Vier Männer gegen die Kraft der Natur

Premiere am 18. März für „Seekers of the Element“. Teammitglied Dominik Pargger im Interview.

Über das Jahr 2016 hinweg stürzten sich die vier „Seekers of the Element“ — Luca Scherzer, Dominik Pargger, Kevin Vogel und Nicolas Moser — in die reißenden Fluten mehrerer Flüsse in Österreich, Slowenien und Italien. Aus den dabei gedrehten Aufnahmen entstand eine circa 25-minütige Sportdokumentation, in der mit der Isel auch ein heimisches Gewässer vertreten sein wird. Am kommenden Samstag, 18. März, hat der Film um 19:00 Uhr Premiere im CineX-Kino Lienz. Dolomitenstadt hat sich vorab mit dem jüngsten „Seeker“, dem 21-jährigen Dominik Pargger, über das Team, die Produktion und den Sport unterhalten.

Dominik Pargger beim Sprung ins kalte Wasser der Isel. Fotos: Tobias Tschurtschenthaler

Dominik, das Wildwasserschwimmen zählt ja noch nicht zu den verbreitetsten Wassersportarten. Könntest du uns zu Beginn ein wenig darüber erzählen?
Das Wildwasserschwimmen wurde ursprünglich von der Wasserrettung abgeleitet und war anfangs noch am Rettungsgedanken angelehnt. Bei der Wasserrettung in Lienz haben Luca, Nicolas und ich das privat betrieben, wobei der Spaß im Fokus stand. Bei einem Wettkampf in Lienz haben wir dann unseren deutschen „Seeker“ Kevin kennengelernt und dabei gemerkt, dass sich das Wildwasserschwimmen hierzulande steigender Bekanntheit erfreut. Wir haben uns dann in weiterer Folge unter anderem mit der Vermarktung des Wildwasserschwimmens beschäftigt.

Wie hoch ist das Risiko, dass man eingeht, wenn man sich in die reißenden Fluten stürzt? Ist man sich dessen im Wasser aufgrund der Konzentration überhaupt noch bewusst?
Im Wasser ist man voll da, da bleibt keine Zeit, um über solche Dinge nachzudenken. Man sollte sich aber vorab anschauen, wo man sich ins Wasser begibt. Es gibt gewisse Stellen und Verhältnisse, die schnell lebensgefährlich werden können. Da kann es dann passieren, dass man von der Strömung unter einen Stein gezogen wird oder in einer Walze hängen bleibt. Dann steckt man fest und ist darauf angewiesen, dass man von einem Partner aus dieser Lage befreit wird. Luca hat es bei den Dreharbeiten in Slowenien auch erwischt, er hat sich mit dem Fuß unter einem Stein verhangen. Diese Szene wird auch im Film zu sehen sein.

Was gilt es im Wasser besonders zu beachten?
Es beginnt bereits mit der richtigen Ausrüstung — Neoprenanzug, Weste, Schuhe, Helm. Je nachdem wo man schwimmt kann ein „Aufpasser“ am Flussufer hilfreich sein. An neuen Orten sollte immer zunächst das Gelände besichtigt werden, dann sucht man sich die Route, die am wenigsten schmerzt (lacht). Normalerweise ist es am sinnvollsten, sich treiben zu lassen und dabei mit den Beinen voraus auf dem Rücken zu liegen — so kann man sich von auftretenden Hindernissen wegstoßen. Wenn man aber zum Beispiel von einem Stein zu einem anderen gelangen möchte, ist es ratsam zu kraulen und dabei auf dem Bauch zu liegen.

Gibt es im Bereich des Wildwasserschwimmens bereits Wettkämpfe?
Jein. In Lienz gab es eben die „Whitewatertrophy“, die wird allerdings nicht mehr veranstaltet. In Roppen gibt es die deutsche Meisterschaft im Wildwasserschwimmen. Dort gehen aber hauptsächlich Schwimmer an den Start, von denen der Großteil rettungstechnisch nicht auf das Wildwasser spezialisiert ist. In Wildalpen gibt es jährlich im April einen Vergleichswettkampf, bei dem es vor allem um die Rettungsmethoden geht. Recht viel mehr Auswahl gibt es meines Wissens nach in Österreich nicht, da schaut es im Kajak-Bereich wesentlich besser aus.

Was würdest du jemandem raten, der mit dem Wildwasserschwimmen anfangen möchte?
Vorab, ich möchte jetzt kein Marketing betreiben — meiner Meinung nach stellt die Wasserrettung aber die beste Möglichkeit für einen Einstieg in den Wildwassersport dar. Viele versuchen es aber trotzdem auf eigene Faust. Vor allem im Draupark sieht man im Sommer regelmäßig Abenteuerlustige ohne jegliche Ausrüstung, die sich der Gefahr scheinbar nicht bewusst sind, obwohl es ja auch dort eine Walze gibt, die sehr schnell lebensgefährlich werden kann. Den Einstieg würde ich auf jeden Fall ausschließlich mit professioneller Begleitung wagen.

Inwieweit ist die körperliche Fitness von Bedeutung?
Es ist bestimmt kein Nachteil, wenn man in der Lage ist, eigenständig aus dem Wasser zu kommen (lacht). Ich habe im Wildwasser schon sehr viel erlebt und gesehen. Eine Grundfitness sollte auf jeden Fall vorhanden sein, man muss aber kein überdurchschnittliches Niveau aufweisen. Wir halten uns im Sommer hauptsächlich mit dem Wildwasserschwimmen fit, hierfür treffen wir uns auch regelmäßig.

Aus deinen Erfahrungen: Nach wievielen Stunden im Wasser schwinden die Kräfte? Gibt es Techniken, um diese besser dosieren zu können?
Nach einem Tag, an dem man größtenteils im Wasser unterwegs war, macht sich schon ein Kräfteschwund bemerkbar. Wenn man an einem Tag permanent Action hat, zum Beispiel bei Hochwasser, kann das bereits nach wenigen Stunden der Fall sein. Je nach körperlicher Fitness schwinden die Kräfte von Sportler zu Sportler unterschiedlich schnell.

Bis auf Kevin sind alle „Seekers“ Mitglieder bei der österreichischen Wasserrettung. Du besuchst aber auch die Polizeischule in Salzburg. Würdest du dich daher als einen Tick verantwortungsbewusster bezeichnen?
Die Ausbildungen durch die Wasserrettung helfen uns natürlich enorm. In Lienz sind die Gewässer noch eher ungefährlich, wir hatten aber auch Kurse in anspruchsvolleren Flüssen. Prinzipiell ist es immer ratsam, jemanden dabei zu haben, der bereits Erfahrungen im Fließwasser gesammelt hat. Verantwortungstechnisch müsste man bei uns eher Kevin herauspicken, da wir doch ein wilder Haufen sind.

Das „Seekers-Team“. Von links: Tobias Tschurtschenthaler, Luca Scherzer, Kevin Vogel, Dominik Pargger, Nicolas Moser und Christoph Klausner. Nicht im Bild: Chris Manucredo (Musik) und Johannes Pirkebner (Co-Produzent)

Nun aber zu den „Seekers of the Element“. Wie ist es zur Entstehung dieser Crew gekommen?
Bis 2013 wurde in Lienz die „Whitewatertrophy“ veranstaltet. 2011 war Kevin zum ersten Mal dort vertreten und wurde quasi ins Wasser gestoßen. Es hat ihm aber so getaugt, dass er fortan drei bis fünf Mal pro Jahr zu uns gekommen ist, um im Wildwasser zu schwimmen. Nicolas, Luca und ich kannten uns ja bereits durch unsere Einsätze bei der Wasserrettung. Wir sind dann einige Male zu viert geschwommen. Irgendwann haben wir aber beschlossen, mehr zu machen — den Film, den wir am Samstag stolz präsentieren können.

Wie war die Stimmung im Team während der Dreharbeiten?
(Lacht) Wir hatten eine gemeinsame Idee und haben versucht, diese bestmöglich umzusetzen. Differenzen sind dabei aber kaum zu vermeiden und werden auch im Film zu sehen sein. Zum Beispiel gab es in Slowenien eine Strecke entlang eines Friedhofs, die sehr anspruchsvoll war. Luca und ich haben es uns zunächst angesehen und wir haben es für machbar befunden. Kevin war aber ziemlich nervös, weil er zuvor über einen Felsen gespült wurde. Nicolas war die Sache auch nicht ganz geheuer und dann kommen natürlich Emotionen ins Spiel. Schlussendlich haben wir uns aber dort ins Wasser gewagt. Aber auch im organisatorischen Bereich lief nicht immer alles rund, bezüglich der Sicherheit gab es hin und wieder Auffassungsunterschiede. Das war auch beim Nachtschwimmen der Fall, als wir uns mit Leuchtfackeln durch das Wasser gekämpft haben.

Was macht dir mehr Spaß — Stromschnellen, Walzen oder Katarakten?
Das finde ich alles sehr spannend, nur das gemütliche Treiben im Wasser sagt mir nicht wirklich zu. Die schnelleren, anspruchsvolleren Passagen geben mir den Kick. Das macht es aus.

Vier Männer schwimmen mit dem Strom.

Es wurde in drei Ländern gedreht — Österreich, Slowenien und Italien. Wo gab es deiner Meinung nach die spektakulärsten Flussabschnitte und wo war das Schwimmen besonders anspruchsvoll?
Die erwähnte Friedhofsstrecke in Slowenien war sowohl spektakulär als auch sehr anspruchsvoll. Wir haben uns den Abschnitt vorher zwar angeschaut, haben dann aber im Wasser gemerkt, dass der Fluss doch ordentlich reißt. Für uns war es nicht so extrem, Kevin ist dabei aber an seine Grenzen gelangt. Das ist aber verständlich, da er nicht so daran gewöhnt ist wie wir. Wir haben dabei aber alle gemerkt, dass es Grenzen für Schwimmer gibt. Mit einem Kajak fährt man auf der Oberfläche und bekommt von dem, was darunter ist nicht viel mit. Bei uns ragt meistens nur der Kopf aus dem Wasser und dadurch sehen wir Hindernisse viel später. Besonders interessant war für mich aber der Aufenthalt in Slowenien, da man dort als Wildwasserschwimmer die besten Bedingungen erfährt.

Welche Schwierigkeiten sind im Laufe der Dreharbeiten aufgetaucht?
Besonders schwierig war es, die Ausrüstung immer rechtzeitig am richtigen Ort zu haben. Wir haben auch von DJI eine Drohne zur Verfügung gestellt bekommen, dadurch wurden natürlich besondere Aufnahmen ermöglicht. Die musste natürlich auch pünktlich vor Ort sein. Organisatorisch ergaben sich eben ein paar Herausforderungen, zum Beispiel mussten wir dafür sorgen, dass Kevin rechtzeitig aus Deutschland ankommt.

Apropos Kevin — er ist mit 29 Jahren der älteste im Team und nebenbei bei der deutschen Bundeswehr beschäftigt. Sieht er sich als „Papa“ der Mannschaft?
Wir sind eine wilde Truppe, da spielt er schon gerne den „Alpha-Kevin“ (lacht). Er hat eben einen Job, bei dem er immer etwas zu sagen hat. Wenn es aus organisatorischen Gründen notwendig ist, bringt er sich meistens ein. Im Wasser sind wir aufgrund unserer Erfahrung die „Anführer“. Da sind wir aber schon manchmal zusammengekracht, weil eben jeder seine eigenen Ansichten hat. Es hat jedoch jeder seinen Beitrag zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit geleistet. Wir haben alle einen „Hau“ und daher passt die Mischung im Team ganz gut und wenn immer alles glatt laufen würde, wäre es ja auch fad.

Laut eurem Namen „Seekers of the element“ seid ihr auf der Suche nach dem Element Wasser — ich nehme an, ihr habt es gefunden. Was fasziniert dich so sehr an dieser Kraft der Natur?
Wenn ich mich der Strömung aussetze, bin ich quasi „ausgeliefert“, da ich sie nicht kontrollieren kann. Ich muss versuchen, die Abschnitte so sicher wie möglich zu bewältigen und mich dabei nicht zu verletzen. Ich könnte auch einfach im Sportbecken ein paar Längen schwimmen, mich reizt aber das Wildwasser mehr. Die Isel präsentiert sich zum Beispiel jeden Tag anders — manchmal mit mehr und andere Male mit weniger Wasser. Es kann auch jederzeit eine neue Spülung auftreten.

Worin unterscheiden sich die heimischen Flüsse von denen, die ihr in Slowenien und Italien erlebt habt?
Die fremden Flüsse waren natürlich spannend, da wir die Isel und die Drau in Osttirol nahezu auswendig kennen. Allerdings sind deren Ufer im Lienzer Stadtbereich nahezu komplett verbaut, vor allem die Isel. In Slowenien sind wir in den Flüssen Soča und Koritnica geschwommen, da war das eigentlich nie der Fall. Ansonsten gibt es nicht allzu viele Unterschiede. In Italien besuchten wir das Adriadelta des Isonzo bei Grado. Dabei handelt es sich wieder um ein komplett unterschiedliches Gewässer, das kann man mit den slowenischen oder heimischen Flüssen nicht vergleichen. Von der Strömung spürt man dort nicht mehr viel.

Immer dabei: Die Action-Cam! Das Ergebnis der nassen Dreharbeiten kann man am 18. März im CineX bewundern.

Warum dann der Abstecher nach Italien?
Hauptsächlich für die Story.

Habt ihr bei den Dreharbeiten andere Schwimmer oder Kajakfahrer getroffen?
In Slowenien tauchten während den Filmarbeiten ein paar Kajakfahrer aus Deutschland auf, von denen wir einige aus misslichen Lagen befreien mussten, da sie noch die eine oder andere Schwierigkeit im Wasser hatten (lacht). Einmal ist auch die Innsbrucker Wasserrettung mit Booten an uns vorbeigefahren, das war auch in Slowenien.

Gibt es bei den „Seekers“ bereits neue Ideen oder Konzepte? Welche Länder stehen als nächstes auf eurer Liste?
Wir haben uns diesbezüglich bereits besprochen, heuer werden wir filmtechnisch pausieren. Das eine oder andere Kurzvideo könnte aber dennoch entstehen, mehr wird sich jedoch nicht ausgehen. Momentan freuen wir uns einfach auf die Premiere, die einen enorm wichtigen Meilenstein für uns darstellt. Kevin wird leider aufgrund eines Auslandeinsatzes mit der Bundeswehr nicht dabei sein können. Für nächstes Jahr sind derzeit Schweden und Korsika im Gespräch. Auch in Frankreich soll es gutes Wildwasser geben. Darüber werden wir uns aber noch genauer unterhalten, zumal auch die Logistik eine entscheidende Rolle in der Auswahl darstellt. In Slowenien war das nicht wirklich ein Thema, da die Entfernung nicht groß war.

In welchem Fluss möchtest du unbedingt einmal das Wildwasser erleben?
Die Soča hat die Messlatte ordentlich angehoben. Für mich klingt aber der Grand Canyon, wo es imposante Stromschnellen geben soll, sehr interessant.


Die Seekers freuen sich auf viele Premierengäste am Samstag, 18. März 2017 um 19.00 Uhr im CineX Lienz. Der Eintritt ist frei. Um Voranmeldung per Mail unter team@seekers.at wird ersucht!

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1 Posting bisher
Zuckerpuppe vor 8 Monaten

Hammermässig - werde mir das sicher anschaun! Viel Glück bei euren Unternehmungen und xund bleiben.