„Mein größter Traum ist Olympia 2020“

Sabrina Hofmann ist Osttirols wohl größtes Nachwuchstalent im Judo.

„Lange nicht gesehen“ war das erste, das Sabrina Hofmann von mir zu hören bekam, als wir uns zum Interview trafen. Wir sind nämlich Nachbarn, sehen uns dafür aber ziemlich selten. Der Grund dafür liegt auf der Hand, die 16-Jährige trainiert dreimal in der Woche, bestreitet regelmäßig Wettkämpfe, geht nebenbei noch zur Schule und verbringt gerne Zeit mit ihrem Freund und ihrer Familie.

Judo kämpft sie schon seit neun Jahren, durch ihren Bruder kam sie dazu und lernte den Sport lieben. „Ich mach es einfach gerne, weil ich gut darin bin. Wenn man weiß, dass man in der Lage ist, Erfolge zu feiern, macht auch das Training mehr Spaß.“ Doch natürlich kamen die Erfolge nicht von ungefähr. Ein Judoka braucht gewisse Fähigkeiten, um auch wirklich gut zu werden.

Sabrina Hofmann ist Osttirols derzeit erfolgreichste Judokämpferin und wurde heuer schon Dritte bei der Staatsmeisterschaft. Foto: Dolomitenstadt/Valeria Brunner

Sabrina dazu: „Judo ist nicht nur ein unkontrolliertes Umwerfen des Gegners, man braucht Kraft, gute Koordination und vor allem darf man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Auch viel Köpfchen ist wichtig, um die beste Strategie zur Überlistung des Gegners zu finden. Aufgrund meiner kleinen Größe und meiner zierlichen Figur habe ich den Vorteil, dass ich in leichteren Gewichtsklassen kämpfen kann.“ So gilt im Judo generell – je leichter das Körpergewicht umso einfacher der Kampf.

Auf ihr Gewicht muss Sabrina aber trotzdem achten. Vor ihrem ersten Wettkampf in diesem Jahr musste sie rund vier Kilo abspecken. „Allerdings heißt das nicht, dass es reicht, zierlich zu sein. Man muss kräftig und beweglich sein – der Mix muss einfach passen.“ Ich bin beeindruckt von der Euphorie, mit der Sabrina über ihre liebste Sportart redet und gleichzeitig fasziniert es mich, mit welcher riesigen Portion an Willensstärke sie tagein, tagaus trainiert. Doch die harte Arbeit trägt Früchte. So wurde sie gerade erst Dritte bei den Österreichischen Meisterschaften in der Klasse U18.

Neben all dem darf man auch nicht vergessen, dass Sabrina immer noch zur Schule geht. „Mir bleibt nicht viel Zeit für andere Hobbies. Die Schule, der Sport und natürlich die Wettkämpfe nehmen schon viel Zeit in Anspruch – die Tage oder Stunden, die dann noch übrig bleiben, verbringe ich mit meinem Freund, meinen Freunden und meiner Familie.“ Natürlich interessiert es mich auch, ob Sabrina eine Karriere als Profisportlerin anstrebt. Diese Frage beantwortet sie aber mit Nein. „Ich möchte Krankenschwester werden.“ Das heißt allerdings nicht, dass sie keine ambitionierten sportlichen Ziele oder Träume hat. „Olympia wäre der Wahnsinn. Aber bis zu den nächsten Spielen in Tokio 2020 ist es noch ein langer Weg.“

„Hishigi“ nennen die Judokas das, was Sabrina hier mit ihrer Gegnerin macht. Sie hat einen Armhebel angesetzt, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Den braunen Gürtel darf die sympathische Lienzerin bereits ihr Eigen nennen. Doch wie sieht es eigentlich mit dem berühmt-berüchtigten schwarzen Gürtel aus? „Ich habe für meinen braunen Gürtel schon hart arbeiten müssen, aber ich bin ja auch schon ziemlich lange dabei. Alle Gürtelfarben bis zum braunen Gurt erhält man, indem man die vom Trainer bei der Prüfung vorgezeigten Würfe ordnungsgemäß nachmacht. Für die schwarzen Gürtel reicht die Praxis alleine dann nicht mehr. Man muss dafür auch über die Judogeschichte, Strafen, Wertungen und noch jede Menge Theorie Bescheid wissen.“

Hier kämpft Sabrina im blauen Judogi und zieht einen pefekten „Uchi Mata“ durch. Das ist ein sehr klassischer Wurf, bei dem Blitzgeschwindigkeit, ein schwungvolles Bein und enormes Technikgefühl benötigt werden.

Ich habe mir vor unserem Interview einige Fotos von Wettkämpfen angeschaut und war beeindruckt von den spektakulären Würfen, die die Judokas beherrschen. Für den Laien sieht das alles schon ziemlich waghalsig aus, deshalb interessierte es mich, ob sich Sabrina beim Judo schon einmal verletzt hat. „Gebrochen habe ich mir noch nichts, allerdings habe ich Probleme mit meinem Arm. Der schwillt von Zeit zu Zeit wie aus dem Nichts an. Ich vermute, dass ich mir da mal etwas eingerissen hab.“

Zum Abschluss wollte ich noch wissen, wen die talentierte Judokämpferin zu ihren Vorbildern zählt. „Mein größtes Vorbild ist Teddy Pierre-Marie Riner. Er ist ein französischer Judoka und hat bereits zwei olympische Goldmedaillen im Schwergewicht (über 100 Kilogramm Körpergewicht) gewonnen.“ Mich hat Sabrina im Laufe dieses Interviews total von ihren Fähigkeiten und ihrer außerordentlichen Willensstärke überzeugt. Ich wünsche ihr noch viel Glück für ihre weitere sportliche Karriere und wer weiß, vielleicht kann sie es ihrem Idol gleichtun und sich eines Tages über eine Olympiamedaille freuen.

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