Nicht alle Glocken fliegen heute nach Rom

Die Friedensglocke von Elisabeth Ziegler-Duregger bleibt in Lienz.

Am Gründonnerstag „fliegen die Glocken nach Rom“, sagt man, jedenfalls wird ab heute bis zur Osternacht in den Kirchen nicht mehr geläutet. Eine besondere Glocke hat ihre Premiere noch vor sich: Die Friedensglocke von Elisabeth Ziegler-Duregger. „Frieden lässt sich nicht von oben verordnen, er muss von unten, in den Herzen der Menschen wachsen,“ erklärt sie. Elisabeth war viele Jahre Leiterin der Bücherei in Lienz, heute gestaltet sie Trauerfeiern, ist Obfrau der Vereins „Bildung bringt Frieden“, ist Österreichs Botschafterin im „Parlament der Weltreligionen“ und noch Vieles mehr.

„Auch wenn eine Handvoll Menschen die Friedensarbeit tausender zerstört, will ich nicht resignieren und mir einfach betroffen vor dem Fernseher die schrecklichen Bilder ansehen. Weil ich weiß, dass wir, alle Religionen, eigentlich das Gleiche wollen.“ Schon seit Jahren engagiert sich Elisabeth für ein interkulturelles Projekt in Osttirol: Einen Ort der Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturen zu schaffen, gebaut aus Steinen aus aller Welt.

Nun ist es fix! Dieser Platz wird gleich neben der Hochsteinhütte oberhalb von Lienz sein. In Zusammenarbeit mit dem Alpenverein und der Berufsschule Lienz wird dieses Jahr ein kleiner Turm für eine Glocke für „Frieden und Freundschaft“ gebaut. Sie trägt die Symbole von zwölf Weltreligionen und ist ein Projekt des Interreligiösen Teams Osttirol. Diese Gruppe von Männern und Frauen aus unterschiedlichen Glaubenstraditionen ist einer der über 700 Cooperation Circles der weltweiten UNO United Religions Initiative (www.uri.org) und der erste in Österreich.

Wie die Töne der Glocke, soll sich Friede und Freundschaft in den Familien, Gemeinden und in der ganzen Region ausbreiten und den Hochstein zu einem besonderen Ort der Begegnung machen.

Ein Fernsehbericht über die Glockengießerei Grassmayr, vor allem der Moment, als der Chef persönlich mit seinen Mitarbeitern und dem Auftraggeber der Glocke während des Gießens miteinander andächtig beteten, hat Elisabeth so sehr berührt, dass die Idee geboren wurde, eine Glocke für Frieden und Freundschaft gießen zu lassen. Aber das Gießen dieser Friedensglocke war ein besonderes Erlebnis, sogar für die Glockengießerei Grassmayr. Das erste Mal in der langen Tradition des Betriebes war auch ein muslimischer Geistlicher anwesend. Das Glockengießen wurde somit von muslimischen Gebeten, bahai Gebeten und christlichen Gebeten begleitet, unterstützt von 20 Klosterschwestern, die sich spontan bei einer Besichtigung der Glockengießerei den Betenden anschlossen.

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Elisabeth Ziegler-Duregger mit der 70 Kilogramm schweren Friedensglocke, die auf dem Hochstein läuten wird. Foto: Dolomitenstadt/Gander

Finanziert wurde das 70 kg schwere Stück mit Spendengeldern, und vor allem von Elisabeth selbst, die sich zu ihrem 60. Geburtstag nur Geld für dieses Glockenprojekt wünschte. Das Prachtstück ist bis zum Sommer, bis zu seiner Übersiedelung  auf den Hochstein, in der Kapelle des Wohn- und Pflegeheims Lienz zu bewundern.

Für den unteren Teil des Turmes werden Steine aus aller Welt eingemauert. Diese kann man dann berühren und hat so zumindest das Gefühl, die ganze Welt in der Hand zu haben!

Es werden noch Steine gesucht!  Derzeit ist ein kleines Stück aus 81 Ländern vorhanden. Darunter kostbare Exemplare aus Haiffa, Jerusalem, Lhasa, Mekka, Assisi, Ganges, Kailash u.v.a. „Die vielen ausgewanderten Osttiroler könnten einen Stein ihrer neuen Heimat in die alte schicken!“, hofft Elisabeth Ziegler-Duregger.

Die Steine  können entweder direkt in der Hochsteinhütte abgegeben werden oder in Lienz im Büro des Vereins „Bildung bringt Frieden“ nach telefonischer Vereinbarung Tel. 0664/1551520 bei Elisabeth Ziegler-Duregger.

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1 Posting bisher
bergfex vor 2 Jahren

Gratuliere zu diesem Werk. Ein kleiner Beitrag zu Friede und Einigkeit (Zweifel bleiben trotzdem) .