Um den Lienzer Hochstein kämpfen vor allem Einheimische, die gerne behalten würden, was ihnen ans Herz gewachsen ist. Foto: Dolomitenstadt/Tschurtschenthaler

Um den Lienzer Hochstein kämpfen vor allem Einheimische, die gerne behalten würden, was ihnen ans Herz gewachsen ist. Foto: Dolomitenstadt/Tschurtschenthaler

Wir wollen nicht Touristen glücklich machen, sondern uns selbst!

Die Ansprüche der Einheimischen sind zugleich Problem und Chance für die Bergbahnen.

Die Stadt Lienz ist eine quirlige Bezirksstadt, relativ gut durchmischt mit Industrie, Handel, Gewerbe, Dienstleistungen und auch Tourismus. Es ist eine Stadt mit allen wichtigen Schulen, einem großen Krankenhaus und durchaus lebendigem Gesellschaftsleben. Lienz ist nicht Ischgl, nicht Sölden und nicht Sexten. Im gesamten Lienzer Becken leben 25.000 Menschen, dauerhaft, nicht nur in der Hochsaison.

So wie das Schwimmbad der Stadt, schaffen auch die stadtnahen  Skiberge, Radwege, Flüsse, Kletter- und Wandergebiete eine enorme Lebensqualität für die Menschen vor Ort, für die Einheimischen von Alt bis Jung, die das „Modell schöner leben“ auch als ein solches empfinden. Lienz ist ein sehr guter Platz zum Leben. Womit wir beim Hochstein bzw. den Bergbahnen wären. Man muss nur die sentimentalen Postings unter unseren Hochstein-Artikeln lesen, um sofort zu erkennen: Hier schreiben Einheimische, die gerne behalten würden, was ihnen ans Herz gewachsen ist.

Nur wenn man diesen Unterschied zu klassischen Tourismusgebieten klar erkennt, kann man überhaupt vernünftig über eine Weiterentwicklung der Lienzer Bergbahnen diskutieren. Wer hier so tut, als lebten wir im Zillertal, der spielt im falschen Film. Es geht nicht um Touristen, sondern um die BewohnerInnen der Stadt. Deshalb ist auch der Ruf nach einem touristischen Investor hinterfragbar! Wer auch immer das wäre, er würde sich nicht am Gemeinwohl orientieren, sondern an knallharten wirtschaftlichen Zahlen. Investoren sind keine Wohltäter. Sie wollen ihr Geld verzinsen, sei es mit einem Kaufhaus oder mit einem Lift. Geht es um touristische Investitionen, dann ist das erste, was jeder Investor macht – die Hand aufhalten!

Und wir Einheimischen würden unser blaues Wunder erleben! Bei allem Gejammer vergisst man nämlich eines: Unsere beliebtesten Liftkarten sind schon heute stark subventioniert. Die Preise der Lienzer Sportpässe, speziell in den ermäßigten Kategorien, sind soziale Preise, die keineswegs die Kosten der Sportanlagen decken. Sie sollen uns und unseren Kindern kostengünstig sportlichen Genuss in der Umgebung der Stadt verschaffen. Von Bad bis Berg übernimmt die Stadt – und bei den Bergbahnen auch der TVBO – die Abdeckung jener Finanzierungslücke, die durch Eintrittsgelder und Liftkarten nicht gefüllt werden kann. Anders ausgedrückt: Wir leisten uns selbst den Luxus, vor der Haustüre zwei Skigebiete zu nutzen. Das ist toll. Und es ist eben Luxus, den wir uns derzeit noch gönnen.

Es gibt keine wirtschaftliche Logik, die einen privaten Investor hier in eine bessere Position brächte als die Stadt. Auch er müsste Abgänge hinnehmen, oder aber die Preise erhöhen, unrentable Lifte schließen und die Betriebszeiten verkürzen. Er würde für Erneuerungs- und Erweiterungsinvestitionen zudem Millionen an Förderungen verlangen und sich im laufenden Betrieb vermutlich Wasser und Strom schenken lassen, in Summe hundertausende Euro – siehe Matrei. Außerdem würde ein Investor fordern, dass mehr (öffentliches!) Geld in die Tourismuswerbung gesteckt wird. Der Ruf nach mehr Betten würde laut. Die müsste man wieder subventionieren. Welchen Sinn hätte das alles? Schon heute sind die Lienzer Hotels zum Teil nicht ausgelastet, egal in welcher Kategorie. Und verglichen mit anderen Wirtschaftszweigen ist der Tourismus bereits übersubventioniert.

Genau aus diesem Grund hinkt auch der Vergleich mit Obertilliach oder Kals. In diesen Orten haben Tourismusunternehmer einerseits Geld in die Hand genommen und andererseits Förderung kassiert, um mit Tourismus noch mehr Geld zu verdienen. In Lienz finanzieren dagegen seit Jahrzehnten die Bürger der Stadt aus eigener Tasche ihr eigenes Vergnügen! Das ist ein Riesenunterschied, der in den meisten Diskussionen einfach vergessen wird. Heinz Schultz baut Lifte und Hotels, um Geld mit Touristen zu scheffeln. Josef Lugger und seine Obertilliacher Freunde machen es ebenso. Sie verdienen dabei weniger an den Liftkarten, als an Zimmervermietung und entsprechenden Gesamtpaketen.

Doch auf dem Zettersfeld und auf dem Hochstein tummeln sich außerhalb der Hochsaison vorwiegend Einheimische. Und Einheimische schlafen nun einmal im eigenen Bett. Wir möchten in Wahrheit nicht Touristen glücklich machen, sondern uns selbst. Wir möchten unseren Kindern vor der Haustüre tolle sportliche Möglichkeiten bieten und selbst einen Lebensraum mit kurzen Wegen in die Natur genießen. Damit verändert sich die kaufmännische Zielsetzung gravierend! Das Problem von Klaus Hofstätter und Thomas Diemling sind nicht die Wünsche von Touristen – es sind die Ansprüche der Einheimischen.

Und hier müsste eine Lösungsvariante ansetzen, die in den „vier Szenarien“ der Bergbahn-Verantwortlichen vermutlich nicht vorkommt: Intensive Einbindung der heimischen Nutzer in den Entwicklungsprozess ihrer eigenen Freizeitanlagen! Die Menschen, die das Zettersfeld und den Hochstein nutzen und lieben, sollten in einem offenen, kreativen und spannenden Prozess ein viel größeres Mitspracherecht bekommen, als das bisher der Fall ist. Wo ist die gelebte Bürgerbeteiligung? Wer mitreden darf, der jammert nicht. Wer Einblick in die Zahlen bekommt, der fordert nichts Unmögliches. Und wer mitgestaltet, der zahlt auch lieber seinen Beitrag am gemeinsamen Werk – sei es als Steuer, als TVB-Pflichtbeitrag oder als Eintrittskarte.

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10 Postings bisher
Ostiroler vor 1 Jahr

Sind es also die Wünsche der Einheimischen, dass zum Beispiel trotz regelmässiger Minus Temperaturen die Abfahrt unterhalb vom Damenstart nicht beschneit wird (Gerüchte zu Folge auf Anweisung). Dass der Hochstein Tagelang von Kroaten blockiert wird. Dass es wahrscheinlich das Schigebiet mit den wenigsten Schitagen in Osttirol ist (zuerst wird nicht aufgespert und dann wenn Schnee ist zu früh zugesperrt). Von den Tageskarten will ich nicht reden. Weder am ZF noch am Hochstein gibt es Vergünstigungen wenn viele Lifte noch geschlossen sind. Geschweige denn von Geldrückgabe wenn man frühzeitig die Karte zurückgibt wie es in Schigebieten mit privaten Investoren praktiziert wird. Bezüglich Kosten....Hingegen zum Sportpass oder der Lienzer Saisonkarte gibt es bei der Osttirol- Kärnten Schikarte tolle Pakete für Familien. Sind es auch die Wünsche der Einheimischen dass, wie es schon mal war, der Weg zur Moosalm gesplittet wird obwohl reichlich Schnee war. Man sollte ja lieber mit dem Ostirodler fahren als mit einem herkömmlichen Rodel. Sind es auch die Wünsche der Einheimischen mit einem Sessellift zu fahren und zu frieren, wo ein schneller Tourengeher beinahe die selbe Zeit benötigt. Einheimische wollen Schifahren und nicht Liftfahren. Die schlechten Absatzzahlen lassen sich sicher zum Grossteil auf die miserablen Aufstiegshilfen zurückführen. Diese sind einfach nicht mehr zeitgemäss. Fakt ist dass, falls man den Hochstein retten will, investiert werden muss. Wer das dann macht ist eigentlich egal, wenn es die Stadt Lienz nicht schafft, dann wäre es aber sicher im Sinne der Lienzer wenn sie wenigstens jemanden die Chance gibt das zu tun um diesen tollen Schiberg am Leben zu erhalten. Wegen ein paar 100hm die von einer tollen Bahn erschlossen ist, interssiert es eben nicht wirklich jemanden dort Schi zu fahren. Zur Zeit befinden sich auf jeden Fall mehr Tourengeher als Schifahrer am Hochstein, der Rest sind dann Besitzer von Saisonkarten. Wenn es so weiter geht wäre besser den Betrieb ganz einzustellen und einfach einen gebührenpflichtigen Parkplatz zu machen.

    chiller336 vor 1 Jahr

    das mit dem rodelweg ist auch für mich vollkommen unverständlich - WIE kann man nur einen rodelweg, der bis in die stadt führt, zusperren bzw als auffahrt genehmigen ... und stattdessen so ein edelstahlmonstrum um irrsinniges geld aufzustellen. des gibts in keinem ort der mir bekannt ist. in bramberg/pinzgau gibts eine rodelstrecke mit über 14 km - natur versteht sich - aber so isses eben, wenn keiner mit dem anderen zusammenarbeiten will, aus angst, dass einer vielleicht ein paar cent mehr verdient als der andere. und das zieht sich durch sämtliche bisherige belange in lienz - ausser vielleicht die gestaltung des hauptplatzes, welche aber auch durch die stadtgemeinde lienz gesteuert wird - oder nicht

Lienzner7 vor 1 Jahr

Man sattelt kein totes Pferd !

jos vor 1 Jahr

Da sind wieder mal Experten am Werk. 😩 Hr. Pirker hat recht wenn man etwas unrentables aufrecht erhalten will, muss derjenige zahlen der das Angebot nutzen und unbedingt am Leben erhalten will. Oder man überlegt endlich mal konstruktiv, wie man wieder mehr Gäste nach Lienz bringen könnte ? 😉

    senf vor 1 Jahr

    jos, du hast recht, gerhard pirkners beitrag hat substanz. allerderdings zählen fakten nichts, die menschen wollen sichtbare zeichen sehen und ich möchte nicht wissen, wie eine befragung für die beiden schigebiete in lienz und umgebung ausgehen würde, denn zu viele sind nunmal auf ihren vorteil bedacht. wer sich in matrei umhört, weiss, dass dort die politik dort mit mit sichtbaren taten gepunktet hat. ein hochglanzmagazin listet auf. die frage der leistbarkeit stellte sich nicht, hat aber bereits auswirkungen auf die jetzige generation, wie man öfters liest. die zukunft der LBB ist daher von fachleuten nach realen fakten zu entscheiden, auch wenn das noch so schmerzlich sein wird. die kostenlose benutzung der skipisten als beispiel (siehe bild) wird es dann hoffentlich nicht mehr geben!

beobachter52 vor 1 Jahr

Ich hätte noch nie bemerkt, dass die Preise in Lienz günstiger sind als in den "Schigebieten mit Investor" (Kals- Matrei, Sillian, ...)! Wenn man es mit dem Angebot vergleicht, schon gar nicht! Im Gegenteil: € 11,-- für eine Einzelfahrt auf der Faschingalm würde kein Investor verlangen, weil da fährt dann niemand ...

Austria2 vor 1 Jahr

Liebe Leute!

Der Hochstein ist ein wichtiges Schi Gebiet finde ich den dieser Berg hat Zukunft was ich beim Zettersfeld leider nicht glaube denn das Zettersfeld ist zu viel in der Sonne und ich glaube deswegen das es irgendwann ein böses erwachen geben wird weil dort dann auch der Kunstschnee nicht halten wird der Tag kommt meiner Meinung sicher für das Zettersfeld deswegen brauchen wir denn Hochstein der ist im Schatten das ist meine Meinung dazu . Wir sollten auch schauen das wird auch irgendwann einmal etwas Riskieren wir werden alle beide Schi Gebiete brauchen finde ich. denn dad macht auch Lienz Intersant für unsere Urlaubsgäste Auch Kitzbühl hat imm8immer wieder wad Riskiert am Anfang wsr am Hahnenkamm nichts gescheites aber die Leute hatten den Mut wss zu Riskieren nicht zu sperren ist die Lösung sondern neue Anlagen am Hochstein vielleicht wäre auch Gut am Hochstein eine Flutlicht Anlage auch die Rodelbahn neben den Osttirodler wäre gut wenn man Sie mit Kunstschnee ausstatten würde. Und auch mit normalen Schlitten Rodeln könnte. Am besten von der Sternalm weg finde ich. Neben dem Schifahren. was wäre damit Ciao Austria 2

    Lienzner7 vor 1 Jahr

    So lange Sie verstehen, um was es in Ihrem Beitrag geht, ist alles gut!

PrinzessinL vor 1 Jahr

1. Kostengünistig ist anders....... 2. wenn was geboten wird, zahlt man gerne etwas mehr, aber bei uns steigen nur die Preise, das Angebot bleibt aber immer gleich. 3. Investoren sind Wohltäter, weil dann ENDLICH mal was weitergehen würde 4. Fahrt mal ins Nassfeld, ist sicher ein armes Bundesland, aber hat ein suuuuper Skigebiet..... und Investoren 5. wenn sich's wirtschaftlich nicht rentieren würde, lässt sich eh kein Investor blicken, aber dem sind ja dann alle wieder die Gewinne neidig. ach ja und die Mitsprache (Politik) ist weg....oje! 6. die öffentliche Hand war noch nie ein guter Investor. das Geld von anderen lässt sich leicht ausgeben. 7. Die Einheimischen lassen sich nicht von den Preiserhöhungen pflanzen und weichen aus. weit ist es ja nit zum Helm, Kals oder ins Nassfeld. 8. Mitgestaltung wäre sicher eine gute Möglichkeit, aber wer kommt denn an gegen unsere Eigentümer????? 9. hoffentlich gibts eine sportliche Lösung für den Hochstein

genaugenommen vor 1 Jahr

Kann ihnen nur zustimmen, überhaupt im letzten Absatz!!

Es sollte einmal bekannt gegeben werden, wie groß der Umsatzanteil der Einheimischen ist. Dieser Anteil ist sicher höher als der Anteil der Touristen, trotzdem hat man bei den LLB als Einheimischer den Eindruck nicht sonderlich erwünscht zu sein. (Meldezettel für Einheimischenkarte ec., dieser Meldezettel wird nicht einmal in ‚Sexten oder am Kronplatz von Osttirolern verlangt )