„Das Großstadtgetümmel brauche ich nicht unbedingt“

Anna Leibetseder studiert in Klagenfurt Geografie und Deutsch auf Lehramt.

Ist man an einem Winterwochenende auf den Skipisten Osttirols unterwegs, so stehen die Chancen nicht schlecht, dass auch Anna Leibetseder dort herumcarvt. Besonders im Winter hält die 20-jährige Lienzerin an freien Tagen nämlich nichts in ihrem Studienort Klagenfurt. Zu verlockend sind die verschneiten Berggipfel und sonnigen Pistenhänge, die in Osttirol auf sie warten. Nach wie vor verbringt die Lehramtsstudentin einen großen Teil der studienfreien Zeit in ihrer Heimat, wo sie die Geborgenheit in ihrer Familie genießt und die optimale Umgebung zur Ausübung ihrer Lieblingssportarten nützt. Neben dem Skifahren, wo sie zur Zeit eine Ausbildung zum D-Trainer macht, sind vor allem das Radfahren und die Arbeit mit Pferden ihre großen Leidenschaften.

Gerne kommt Anna auch deshalb nach Lienz, um alte Freundschaften aus der Schulzeit zu pflegen. Die meisten ihrer Schulfreunde haben nach dem Abschluss nämlich einen anderen Ausbildungsort als sie gewählt. „Ich verstehe, dass jetzt alle im eigenen Leben stehen und jeder seinen Weg geht. Lienz ist dann quasi unser zentraler Ort, wo doch jeder zumindest für einen Kurzurlaub wieder nach Hause kommt und wir uns dann gemütlich in einem Café treffen, um uns gegenseitig auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen.“

Unter der Woche findet sich die 20-Jährige dann aber doch wieder verlässlich in ihrem Studienort Klagenfurt ein, denn auch dort fühlt sie sich sehr wohl. Mittlerweile beginnt sie schon das sechste Semester ihres Lehramtsstudiums von Geografie und Deutsch. Ihr Interesse für ersteres fand sie während ihrer Zeit im BORG Lienz, unter anderem auch aufgrund ihrer Professorin. „Sie schaffte es, mich sogar für wirtschaftliche Themen zu begeistern, liegen meine Stärken doch eher in der physischen Geographie als in der Humangeographie.“ Ihre Freude daran, jungen Menschen Wissen weiterzugeben und sie auf einem kleinen Stück ihres Lebenswegs zu begleiten, hat Anna dazu bewogen, sich für ein Lehramtsstudium zu entscheiden, das sie mit ihrem zweiten Fach Deutsch komplettiert.

Anna Leibetseder, gezeichnet von Linda Steiner.

Die Universität Klagenfurt hat sich die Lienzerin nach reiflicher Überlegung ausgesucht, wobei richtige Großstädte für sie von Anfang an nicht in Frage kamen. „Da ich das Großstadtgetümmel nicht unbedingt brauche und daher auch Wien für mich persönlich ein Katastrophenstudienort wäre, habe ich mich für Klagenfurt entschieden“, denkt Anna an ihre Entscheidung zurück. Besonders entgegen kommt der naturverbundenen Studentin in der Kärntner Landeshauptstadt der nur zehn Gehminuten von der Universität entfernte Wörthersee. „Macht man im Sommersemester einen Abstecher zum See, so trifft man viele StudienkollegInnen eher im Strandbad an als auf der Uni.“, schmunzelt sie. Wohl fühlt sich die 20-Jährige auch aufgrund des eher familiären Ambientes der Universität, wo meist in kleinen Gruppen zusammengearbeitet wird.

Bei der Studienwahl spielte für Anna auch die Nähe zu Osttirol eine gewisse Rolle. Dabei erfreut sie sich an der guten Zugverbindung, denn zu jeder Stunde geht ein Zug Richtung Heimat, mit dem sie nach zwei Stunden bereits auf dem Bahnhof Lienz einfährt. In ihren verbleibenden drei Studienjahren werden ihre Heimatbesuche allerdings etwas seltener stattfinden. „Ich möchte die vielen freien Wochen nutzen, um noch etwas durch die Welt zu reisen und mir persönlich interessante Länder wie Island, Norwegen und Kanada anzuschauen.“

Mit Vorfreude denkt die junge Lienzerin auch schon an ihre Zeit nach dem Studium und kann es kaum erwarten, endlich in das Berufsleben einzusteigen und ihr eigenes Geld zu verdienen. „Ich will ja schließlich nicht als ewiger Student enden“, lacht sie. Dass dieser neue Lebensabschnitt in Osttirol stattfinden wird, kann sich Anna gut vorstellen, aber direkt nach dem Studium möchte sie eigentlich nicht sofort in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren. „Es ist auch eher unrealistisch, sofort am Wunschplatz Arbeit zu bekommen, und ich wäre froh, wenn ich sofort nach Abschluss des Studiums in den Beruf einsteigen könnte, egal an welchem Ort, denn schließlich gibt es viele schöne Plätze in Österreich.“


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