Yvonne Steurer, Margarethe Oberdorfer, Regina Mayr, Roswitha Selinger, Susanne Resl und Eva Meissl fiebern der Premiere am Pfingstsonntag im Kulturhaus sinnron in Dölsach entgegen. Foto: Dolomitenstadt/Ebner

Yvonne Steurer, Margarethe Oberdorfer, Regina Mayr, Roswitha Selinger, Susanne Resl und Eva Meissl fiebern der Premiere am Pfingstsonntag im Kulturhaus sinnron in Dölsach entgegen. Foto: Dolomitenstadt/Ebner

Sechs Frauen streuen Rosen für Emerenzia Pichler

Zum 50. Todestag von Fanny Wibmer-Pedit wird ihr Roman „Die Pfaffin“ zum Bühnenstück.

Fanny-Wibmer Pedit, die als eine der wichtigsten Volksschriftstellerinnen Österreichs gilt, hat mehr als die Hälfte ihres Lebens in Osttirol verbracht. Die geborene Innsbruckerin schrieb über 40 Bücher und unzählige Zeitungsartikel, Geschichten und Theaterstücke. Sie forschte zeitlebens in heimatkundlichen Archiven und sammelte altes Sprachgut, Sagen und historische Portraits aus Tirol. Sie wurde zur Ehrenbürgerin der Stadt Lienz und erhielt das Verdienstkreuz des Landes Tirol. Auch eine Straße in Lienz trägt ihren Namen.

Der Todestag von Fanny Wibmer-Pedit jährt sich heuer zum 50. Mal. Foto: Nachlass Fanny Wibmer-Pedit

Die Pfaffin, eines ihrer bekanntesten Werke, erzählt eine wahre Geschichte aus Osttirol. Es ist jene von Emerenzia Pichler, die am 25. September 1680 als Perloger Hexe in Lienz hingerichtet wurde. Einen Tag später wurden auf dem gleichen Platz auch zwei ihrer Kinder, der 14-jährige Michael und die zwölfjährige Anna enthauptet. Ihre Mutter und ihr neunjähriger Sohn Sebastian waren zu dem Zeitpunkt bereits im Verlies von Schloss Bruck verstorben. Ihre sechsjährige Tochter Maria musste die Hinrichtungen ansehen, wurde aber „nur“ mit Rutenstreichen bestraft. Der Fall ging in die Geschichtsbücher ein, denn die Prozessakten zu der Verhaftung von Emerenzia Pichler am 5. Jänner 1679 am Perloger Hof in Oberlienz, den über 60 Verhören, bei denen Folter „Klarheit“ verschaffen sollte, ihrer fast 10 Monate langen Inhaftierung auf Schloss Bruck und ihrer Verurteilung zum Tod sind vollständig erhalten.

Angeklagt wurde sie hauptsächlich der Hexerei. Emerenzia Pichler war allerdings höchstens eine „Kräuterhexe“. Sie war eine gebildete Frau, die lesen und schreiben konnte und Latein verstand, weil sie im Widum von St. Veit in Defereggen, wo bereits ihre Mutter als Pfaffin arbeitete, aufgewachsen war. Nachdem ihr erster Mann sie noch während ihrer Schwangerschaft verlassen hatte, verlor sie ihren Posten im Widum in Leisach und war gezwungen mit ihrem zweiten, mittellosen Mann, ihrer Mutter und ihren Kindern fast zwei Jahrzehnte ein Vagabundenleben zu führen. Sie verdienten sich ihren Lebensunterhalt u. a. auch mit dem Mischen und Verabreichen von Heilmitteln. In diesem Zusammenhang wurde ihr Name in einem großen Hexenprozess gegen die sogenannte Blutgenossenschaft des Zauberjackl in Salzburg erwähnt und die „Maschinerie des Rechtes“, wie man es im Großen Stadtbuch von Lienz nachlesen kann, begann zu arbeiten.

Sie sind die Gruppe FrauenART und streuen unter der Regie von Margarethe Oberdorfer (Bildmitte) Emerenzia Pichler Rosen. Fotos: Elke Resl.

Nun streuen sechs Frauen aus Osttirol Emerenzia Pichler Rosen. Roswitha Selinger, Yvonne Steurer, Regina Mayr, Margarethe Oberdorfer, Eva Meissl und Susanne Resl, die Mitglieder der 2015 gegründeten Gruppe FrauenART, nahmen sich dieser schwierigen Geschichte an und werden sie vom 4. bis zum 12. Juni im Kulturhaus sinnron mit dem Theaterstück Rosen für Emerenzia – Sechs Frauen und ein Monochord auf die Bühne bringen. Diese Bühne wird gerade vom Bruder von Margarethe Oberdorfer gebaut und passt damit perfekt zu dem Stück, an dem alles von den Frauen selbst entwickelt und inszeniert wurde. Roswitha Selinger ist als Regisseurin zwar das Herz und der Motor hinter diesem „Abenteuer“, wie sie es unisono nennen, doch jede von den fünf Laienschauspielerinnen brachte sich auf ihre ganz persönliche Art ein und schrieb mit ihrem Part an dieser szenischen Erzählung mit.

In fünf szenischen Bildern spielen sie alle jeweils einmal Emerenzia Pichler und übernehmen in den anderen Szenen die Rollen der Gesellschaft. „Olle sein olle, oba mir san a mir“, sagt Susanne Resl, eine gebürtige Oberösterreicherin, und bringt es damit auf den Punkt. In dem Stück wird nicht angeklagt, obwohl man in dieser Geschichte viele anklagen könnte. Es werden vielmehr Frauen portraitiert – Emerenzia und die sechs, die sie und sich selbst darstellen. „Es hat schon viel Mut gebraucht, auf die Bühne zu gehen“, meint Eva Meissl, die zweite Oberösterreicherin in der kreativen Runde. „Wir wollten ja eigentlich nur etwas für uns machen. Wir haben uns getroffen, erzählt, gegessen und dann irgendwann geprobt“, ergänzt Roswitha Selinger und lacht. Die sechs verstehen sich, das sieht man! „Unsere Zusammenarbeit ist ein richtig gutes Beispiel für ein soziokratisches Projekt“, meint Margarethe Oberdorfer. „Wir haben uns darin ergänzt und akzeptiert.“ Und gemeinsam scheinen sie etwas Großartiges geschaffen zu haben, in dem sich jede von ihnen individuell einbringen konnte.

Neben den sechs Frauen spielt auch ein Instrument eine Hauptrolle: das selbst gebaute Monochord von Eva Meissl (2.v.l.).

So wurde das Zeitkolorit zwar mit Hilfe von Historikern, aber auch dem großen vernetzten Wissen von Regina Mayr erforscht. Die Kaligraphie und Malerei von Yvonne Steurer floss in das Bühnenbild ein. Klang- und Musikinstrumente unterstützen und vernetzen die Handlung, wobei das selbstgebaute Monochord von Eva Meissl die Schwingung des Stückes maßgeblich vertonen wird. Die Kunstsprache und die eindringliche Sprachmelodie von Fanny Wibmer-Pedit wurde weitgehend beibehalten, doch die unterschiedlichen Dialektfärbungen der Schauspielerinnen, wie z. B. jene von Susanne Resl, darf man ruhig hören. Und die Themen des Stückes, wie Vorurteile und ungerechte Verurteilungen sind immer noch aktuell. Keine kann das besser nachempfinden als Margarethe Oberdorfer, die in ihrem Haus, in dem geprobt wurde und in dem die Aufführung stattfinden wird, auch fünf Flüchtlingsfamilien beherbergt.

Doch viel mehr wollen wir jetzt nicht verraten. Wichtig ist nur noch zu wissen, dass Karten im Vorverkauf in der Trafik Helmut Semrajc beim Kino erhältlich sind. Allzu viele Plätze gibt es nämlich nicht im Kulturhaus sinnron in Görtschach 22, an der B100 nach Kärnten. Und das Stück ist sicher nicht nur sehenswert, sondern sehr spannend und berührend.

Aufführungstermine Kulturhaus sinnron, Dölsach:
Pfingstsonntag, 4. Juni
Pfingstmontag, 5. Juni
Dienstag, 6. Juni
Sonntag, 11. Juni
Montag, 12.Juni

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