„Ich freue mich jedes Mal, nach Hause zu kommen.“

Lisa Wilhelmer aus Nußdorf studiert Logopädie, Phoniatrie und Audiologie in Wien.

Mein Sommerjob im Jahr 2016 bei der TAL in Kienburg war nicht nur eine Bereicherung für meine Allgemeinbildung und nebenbei natürlich für mein Sparschwein, ebenso lernte ich eine mittlerweile sehr gute Freundin und auch Urgroßcousine von mir kennen: Lisa-Maria Wilhelmer ist 21 Jahre alt und kommt aus Nußdorf. Sie studiert Logopädie, Phoniatrie und Audiologie auf der FH Campus Wien. Wir haben uns an einem Wochenende in Wien wieder einmal getroffen, um Neuigkeiten und Studienerfahrungen bei ein paar Drinks auszutauschen.

Sprache, Stimme, Sprechen, Schlucken und Hören sind die Grundlagen der menschlichen Kommunikation und genau mit diesen Parametern befasst sich das Studium. Die Aufgabe von Logopäden und Logopädinnen ist unter anderem die eigenverantwortliche Berufsbehandlung. Dazu gehört Störungen im verbalen und nonverbalen Bereich zu korrigieren, sowie sogenannte „Primitivmaßnahmen“ zu setzen, wie zum Beispiel simple Beratungsgespräche mit Menschen aus allen Altersgruppen. Angehende Logopäden müssen eine gute Stimme und ein ausgeprägtes Gehör haben. Das ist wichtig, um Fehler in der Stimme, Atmung und so weiter feststellen zu können.

Lisa Maria Wilhelmer, gezeichnet von Linda Steiner.

„Mein Studium dauert drei Jahre lang. Es ist sehr praxisbezogen, unerwartet vielfältig und hauptsächlich im Gesundheitssektor angesiedelt“. Besonders gefällt Lisa Maria an ihrem Studium, dass sie in einer sehr kleinen Klasse ist. Pro Semester werden nur 22 Leute aufgenommen. Da kennt jeder jeden und die Klassengemeinschaft ist sehr gut. Zuerst studierte Lisa an der Uni in Wien. An der FH läuft alles persönlicher ab, was sie sehr schätzt. Als weiteren großen Vorteil sieht sie auch, dass der Stundenplan schon im Vorhinein eingeteilt wird. Grundsätzlich ist sie jeden Tag von früh morgens bis abends an der FH.

„Das Aufnahmeverfahren für das Studium war nicht leicht, da ich zwischen den vielen Bewerbern hervorstechen musste.“ Zuerst gab es einen schriftlichen Test – dieser umfasst die Englischkenntnisse des Bewerbers sowie Rechtschreibung, Leseverständnis und Logik. Im Anschluss gab es auch einen praktischen Teil: Lisa wurde in einen Raum geholt und musste einen Text vorlesen. Die Jury überprüfte Sprachfehler, hauptsächlich S-Fehler, der BewerberInnen. Interessant für die Nußdorferin: Viele Menschen haben S-Fehler, ohne überhaupt davon zu wissen! Zusätzlich gab es noch einen Hörtest für Phoniatrie, einen Stimmtest und abschließend ein Bewerbungsgespräch.

„Für Wien habe ich mich entschieden, weil ich auf jeden Fall aus Osttirol raus wollte. Innsbruck und Klagenfurt waren mir noch zu nahe und Salzburg und Linz kamen nie in Frage. Wien hat das Rennen gegen Graz entschieden, weil mir das Studium sehr gut einleuchtete.“

Der Abschied aus Osttirol war jedoch auf keinen Fall leicht. Lisa hat einen sehr starken Bezug zu den Bergen, den Menschen und der Mentalität in Osttirol. „Die ersten paar Wochen in Wien fühlte ich mich sehr verloren, weil zuerst alles sehr unpersönlich und groß erscheint. Doch es war für mich nicht schwer, Anschluss zu finden, weil mein Bruder auch hier wohnt.“ Zudem lebte die 21-Jährige zuerst in einem Studentenwohnheim, in dem sie schnell Anschluss fand und durch die kleine Gruppe im Studium war es ebenfalls leicht, Freunde zu gewinnen.

„Ich freue mich aber jedes Mal wieder nach Hause zu kommen – ich freu mich auf meine Familie, die mich immer mit offenen Armen empfängt, meine Freunde und natürlich auch auf die Proben mit der Eisenbahner Stadtkapelle Lienz.“ Lisa ist ein aktives Mitglied bei dieser Musikkapelle und legt jedem nahe, am 22. April das Frühjahrskonzert in Lienz zu besuchen!

Auf die Frage, ob sie sich vorstellen kann, wieder nach Osttirol zurückzukehren, ist die Antwort eindeutig: „Ja! Osttirol ist für mich das schönste Fleckerl der Erde – das Leben in der Großstadt ist zur Zeit passend und macht mir auch Spaß, aber das Leben auf dem Land hat für mich mehr zu bieten.“

Lisa weiß noch nicht genau, was sie in Zukunft gerne arbeiten möchte, doch ihre Berufschancen sind gut. Von der Selbständigkeit bis zu Jobs in verschiedensten Einrichtungen im Gesundheitswesen kann sie sich mit diesem Studium gut etablieren.


In der Serie „Heimweh?“ porträtieren wir junge Menschen aus Osttirol, die außerhalb des Bezirkes studieren oder eine andere Ausbildung absolvieren. Du studierst oder machst eine andere Ausbildung außerhalb Osttirols? Wir porträtieren dich! Schicke uns ein paar Zeilen über dich an redaktion@dolomitenstadt.at und eine(r) unserer jungen Redakteure bzw. Redakteurinnen wird sich melden.

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