„Mir war nicht klar, wie viel Spaß das Unterrichten macht.“

Daniela Wolsegger aus Matrei studiert Englisch und Religion auf Lehramt in Innsbruck.

Auf die Frage, ob sie schon immer Lehrerin werden wollte, muss Dani lachen: „Nein, ich wollte eigentlich immer Sängerin werden“, erzählt sie mir. Das kann ich mir gut vorstellen – wer die Matreierin nämlich schon einmal singen gehört hat, weiß, dass dieser Berufswunsch nicht aus der Luft gegriffen ist. Trotzdem hat sie sich, als es ernst wurde, für einen anderen Berufsweg entschieden: Sie studiert gerade im zweiten Semester Englisch und Religion auf Lehramt in Innsbruck. Sekundarstufe – das bedeutet, sie kann sich später aussuchen, ob sie an einer Neuen Mittelschule, Unterstufe Gymnasium oder Oberstufe unterrichten will.

Die Musik kann sie sich dennoch nicht aus ihrem Alltag wegdenken und so kam es, dass sie eigentlich Musiklehrerin werden wollte. „Da hat es aber leider mit der Aufnahme am Konservatorium nicht geklappt. Dann habe ich gehört, dass es ohnehin sehr viele Musikschullehrer gibt und die Berufsaussichten deshalb nicht so toll sind – eine Bekannte empfahl mir dann Religion, und so kam das als Zweitfach zu Englisch dazu“, verrät sie.

Danis zweite große Leidenschaft neben der Musik sind Sprachen. Kein Wunder also, dass sie an ihrem Studium besonders das Fach Englisch liebt. „Die Sprachwissenschaften interessieren mich sehr – besonders wie sich einzelne Sprachen im Lauf der Geschichte entwickeln und verändern fasziniert mich einfach.“ Dani ist sich sicher: „Englisch ist genau das Richtige für mich.“ Nicht ganz den selben Enthusiasmus brachte sie anfangs ihrem zweiten Fach Religion entgegen, nun weiß sie aber vor allem die Vielschichtigkeit dieses Studiengangs zu schätzen.

Daniela Wolsegger, gezeichnet von Linda Steiner.

Ihre Liebe zum Unterrichten entdeckte Dani nachdem sie das BORG in Lienz abgeschlossen hatte und anfing, sich mit Nachhilfestunden etwas Geld zu verdienen. „Vorher war mir eigentlich gar nicht klar, wie viel Spaß das macht“, erzählt sie. Ein Praktikum, das sie in diesem Jahr am Lienzer Gymnasium absolvierte, bestärkte die 19-Jährige noch weiter in ihrer Studienwahl. Hier beobachtete sie Unterrichtsstunden, bereitete selbst welche vor und erlebte eine kleine Überraschung: „Eigentlich wollte ich ja nie in einer Unterstufe unterrichten.“ Dann entdeckte sie allerdings zu ihrer eigenen Verwunderung, wie sehr sie auch jüngere Schüler begeistern kann. „Die Idee kam von meinem begleitenden Lehrer: Er schlug mir vor, doch einfach meine Gitarre mitzubringen und mit den Schülern zu singen.“ Die Idee funktionierte, die Klasse war begeistert und auch Dani selbst war hocherfreut. „So bleibt mir die Musik eben doch erhalten.“

Nach Innsbruck verschlug es die Matreierin, weil sie die Landeshauptstadt schon vorher oft besuchte und es ihr dort gefiel. „Es ist zwar schon eine größere Stadt, aber trotzdem übersichtlich. Außerdem studiert auch mein Freund dort.“ Was Dani an Innsbruck mag? Ein Teil der Antwort überrascht mich nicht sonderlich, denn gefühlt alle Heimweh-Studenten wissen an ihren Leben in der Stadt eines zu schätzen: Die besseren Öffentlichen Verkehrsmittel. „Außerdem ist in Innsbruck einfach mehr los und man ist viel flexibler.“

Doch auch zu Osttirol hat Dani noch eine starke Verbindung: „Ich komme eigentlich so gut wie jedes Wochenende nach Hause, weil ich hier Nachhilfeschüler habe und auch ab und zu am WIFI unterrichte.“ Außerdem singt Dani in einer Band – die Time Invaders, wir stellten sie bereits vor – und jedes Wochenende wird fleißig geprobt. „Natürlich will ich auch meine Familie und Freunde sehen und mein Auto vermisse ich unter der Woche auch ein bisschen.“ Und dann gefällt ihr auch eine gewisse Sorglosigkeit und die Ruhe, die ihren Besuchen in Osttirol innewohnt.

Dani kann sich auch gut vorstellen, wieder nach Osttirol zurückzukehren. „Vielleicht nicht sofort – wenn ich in Innsbruck etwa eine Stelle als Oberstufenlehrerin bekäme, bliebe ich erst mal dort.“ Auf lange Sicht will Dani aber wieder zurück. „So sehr ich Innsbruck auch liebe, aber auf Dauer wär mir die Stadt einfach zu hektisch.“


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