„Mystery ist nicht exzentrisch, sondern beliebt.“

Matthias Bauer hat Osttiroler Wurzeln und ist international erfolgreicher Roman- und Drehbuchautor.

Dass Osttiroler immer wieder erstaunliche Karrieren machen, bleibt daheim oft unbeachtet. So wohl auch im Fall von Matthias Bauer. Kennt man nicht? Wahrscheinlich nicht, sollte man aber.

Matthias Bauer, geboren 1973 in Lienz, lebt und arbeitet in Tirol. Zusammen mit Bastian Zach schreibt er als Zach/Bauer erfolgreich Romane und Drehbücher, die Roman-Trilogie „Morbus Dei“ ist ein Hit bei Kritikern und Publikum. Die drei historischen Mystery-Thriller wurden auf Englisch und Spanisch übersetzt, ZDF Enterprises und Bavaria arbeiten an einer internationalen TV-Adaption.

Ebenso schreiben Zach/Bauer Drehbücher, u.a. zum internationalen Wikinger-Film „Northmen – A Viking Saga“, der weltweit in über 50 Länder verkauft wurde und bei seiner Veröffentlichung in den USA sofort die DVD/Blu-ray Top 10 enterte. Zach/Bauers neuer Roman, das historische Abenteuer „Das Blut der Pikten“, erschien im August 2016 bei Heyne/Random-House, eine Fortsetzung ist bereits in Planung.

Matthias Bauer ist – zusammen mit Bastian Zach – als Roman- und Drehbuchautor international erfolgreich. Dolomitenstadt.at traf ihn zum Interview. Fotos: Sabine Zach

Hallo Matthias, wie geht es dir?
Danke, ausgezeichnet. Die Familie ist gesund, meine Projekte laufen, Weihnachten steht vor der Tür – fein isses. :)

Seit wann schreibst du?
Seit meiner Studentenzeit. Am Anfang hab ich mich – wie die meisten Anfänger im Prosabereich – an Kurzgeschichten versucht, inhaltlich/stilistisch an den Autoren orientiert, deren Kurzgeschichten ich damals verschlungen habe. Das waren vor allem Dahl, Poe, Lovecraft, King, Bukowski, Bret Easton Ellis – die Ergebnisse dieser ersten Gehversuche waren meist ein bisschen düster mit einer makabren Pointe. Diese Geschichten hab ich Verlagen geschickt, nur wollte sie keiner haben. Aber davon hab ich mich nicht entmutigen lassen, und irgendwann, viele Jahre später, hat’s dann geklappt, wenn auch in einem ganz anderen Genre.

Und seit wann historische Mystery Thriller? Das ist ja ein sehr exzentrischer Bereich der Literatur, man muss da richtig was Gutes schreiben, damit man überhaupt verlegt wird, oder?
Mystery ist an sich nicht exzentrisch, sondern sehr beliebt. Wir haben das Genre mit unserer „Morbus Dei“-Trilogie allerdings in einen historischen Rahmen versetzt, was für die Leser noch einen zusätzlichen Reiz hat. Begonnen hat das ganze so: nach diversen Filmprojekten haben Bastian Zach und ich beschlossen, uns gemeinsam an einem Roman zu versuchen. Wir hatten damals eine Geschichte, die als Filmprojekt nicht geklappt hat, die uns aber zu schade war, sie in der Schublade zu lassen. Diese Geschichte war „Morbus Dei – Die Ankunft“.

Wir haben das Manuskript dem Tiroler Haymon-Verlag geschickt, dem die Geschichte so gut gefallen hat, dass er sie veröffentlicht hat, wie auch die anderen Teile der „Morbus Dei“-Trilogie. Da waren wir wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn Verlage wie Haymon werden jährlich mit hunderten unverlangt eingesandten Manuskripten beschickt, aus denen sie maximal eines pro Jahr auswählen (der Rest des Verlagsprogramms besteht aus den Büchern der Hausautoren). Unser neuer Roman „Das Blut der Pikten“, der bei Heyne veröffentlicht wurde, ist hingegen ein reiner historischer Abenteuerroman, ohne Mystery. Wir sind also flexibel.

Eine Zusammenarbeit mit einem anderen Autor verlangt viel Fingerspitzengefühl füreinander. Ich könnte mir vorstellen, dass man da schon auch mal intensiver diskutiert?
Ich kenne Bastian Zach schon lange, seit unserer Zeit beim Bundesheer. Wir sind sehr gute Freunde und arbeiten problemlos zusammen, weil es bei uns keine Egos gibt, weil wir beide immer das gleiche Ziel vor Augen haben: das beste Endprodukt, ganz egal ob Roman oder Drehbuch. Wir entwerfen Ideen zusammen, spielen uns die Bälle zu und nehmen dann das, was besser ist. Auch beim Schreiben ist es so – wir schreiben, schicken uns die Sachen zu, diskutieren dann darüber, und was besser ist bzw. was schlüssiger argumentiert werden kann, wird genommen. Ein-, zweimal im Jahr darf es dann auch einmal krachen, aber das ist binnen kürzester Zeit aus dem Weg geräumt.

Zach/Bauer auf der „Northmen“ Premiere beim Züricher Film Festival 2014.

Es ist ein bisschen so, dass du international sehr erfolgreich bist, aber in Osttirol kennt dich kaum jemand. Warum, glaubst du?
Filmmäßig ganz einfach – weil wir bisher keine Projekte in Österreich gemacht haben. Wir haben es versucht, hat nicht funktioniert. Im Ausland dagegen hat es geklappt, „One Way Trip“ und „Northmen – A Viking Saga“ waren große Erfolge, die uns u.a. auch einen Manager in den USA gebracht haben, der uns dort vertritt. Unsere „Morbus Dei“-Romane waren und sind zwar in Österreich und Deutschland erfolgreich, ebenso „Das Blut der Pikten“, aber wir haben nicht die Pressepräsenz, die andere Autoren haben, und damit kennt man uns hier auch nicht wirklich. Das ist für uns ok, denn es geht uns ja darum, dass wir immer neue Projekte machen und nicht, dass uns die Leute auf der Straße erkennen. Auch wenn es schön ist, wenn das passiert – vor ca. 1,5 Jahren, als wir wegen „Northmen“ ein TV-Interview im ORF hatten, begegnete uns am nächsten Tag eine ältere Dame auf der Straße, musterte uns und ließ dann ein trockenes „Sie waren doch gestern noch im Fernsehen“ raus – das war cool.

Was war dein größter Erfolg bisher?
Am Romansektor die „Morbus Dei“-Trilogie, filmmäßig „Northmen“, der wurde weltweit verkauft.

Eigentlich bist du in der Erwachsenenbildung tätig. Wie bringst du das unter einen Hut?
Fulltimejob Erwachsenenbildung, Schreiben und Familie geht nur mit gutem Zeitmanagement, denn es bringt ja nichts, wenn ich so viel arbeite, dass ich für nichts mehr Zeit habe. Das Ganze funktioniert aber, weil wir beim Schreiben zu zweit sind, und weil uns das Schreiben flott von der Hand geht und wir noch nie eine Schreibblockade hatten (klopf auf Holz). Natürlich gibt es Phasen, die stressig sind, aber bisher haben wir es immer gut hingekriegt.

Wir haben bei Dolomitenstadt eine Kategorie „Heimweh“. Könntest du dir vorstellen, irgendwann wieder in Osttirol zu leben?
Ich bin ja nur ein halber Osttiroler und lebe immer schon in Nordtirol, wo sich mein Leben abspielt. Aber ich bin immer wieder wahnsinnig gern in Osttirol und genieße es sehr, bei den Verwandten unterzukommen, Schlipfkrapfen zu essen und einen Gang runter zu schalten. Später einmal mehr Zeit in Osttirol zu verbringen – durchaus möglich.

Am 16. Dezember gibt es ab 19:30 Uhr die Möglichkeit Matthias Bauer in der Stadtbücherei Lienz persönlich zu treffen!

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