die klare Antwort: „Die Bergrettung ist da zum Helfen, nicht zum Werten!“

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass der Einsatz jedes Einzelnen für die Bergrettung tatsächlich freiwillig und unentgeltlich erfolgt. Nicht einmal der Arbeitsentgang wird entschädigt. Meistens hört man nach dem Einsatz nichts mehr vom Geretteten. Oft nicht einmal ein einfaches „Danke“. Das ist für Pamela auch nicht so wichtig, weil sie sagt: „Es ist das Schönste, wenn es gelingt, Menschen lebend zu bergen und man somit selbst mitgeholfen hat, Leben zu retten.“

Tochter Chiara ist trotz ihres zarten Alters von zehn Jahren schon leidenschaftliche Schitourengeherin. Und wer weiß, vielleicht wird auch sie eines Tages diese wunderbare Familientradition fortführen.

Nähere Infos unter: Bergrettung Tirol, Bergrettung Matrei

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1 Posting bisher
spitzeFeder vor 2 Jahren

Volle Cool!

Mädels, traut euch! Ortsstellenverantwortliche, seht die Bereicherung!