„Die DNA zu analysieren finde ich faszinierend“

Der 20-jährige Matreier Alois Köll studiert Lebensmittel- und Biotechnologie in Wien.

Um die klassische Frage „Was studierst du?“ zu beantworten, muss Alois Köll etwas weiter ausholen. Auf die einfache Antwort „Lebensmittel- und Biotechnologie“ erntet er nämlich meist fragende Blicke. „Viele denken dabei an so etwas wie Ernährungswissenschaften. Das ist es aber nicht. Mein Studium ist eine Kombination aus Chemie, Biologie und Verfahrenstechnik. Es sind alles naturwissenschaftlich-technische Disziplinen, bei denen man auch viel Mathematik braucht und reichlich Zeit im Labor verbringt,“ erzählt der junge Matreier.

Genau dieser interdisziplinäre Charakter gefällt Alois am Studium. So lernt er die verschiedenen Sichtweisen von Chemikern, Biologen und Technikern kennen. „Das hilft sehr beim Verstehen der Prozesse, die in unserer Welt vorkommen. Die Natur teilt ja auch nicht in Disziplinen ein.“

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Alois Köll, gezeichnet von Linda Steiner.

Heuer beginnt für Alois das 3. Semester des Bachelorstudiums an der Universität für Bodenkultur in Wien. Für die Bundeshauptstadt hat er sich aus mehreren Gründen entschieden: „Ich wollte nach 19 Jahren Landleben einmal in einer richtigen Großstadt leben. Nicht weil es mir in Osttirol so schlecht gefallen hat, sondern weil ich neugierig war und etwas Neues ausprobieren wollte. Dafür war Wien am besten geeignet.“

Dennoch hat der 20-jährige Matreier einen starken Bezug zu seiner Heimat. Mit Osttirol assoziiert er seine Familie, die schöne Bergkulisse und die Sommer auf der Alm. Seine Familie betreibt ein Berggasthaus in Matrei auf 2.150 Metern, wo Alois einen Großteil seiner Kindheit verbrachte. „Dadurch bin ich anders aufgewachsen als etwa die Kinder hier in Wien. Viel einfacher, mit mehr Kontakt zur Natur. Ich glaube, das prägt einen Menschen das ganze Leben.“

Einen Verbesserungswunsch für seinen Heimatbezirk hat Alois allerdings, denn was ihn stört, sind die Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. „Ich glaube, die Politiker unterschätzen die Wichtigkeit der Öffis für die Bevölkerung. Bis ich meinen Führerschein hatte, war es sehr mühsam, irgendwo hinzukommen.“

Für die Zeit nach dem Studium gibt es für Alois mehrere Optionen. Gerne würde er in einem Diagnostiklabor arbeiten. „Eine menschliche DNA zu analysieren, das finde ich faszinierend. Überhaupt treibt mich das Interesse an den biochemischen Vorgängen in der Natur.“ Auch in Osttirol gäbe es Arbeitsstellen im Labor- oder Lebensmittelbereich, weshalb sich der Student durchaus eine Zukunft im Bezirk vorstellen könnte. Lediglich der Zeitpunkt seiner Rückkehr ist noch nicht fixiert. Zuerst will er nämlich noch „draußen“ reichlich Erfahrungen sammeln. „Es kann auch erst in zehn Jahren sein, aber ich werde sicher wieder zurückkommen“, meint Alois abschließend.


In der Serie “Heimweh?” porträtieren wir junge Menschen aus Osttirol, die außerhalb des Bezirkes studieren oder eine andere Ausbildung absolvieren. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von den “Vordenkern”.

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