„Wir hoffen wirklich, dass sich die Leute überwinden“

Georg Glahn und Stephan Hofmann im Gespräch zum Projekt „Team Österreich Tafel“ in Sillian.

Bedürftigen helfen und gleichzeitig einwandfreie Lebensmittel vor der Mülltonne bewahren – das ist das Ziel der „Team Österreich Tafel“. Dieses Projekt wird jetzt auch vom Roten Kreuz Sillian umgesetzt. Ich habe mit den Projektverantwortlichen Stephan Hofmann und Georg Glahn über das Vorhaben gesprochen.

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Georg Glahn (links) und Stephan Hofmann vor dem Eingang zur künftigen „Team Österreich Tafel“ im ehemaligen Sillianer Schwimmbad. Foto: Dolomitenstadt/Burgmann

Was war der Grund, das Projekt „Team Österreich Tafel“ auch in Sillian umzusetzen?
Stephan Hofmann: Grundsätzlich haben wir mitbekommen, dass Bedarf besteht. Die „Team Österreich Tafel“ gibt es bereits in Nordtirol, aber auch in Lienz und Matrei. Wir sind der einzige Raum in Osttirol, wo es das Projekt noch nicht gibt. Heuer feiert der Fachmarkt DM sein 40-Jahre-Jubiläum und unterstützt aus diesem Grund 40 lokale Projekte in ganz Österreich. Eine DM-Mitarbeiterin hat uns darauf hingewiesen. Also haben wir das Projekt eingereicht und wurden von den 400 Einreichungen als eines von 40 Siegerprojekten mit 9000 Euro von DM unterstützt.

Welchen Stellenwert hat ein solches Projekt für Sillian und auch andere Gemeinden?
Georg Glahn: Das ist schwer zu sagen. Wir spüren die Notwendigkeit. Um aber den Stellenwert zu beziffern, müssen wir warten, wie das Projekt anläuft und ob sich die Leute getrauen, vorbeizukommen. Erst dann können wir sehen, ob wir wirklich Hilfe damit leisten.
Stephan Hofmann: Es ist nicht nur ein Sillianer Projekt, es soll Bedürftige aller Oberländer Gemeinden unterstützen.

Was waren die ersten Schritte in der Umsetzung?
Stephan Hofmann: Wir haben das Projekt der Bezirks- und Landesführung vorgestellt, bei der Gemeinde um Unterstützung angesucht und mit der Planung begonnen. Der größte Arbeitsaufwand in der Startphase war, viele Leute und Institutionen einfach zu informieren und von diversen Stellen Auskünfte einzuholen.
Georg Glahn: Wenn das Projekt erstmal im Umlauf ist, dann helfen alle mit. Wir haben ja alles gebraucht, z.B. Regale und Kühlregale. Freiwillige haben dann den Vorraum der Eingangshalle des alten Hallenbades adaptiert. Anton Lukasser aus Mittewald ist besonders zu erwähnen, der uns freiwillig die kompletten Malerarbeiten erledigt hat.

Wer liefert die Produkte für die Tafel und welche Produkte werden angeboten? Wer hat Anspruch auf die bereitgestellten Produkte?
Stephan Hofmann: Die Produkte liefern die regionalen Supermärkte, Bäckereien und der DM. Wenn sich der Bedarf ergibt, werden wir zusätzlich versuchen, auch etwas weiter entfernte Einzelhändler um Unterstützung zu bitten. Angeboten werden grundsätzlich Lebensmittel, teils auch Hygieneartikel. Wir können aber nicht garantieren, dass es immer alles gibt. Wir können nur das ausgeben, was wir von den Geschäften bekommen. Anspruch auf die bereitgestellten Produkte haben Bedürftige, die unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegen. Wir verlangen dafür aber keinen Nachweis.
Georg Glahn: Da hoffen wir auf die Ehrlichkeit der Menschen.

Was waren die Voraussetzungen für die Räumlichkeiten? Warum bietet sich das alte Hallenbad als Lebensmittelausgabestelle an?
Georg Glahn: Der Bürgermeister hat sofort zugesagt, als wir auf die Eingangshalle des alten Schwimmbades gekommen sind. Es bietet sich an, weil es nicht zu zentral liegt und für uns doch leicht erreichbar ist, da es sich direkt neben dem Rot-Kreuz-Gebäude befindet. Für die nächsten Jahre werden uns die Räumlichkeiten von der Gemeinde mietfrei zur Verfügung gestellt.

Wie oft hat die Lebensmittelausgabestelle geöffnet? Wer betreut die Lebensmittelausgabe während den Öffnungszeiten?
Stephan Hofmann: Die Lebensmittelausgabe hat jeden Samstag um 19.00 Uhr geöffnet. Wir gründen einige kleinere Teams, die die Ausgabestelle dann abwechselnd betreuen.
Georg Glahn: Ein Team besteht voraussichtlich aus einem Teamleiter und ca. vier Personen. Ich betreue die Teams, arbeite sie ein und helfe ihnen natürlich, wenn sie Fragen haben. Der Teamleiter sollte einen Führerschein besitzen, damit er die Ware von den Geschäften abholen kann.

In einer Gemeinde kennen sich die Leute untereinander. Gibt es hier eine soziale Barriere? Könnte es sein, dass sich die Leute schämen, in solch eine Einrichtung zu gehen?
Stephan Hofmann: Auf jeden Fall. Dieses Thema beschäftigt uns derzeit am meisten. In Lienz hat es schon eine Zeit gedauert, bis sich die Leute getraut haben, dort hinzugehen. Bei uns ist das vermutlich nochmals schwieriger. Wir hoffen wirklich, dass sich die Leute überwinden, wissen aber gleichermaßen, dass dies bestimmt seine Zeit brauchen wird. Jede und jeder, der sich im Bereich des Lebensmittelkaufs finanziell einschränken muss, ist bei uns herzlich willkommen und wir bitten ausdrücklich darum, eventuelle subjektive „Barrieren“ zu überwinden und das Angebot anzunehmen. Fakt ist: wenn niemand kommt, dann war auch von unserer Seite alles umsonst, was zusätzlich sehr schade wäre, da wir wissen, dass Bedarf besteht.

Was ist der Stand der Dinge? Was muss noch gemacht werden?
Georg Glahn: Am Sonntag, 16. Oktober, um 19:30 veranstalten wir einen Infoabend, bei dem wir die Teams zusammenstellen und die Aufgaben erklären. Für die Tätigkeit sollten ein Grundkurs und ein Erste-Hilfe-Kurs absolviert werden. Es ist wichtig, dass man die Grundlagen z.B. bei der Lagerung und Kühlung der Produkte kennt. Alkohol und Tabak geben wir nicht aus. Jemand der bedürftig ist, benötigt so etwas nicht.
Stephan Hofmann: Sonst steht noch an, die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden zu besuchen, um sie detailliert über das Projekt zu informieren und auch um Unterstützung bei den Betriebskosten zu bitten, damit es eine gerechte Aufteilung zwischen den Oberländer Gemeinden gibt und wirklich jeder zumindest einen kleinen Teil zu der Aktion beiträgt. Ein bisschen etwas ist noch umzubauen, ein paar Formalitäten und organisatorische Dinge sind noch zu erledigen und dann haben wir es eigentlich geschafft. Am 19. November um 19.00 Uhr findet dann die erste Lebensmittelausgabe statt.

Vielen Dank für das Gespräch.

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defregger

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