„Junge Alpinisten“ auf Expedition in Kirgistan

Ein besonderes Berg-Abenteuer geht mit erfolgreichen Erstbegehungen zu Ende.

Im März 2014 startet der Österreichische Alpenverein das Projekt „Junge Alpinisten“. Es sind junge Bergsteiger zwischen 18 und 24 eingeladen, zwei Jahre lang von erfahrenen Mentoren zu lernen. Ansprechpartner für die Young Guns sind die österreichischen Extrem-Alpinisten und Bergführer Hansjörg Auer, Much Mayr, Hannes Leitner, Alex Blümel und ich.

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Ein kleines Team junger Alpinisten unterwegs auf einer Expedition in Kirgistan. Fotos: JAPS

Das Motto lautet: Kein Kader, keine Nationalmannschaft, kein Wettkampf um jeden Preis. Vielmehr sind gemeinsame Erlebnisse, Abenteuer, Mitbestimmung und Eigenverantwortung die zentralen Punkte. Der Alpenverein will junge Menschen fördern, die für ihre Leidenschaft, das Klettern und Bergsteigen, leben.

Los geht’s für uns beim gemeinsamen Startwochenende. Im Juni 2014 treffen sich 16 junge Alpinisten, die es durch das Bewerbungsverfahren – Vorstellungsvideo, Tourenbuch und Motivationsschreiben – geschafft haben. Bei den folgenden Updates ist das Team auf Hochtouren in den Zillertaler Alpen, beim Alpinklettern in den Dolomiten, beim Eisklettern im Gasteinertal unterwegs. Mit einer gehörigen Portion Know-how im Gepäck gehts weiter zum Next Step: zum Rissklettern nach Cadarese, zum Bergsteigen nach Chamonix. Beim Update: Skihochtouren in den französischen Alpen passiert das Unfassbare. Die Gruppe wird von einer Lawine erfasst. Frank, Martin und Matthias kommen ums Leben. Clemens kann vor Ort reanimiert werden und überlebt. Der Schock und die Trauer sitzen bei allen tief. Kann und soll das Projekt weitergehen?

Nach drei Monaten Pause entscheiden sich das Team und der Österreichische Alpenverein das Projekt fortzusetzen. Für alle, im Namen der verunglückten Freunde. Die weiteren Treffen und das gemeinsame Bergsteigen sollen helfen, die Leere zu füllen, gemeinsame Erlebnisse können ermutigen, mit dem Schmerz umzugehen. Das Team verbringt weitere Tage beim Big Wall Training, in den Dolomiten, in Chamonix. Für einen Teil des Teams wartet im August 2016 eine eigenständig geplante Expedition, als krönender Abschluss der gemeinsamen Zeit.

Im August 2016 ist es dann so weit und wir starten mit einem kleinen Team zur Expedition nach Kirgistan. Mit dabei sind Roman Weilguny (Expeditionsleiter), Michael Zwölfer, Maximilian Reiss und Manuel Steiger. Alex Blümel und ich sind als Mentoren dabei und begleiten das Team. Ziel ist das Kookshal Too Gebirge, im Süden Kirgistans, an der Grenze zu China. Das Gebirge gehört zum Tien-Shan Gebirge, das sich über die Staaten China, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Tadschikistan erstreckt. Die höchste Erhebung des Tien Shan Gebirges ist der 7.439 m hohe Dschengisch Tschokusu (Pik Pobeda).

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Auf dem Weg ins ABC, das „Advanced Basecamp“. Fotos: JAPS

Die meisten Expeditionen gehen hier ins Kyzyl Asker Tal, zum gleichnamigen, höchsten Berg (5.840m) der Gegend. Das österreichische Team hat sich für das Komorova Tal, östlich davon entschieden, weil es dort noch mehr Neuland und unbestiegene Linien geben sollte. Nach zwei Tagen im Basecamp auf 3.800m beginnt die Akklimatisation und die Erkundung der Gegend.

Dabei werden Pik Beggar (4.720m), Pik Lyev (4.710m) und Unnamed Peak (4.963m) bestiegen. Das Wetter Ende des Sommers ist gut, aber generell ist das Klima rau im Kookshal Too. Kommt die Sonne zum Vorschein, ist es extrem warm, wenig später ist es eiskalt und der Wind macht die Kälte noch unangenehmer. Bis zum Ende des Aufenthalts sollte es keinen Tag geben, an dem es nicht mindestens einmal schneit und stürmt.

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Max Reiss beim Material Check.

Die markanten Wände rund um Ochre Walls und Pik Gronky (5.080m) stechen bei den Erkundungstouren allen gleich ins Auge, weil sie nach steilem Fels-, und Eispotential aussehen. Es braucht also keine langen Diskussionen, bis sich die Crew einig ist, dort ihr Glück zu versuchen. Beim nächsten Schönwetter wird ein ABC (Advanced Basecamp) auf ca. 4.400m auf einer Moräne errichtet. Von dort aus können die Wände eingesehen und mögliche Routen versucht werden. Schnell und leicht, im Alpinstil, lautet die Devise. Nach dem Abstieg ins BC (Basecamp) und 2 weiteren Pausetagen, bei denen die genialen Boulder rund um das Camp entdeckt werden, startet das Team erneut am 03. September voll motiviert in Richtung Berge.

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Komarova Valley.

Manuel Steiger, Alex Blümel und ich versuchen uns gleich am Pik Gronky (5.080m), den wir über den Ostpfeiler begehen wollen. Der obere Teil zum Gipfelgrat erweist sich als steile Firnflanke mit Neuschnee Auflage und verlangt kräfteraubende Spurarbeit. Um 14.00 Uhr stehen die drei dann am Vorgipfel des Pik Gronky auf ca. 5.020m. Für Mani ist es der erste 5.000er und wohl ein ganz besonderer Moment seines jungen (Berg-)Steiger Lebens. Maxi, Michi und Roman versuchen in der Zwischenzeit ein Eiscouloir in der Ostwand des Gronky, müssen aber nach zwei Seillängen umdrehen, da das Eis zu hohl und die objektiven Gefahren zu hoch werden. Obwohl das Couloir von unten passabel ausgesehen hat, geht da leider nix. Beim Rückzug entdecken sie im rechten Teil der Wand eine Felslinie, die evtl. ohne Einsatz von Bohrhaken machbar wäre. Sie klettern am selben Tag noch ca. 150m hinauf, bevor es dunkel wird.

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Auf dem Gipfel des Pik Gronkey (5.080m). Rechts die Osttiroler Extrembergsteigerin Lisi Steurer.

Am nächsten Tag starten erneut zwei Teams zu unterschiedlichen Zielen. Roman Weilguny und Michael Zwölfer wollen einen Gipfel sehen und brechen zum Pik Zuckerman (5.045m) auf, den sie über eine kombinierte Linie im linken Teil der Nordwand besteigen können. Auch hier haben die Jungs mit schwierigen Schneeverhältnissen zu kämpfen, die sie im oberen Teil zum Gipfel geschickt über den Ostgrat umgehen. Anschließend seilen die beiden über die direkte Nordwand ab, um weitere objektive Gefahren zu vermeiden. Nach 14 Stunden nonstop und einem weiteren Erfolg für das Team, erreichen die beiden wieder das ABC.

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Neutour in der Ostwand des Pik Gronkey (5.080m).

Maximilian Reiss und Alex Blümel wollen die am Vortag mit Roman und Michi begonnene Fels Tour am Pik Gronky versuchen. Die 400m lange Ostwand erweist sich als geniale Granit-Kletterei, die im oberen Teil mixed-technisch anspruchsvoll wird. Die letzten zwei Seillängen bieten kombinierte Kletterei mit schlechtem Eis und spärlichen Sicherungsmöglichkeiten. Die beiden taufen ihre Kreation „A Bang for a Buck“ (Viel für wenig Geld). Sie wurde, wie die anderen beiden Routen auch, ohne Bohrhaken von unten in einem Tag erstbegangen.

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Michael Zwölfer am Pik Zuckerman (5.045m).

Nach getaner Arbeit und drei erfolgreichen (Neu-)Touren steigen Roman, Michi, Maxi, Mani, Alex und ich am 06. September wieder ins Komorova Basecamp ab. Nun kann erst mal gechillt und die noch offenen Boulder-Probleme geknackt werden, bevor es an die Rückfahrt mit Valerie und dem GAZ 66 nach Bishkek geht.

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Das Team der Jungen Alpinisten mit Mentoren. vlnr. Lisi Steurer, Alex Blümel, Manuel Steiger, Max Reiss, Michael Zwölfer, Roman Weilguny (hockend).

Fazit: Das Projekt „JAPS“ vom Österreichischen Alpenverein geht also für unsere Gruppe zu Ende. Ein besonderes Projekt, mit einem würdigen Abschluss.

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2 Postings bisher
hoerzuOT vor 2 Jahren

um kein Geld der Welt würde ich an solchen Unternehmungen teilnehmen--Berg+kalt+Schnee+Gefahr=füüüürchterlich---aber Geschmäcker /Vorlieben sind bekanntlich verschieden.

Kiew vor 2 Jahren

Super! Muss eine unheimlich schöne Gegend sein