Die Ladiner nennen ihn "Col de Lana", den 2.462 m hohen Berg in der Fanesgruppe der Südtiroler Dolomiten. In „Col di Sangue“ wurde er vor hundert Jahren umgetauft, Blutberg. Unter seinem Gipfel starben im ersten Weltkrieg tausende junge Männer in Schlachten ohne Sinn. Zwölf italienische Infanterie- und 14 Alpini-Kompanien unternahmen 1915/16 immer wieder verlustreiche Versuche, den zuerst vom Deutschen Alpenkorps und dann von den Kaiserjägern der Habsburger besetzten Gipfel zu stürmen.
Der italienische Leutnant Caetani entwarf schließlich den Plan, möglichst unauffällig mit Handbohrmaschinen und Meißeln den ganzen Berg zu unterminieren und die Gegner samt dem Gipfel einfach wegzusprengen. Das Unterfangen wurde entdeckt und die Österreicher trieben in aller Eile einen Gegenstollen in den Berg, um der Sprengung der Italiener zuvor zu kommen. Die Gegenmine wurde am 5. April 1916 auch gezündet, war aber zu schwach, um den Sprengstollen der Alpini zu zerstören. Fünf Tonnen Sprenggelatine waren darin vergraben und wurden vor genau hundert Jahren, um 23.30 Uhr in der Nacht vom 17. auf den 18. April 1916 gezündet.
100 Jahre nach der Sprengung des Col di Lana erinnerte das Jägerbataillon 24 in Lienz an die Bedeutung des Friedens in Europa.
Im gemeinsamen Gedenken an dieses Ereignis trafen sich am Freitag, 15. April in der Lienzer Haspinger Kaserne Soldaten des Österreichischen Bundesheeres und der italienischen Alpini samt einer Reihe von „Traditionsverbänden“ zu einem Traditionstag mit seltsam anmutender Aktualität.
Zwar betonten sämtliche Festredner, unter ihnen Peter Grünwald, Kommandant der 6. Jägerbrigade als "militärisch Höchstanwesender" und der Kommandant des Jägerbataillons 24, Bernd Rott, wie epochal und wichtig die Überwindung ehemaliger Grenzen sei. Aus Feinden seien Freunde geworden, die auf dem Boden europäischer Werte eine gemeinsame Zukunft bauen. Dass trotz aller europäischen Werte die ehemaligen Grenzen derzeit wieder errichtet werden, störte zumindest die Festredner in der Kaserne eher wenig. VP-Abgeordneter Hermann Kuenz untermauerte neben der Partei- und Regierungslinie zudem das Dogma, dass Lienz weiterhin zwei Kasernen brauche.
Musikalisches Highlight des Tages war die Uraufführung des „24er Hochgebirgsjäger-Marsches durch die Musikkapellen von Abfaltersbach und Assling. Die Soldaten, denen der Marsch gewidmet ist, sangen mit. Den Taktstock schwang der Komponist persönlich, Helmut Oberdorfer, Kapellmeister der MK Abfaltersbach.
Helmut Oberdorfer komponierte den 24er Hochbirgsjäger-Marsch, der beim Traditionstag unter seiner Leitung von den Musikkapellen Abfaltersbach und Assling und den singenden Soldaten des Jägerbataillons uraufgeführt wurde.
Gerhard Pirkner
Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis. Mehr von Gerhard Pirkner
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