Alles im Bild? Laptop samt symbolischer "Leitung" (das rote LAN-Kabel), Bagger und Bauhelm – so inszeniert man den Aufbruch in die Glasfaser-Zukunft. Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und der Obmann des Planungsverbandes 36, Sepp Mayr, freuen sich einmal mehr auf ultraschnelles Internet. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Alles im Bild? Laptop samt symbolischer "Leitung" (das rote LAN-Kabel), Bagger und Bauhelm – so inszeniert man den Aufbruch in die Glasfaser-Zukunft. Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und der Obmann des Planungsverbandes 36, Sepp Mayr, freuen sich einmal mehr auf ultraschnelles Internet. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Bagger im Anmarsch: Das schnelle Glasfasernetz wird verlegt

Der Breitband-Ausbau beginnt mit 67 Kilometern Backbone-Leitung.

Schlagzeilen zum Thema Breitband waren in den letzten Monaten in Osttirol schon ein wenig inflationär. Alles, was man über das schnelle Netz und seine Väter und Mütter wissen muss, wurde bereits mehrfach geschrieben. Was aber noch fehlte, war ein zünftiger Spatenstich in Stadtmarketing-Manier, also möglichst mit Bauhelmen und Bagger. Dieser Termin fand am 15. April auf dem Lienzer Hauptplatz statt. Bagger und Helme sind immer ein Signal für Grabungsarbeiten, auf die die Bevölkerung eingestimmt werden soll.

In Sachen Breitband werden diese Erdbewegungen im Rahmen bleiben und nicht die Dimension etwa der Fernwärme-Bauarbeiten erreichen. Das auch deshalb, weil zum Beispiel in die unterirdischen Rohre der Fernwärme auch die Glasfaserkabel für das Breitbandnetz „eingeblasen“ werden können. Zwei Jahre soll es dauern, bis Lienz und die 14 Partnergemeinden im Planungsverband 36 an eine Hauptversorgungsleitung angeschlossen sind. Diese sogenannten „Backbones“ gehen wie Adern vom Zentrum in Lienz aus bis nach Schlaiten im Iseltal, Assling im Pustertal und Nikolsdorf an der Kärtner Grenze. Sie sind in Summe 67 Kilometer lang.

61 Prozent der Hauptleitungen können durch die Nutzung bestehender Leerrohre errichtet werden. Die Gesamtkosten für die Backboneleitungen des Planungsverbandes belaufen sich auf 2.2 Millionen Euro. 1,7 Millionen zahlt das Land, außerdem gibt es noch Bundesförderung. Parallel zu den Hauptleitungen errichten die 15 Gemeinden auf ihren Gebieten unter Nutzung von Synergieeffekten im Tiefbau die Ortsnetze und passiven Anlagenteile. Auch das wird hoch gefördert. In Lienz hat dieser gemeindeinterne Ausbau ein durchaus beachtliches Volumen, die Stadt hat die bei weitem größte Zahl an Haushalten und Firmen zu versorgen.

Für 31 von insgesamt 42 km Hauptversorgungsleitungen im Stadtgebiet gibt es Nutzungsvereinbarungen für bestehende Leerverrohrungen mit dem Land Tirol, der TIWAG und der Stadtwärme. Trotzdem muss ab 18. April gegraben werden. Der erste Abschnitt umfasst die Andrä Kranz-Gasse, die Graben-Gasse, die Zwergergasse und den Lienzer Hauptplatz. Hier ist Eile geboten, damit die Grabungen abgeschlossen sind, bevor der Hauptplatz zur Fußgängerzone wird. Weitere Bauabschnitte in Richtung Pustertal, Iseltal und Drautal folgen im Anschluss an diesen Abschnitt.

Sind erst einmal alle Leitungen verlegt, muss das Glasfaserkabel natürlich noch bis zum Modem des Endkunden. Bei bestehenden Stadtwärmeanschlüssen werden in Abstimmung mit den Hauseigentümern zum Beispiel kostenlos die Mikrorohre für den künftigen Breitbandanschluss eingebracht. Glasfaserleitungen können grundsätzlich von den Verteilerkästen aus direkt in die Betriebs- und Wohnobjekte eingeblasen und die Hausübernahmestelle installiert werden. Damit hat man als Endverbraucher dann also die Leitung, aber noch keinen Internetanschluss.

Den kauft man bei einem sogenannten Provider und hat dabei nur die Wahl zwischen dem Global Player UPC und dem Tiroler Unternehmen Tirolnet. Im Rahmen einer Ausschreibung waren das die einzigen Firmen, die mit dem Osttiroler „RegioNet“ zusammenarbeiten. Sie geben 30 Prozent ihrer Einnahmen als Gebühr für die Benutzung der Glasfaserleitung ab. Organisatorisch wird das über das Lienzer Wasserwerk abgewickelt, das auch für die technische Wartung der Leitungen zuständig ist.

UPC und Tirolnet haben sich bereits mit lokalen Osttiroler Partnern für die heiße Phase der Kundenakquisition und für die spätere Kundenbetreuung aufgestellt. Sie befinden sich nämlich im Wettlauf mit einem Platzhirsch, der einen anderen Weg geht und derzeit bereits intensiv um Kunden in Osttirol  wirbt. Die Telekom Austria mit ihrem A1-Netz versucht dem RegioNet-Konsortium durch attraktive Angebote für ihr eigenes schnelles Internet zuvorzukommen. All das hat einen angenehmen Nebeneffekt für die Endverbraucher. Schon jetzt sind Breitband-Internet Angebote in Osttirol so günstig wie noch nie.

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12 Postings bisher
PU vor 2 Jahren

@F_Z sehr gut erklärt. Bei deinen ersten Eintrag wird die kompetente Stelle, wohl das UPC Fiber Power Angebot gemeint haben. Das hat mit Glasfaser nur so viel zu tun wie das ADSL der Telekom (Die Produktbezeichungen glasfaserschnelles Internet und Fiberpower etc. sind Werbegags und Irreführung).Die Glasfaser wird benutzt um an das KOAX (Fernsehkabel) das Internet heran zu bringen. Danach ist es wieder ein "geteiltes" Netzwerk das alle in der Wohnanlage sich teilen. Dann gibt es die Bandbreite von bis zu xxx MBit/s. Die 100 MBit/s für 19,90 wird es am "echten" Glasfaseranschluss vorerst eher nicht geben. Für unter 20 Euro sind realistische Bandbreiten von 10-20 MBit/s drinnen.

    F_Z vor 2 Jahren

    Nö, der Gemeindeverband legt den Glasfaserbackbone von Kärnten bis zu den Gemeindeverbänden im Pustertal und im Iseltal und in jedes Gemeindeamt im Verband. Die Gemeinden legen dann Glasfaser bis ins Haus - also ganz genau: die Gemeinde legt das bis zur Grundstücksgrenze und der Hausbesitzer muss dann bis zu sich ins Haus. Das soll wirkliches Fibre-to-the-Home bzw. Fibre-to-the-Building werden. In Einfamilienhäusern wird man dann mit Ethernet weiterfahren, und in Wohnblocks mit Koax - bei bestehenden zumindest. Und da gehen dann 100Mbit für €19,90 drüber. Der Schlauch der da zum einzelnen Haus geht sieht übrigens wie ein 10mm-Druckluftschlauch aus. Beide Veranstaltungen bei denen mir das so erklärt wurde (auch der Preis) waren öffentlich - und es wird in absehbarer Zeit wohl auch ein Protokoll bzw. einen Zeitungsartikel dazu geben (nehme ich an). Zu gewerblichen Gebäuden in Lienz sollen sogar 2 Fasern gelegt werden - so steht es im letzten Protokoll des Lienzer Gemeinderats.

thomas78 vor 2 Jahren

Vielleicht kann mir mal jemand behilflich sein, aber ich dachte dass die Telekom für den Ausbau vom Glasfaser Internet zuständig sei? Oder was wurde da im Herbst eingegraben? Ich habe die riesigen Rollen gesehen. Gräbt hier jeder Anbieter seine eigenen Kabel ein oder wie? Bzw was hat das LTE Netz damit zu tun, funktioniert dies über Sender also oberirdisch?

    F_Z vor 2 Jahren

    mal ganz grob zusammengefasst: Vor über 20 Jahren gbs die Post und Telekom Austria AG die unter anderem das staatliche Monopol auf Telefonleitungen hatte - da ging auch das Internet drüber. Die A1 ist die Nachfolgefirma und hat von damals noch viele (alte) Telefonleitungen über die auch das Internet übertragen wird. Weil aber die normalen Kupferleitungen zu langsam für schnelles Internet sind, hat die A1 in den letzten Jahren die Hauptleitungen durch Glasfaserleitungen ersetzt. Soll heißen das bis in die Verteilerschränke die neben der Straße stehen Glasfaser geht - das sind die, auf denen "hier ist Glasfaserschnelles Internet drin" steht. ab da geht wieder Kupfer bis in die einzelnen Häuser. Darüber werden - je nach Entfernung vom Glasfaserverteiler - irgendwas zwischen 2 und 60Mbit übertragen. Übrigens hatte A1 nicht vor das Glasfaser zu legen, weswegen der Planungsverband beschloss das selber zu machen. Als A1 sah das der Planungsverband das tatsächlich durchzog hat er auch noch schnell was verbuddelt - sonst hätten die wohl so gut wie alle Internetkunden verloren. Noch zu erwähnen wäre vielleicht das die A1 inzwischen eine Aktiengesellschaft ist die mehrheitlich einem mexikanischen Unternehmen gehört. Die Glasfaserleitungen die der Planungsverband und die Gemeinden verlegen wollen sollen bis in jedes Haus gehen und Geschwindigkeiten von 100 bis 1000Mbit ermöglichen (unabhängig von der Entfernung vom nächsten Kasten). LTE läuft nicht über Kabel, sondern über das Handynetz. Es funktioniert ganz gut, hat aber immer wieder Aussetzer, und bringt theoretisch bis zu 300Mbit - praktisch wohl eher was zwischen 10 und 30Mbit. Und die verfügbare Bandbreite wird unter allen Teilnehmern im Bereich eines Senders aufgeteilt - je mehr Leute also LTE nutzen desto langsamer wird es. Noch zu erwähnen wäre das es in allen 3 Bereichen (Kupferkabel, Glasfaser und LTE) Weiterentwicklungen gibt die höhere Datentransferraten ermöglichen werden.

PU vor 2 Jahren

Die "normale" maximale Geschwindkeit ist 1 GBit/s. Das ist die Geschwindigkeit der Ethernetschnittstelle, welche als Standard verwendet wird. Diese Geschwindigkeit wird sich wohl keiner leisten können oder wollen. Im Businessbereich liegen die meisten Anschlüsse zwischen 60 MBit/s und 150 MBit/s. Diese Geschwindigkeiten sind nicht abhängig von einer Entfernung vom Knoten oder einer Qualität der Leitung.

    frin vor 2 Jahren

    1 Gbit bieten die aktuellen Provider noch gar nicht an, UPC hat bisher mit 250 Mbit das schnellste Paket für 60€, für 40€ bekommst du aber auch schon 125 Mbit was man sich im privaten Bereich durchaus leisten kann. Außerdem hängt diese Geschwindigkeit sehr stark von der Anbindung ab, Glasfaser ist nicht gleich Glasfaser.

    Die jetzige Lösung von der Telekom ist sehr wohl von der Entfernung abhängig da sie lediglich die Glasfaserkabel bis zu den neuen Verteilern verlegt haben und von da gehts dann weiter über die normalen Kupferkabel. Im Businessbereich kommt man zur Zeit nicht über die 50 Mbit wobei Liebherr, Durst und andere größere Firmen hier sicher eine Sonderleitung für mehr Power haben. Für die 50 Mbit zahlst zur Zeit um die 60€ für 30 Mbit um die 30€.

    Der neue Ausbau geht über die Wärmeleitung, hört sich für mich wie ein direkter FTTH Anschluss an, dann wäre in 2 Jahren durchaus 1Gb/s drin.

      F_Z vor 2 Jahren

      @frin ganz anderes Thema: kannst du mir verraten wie du hier Absätze machst? Die werden bei mir zwar bei der Eingabe angezeigt, sind bei der veröffentlichung aber weg :-( Liegt das am Eingabegerät?

F_Z vor 2 Jahren

Kann es sein, das das Ganze 3,2 Millionen kostet und zu 50% vom Bund und zu 25% vom Land gefördert wird - und dann noch ein wenig vom Gemeindeverband? So hatte ich die Zahlen im Kopf und zumindest die 3,2 Mille kann man so auch googeln: http://www.zukunftsraumlienzertalboden.at/regionet/ultra-schnelles-internet/ Oder hat sich das geändert?

    Gerhard Pirkner vor 2 Jahren

    Zum Pressegespräch gab es auch ein schriftliches Handout. Dort steht, dass die Backbones, um die es bei der Veranstaltung ging, 2,2 Millionen Euro kosten. Das sind nur die Hauptleitungen. Die Gesamtkosten des Projekts sind aber, das haben Sie richtig im Kopf, in Summe 3,2 Millionen Euro. Davon sind meines Wissens insgesamt 55 Prozent durch Bund und Land gefördert.

Bessawissa vor 2 Jahren

Schon seit einem Monat nutze ich - kostenlos für 3 Monate - das "schnellere Internet", o h n e Grabungskosten, meines Telefon-Providers. Funktioniert 1A. Sollte das alternative System, wofür jetzt gegraben werden muss, günstiger sein, kann ich immer noch umsteigen. Gratis wird die Nutzung nirgendwo sein.

    boarium vor 2 Jahren

    Kann es sein, dass Ihr Provider "bis zu 16Mbit" anbietet (die Realität bringt getestet doch gern niedrigere Werte), hier als Maximum 100Mbit versprochen werden (die Werte für den "Endverbraucher" werden auch hier interessant)? Für den Normalkunden kaum erkennbarer Unterschied, für gewisse Unternehmer dramatisch.

      F_Z vor 2 Jahren

      Ich habe ein aktuelles Angebot von "bis zu 100Mbit/s Download und 20Mbit/s Upload + 150SD-Sender und 100HD-Sender" für €49,95 je Monat und €102,80 ab dem 4. Monat. Bei dem neuen Glasfasernetz wurde mir von kompetenter Stelle ein Preis von €19,90 für 100Mbit genannt. Es war auch von einem möglichen Aktionspreis von €17,90 die Rede. Beide Preise sind für den Lienzer Talboden und beide haben eine Flatrate.