Virger Opferwidder bleibt nach Verlosung in Obermauern

Gast zog das große Los und verkaufte das traditionell „geopferte“ Tier.

Die Virgentaler Opferwidder-Prozession ist ein besonderer Brauch, der alljährlich eine Woche nach Ostern in Virgen zelebriert wird und auf ein „Verlöbnis“ aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht. Mit einem prächtig geschmückten weißen Widder pilgerten die Virgentaler Gläubigen am 22. April zur Wallfahrtskirche Maria Schnee. Johann Oberwalder, der diesjährige Widderhalter, führte das Tier nach altem Ritual dreimal um den Hochaltar.

Im Anschluss an den Dankgottesdienst fand auf dem Kirchplatz die Verlosung statt. Organisator der diesjährigen Veranstaltung war die Fraktion Mitteldorf. Glücklicher Gewinner des Opfertieres war ein Feriengast, dem letztlich Bares blieb. Ingrid Berger aus Obermauern kaufte ihm den Steinschafwidder ab, vermutlich zur Freude des Tieres. Es steht nun nämlich gemeinsam mit Artgenossen in einem Stall in Obermauern.

Erst wurde er „geopfert“, dann verlost und schließlich verkauft. Jetzt gehört der Virger Opferwidder Ingrid Berger aus Obermauern. Ihren Enkeln Matthias und Christoph Moosmair gefällt das. Foto: Sandra Moosmair

Der Volksmund schreibt den Virger Opferwidder-Brauch einem Gelübde aus dem 17. Jahrhundert zu. Damals wütete laut Überlieferung in der Region eine verheerende Pestepidemie. Die Virger und Prägratener wandten sich in ihrer Not an Gott persönlich. Sie versprachen eine jährliche Prozession mit einem weißen Widder nach Lavant, wenn die Seuche besiegt werden könne.

Ähnliche Traditionen in anderen Orten des Alpenraumes verschwanden im Laufe der Zeit, doch der Virger Opferwidder überlebte die Jahrhunderte und marschiert Jahr für Jahr, festlich aufgeputzt an der Seite der Gläubigen. Seit 1920 wird der „Lauantwidder“, wie er umgangssprachlich noch immer bezeichnet wird, nicht mehr nach Lavant, sondern nach Obermauern geführt. Wurde das Tier in früherer Zeit nach der Messe versteigert, so findet man heute per Los den künftigen Besitzer. Der Gewinner darf den Widder behalten oder – wie im heurigen Jahr geschehen – weiterverkaufen.

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hoerzuOT

BRAVO, Frau Berger! Das ist echte Tierliebe!