Anhaltende Dürre macht Osttirols Landwirten zu schaffen

Ein nachdenklicher Blick auf die Niederschlagsmengen der letzten Monate.

Über heiße Badetage und laue Sommerabende freuen sich viele Gäste und Einheimische, aber für die Osttiroler Bauern sieht „gutes Wetter“ anders aus. Am 6. November 2016 hat es im Bezirk zum letzten Mal flächendeckend geschneit und geregnet. „Die einzelnen lokalen Regenfälle danach waren nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Reinhard Prugger von Meteo Experts.

Laut Prugger sind auf der Schleinitz  gewöhnlich bis Mitte Juli zumindet ein paar Schneeflecken zu sehen. Warum es dieses Jahr nicht so ist, erklärt ein Blick auf die Niederschlagsübersicht der letzten Monate:

Schon im November wurden nur die Hälfte des durchschnittlichen Niederschlags verzeichnet, trotz flächendeckendem Regen in der ersten Novemberwoche. Im gesamten Dezember fielen gerade einmal ein Liter Wasser bzw. ein Zentimeter Schnee, das sind nur zwei Prozent des normalen Wertes, im Jänner waren es magere neun Prozent. Der Februar lag mit 29 Litern im Durchschnitt, im März fiel ein Drittel des üblichen Niederschlags. Der April lag im Schnitt, der Mai mit 20 Litern bei lediglich einem Viertel des üblichen Niederschlags. Im Juni fielen pro Quadratmeter bisher lediglich sechs Liter Regenwasser in Osttirol.

Manche natürliche Tränke auf Osttirols Almen ist bereits ausgetrocknet.

Der gesamte Bezirk Lienz ist von der Trockenheit betroffen, besonders aber der Süden. Zum geringen Niederschlag kommen noch mangelnde Wasserreserven durch den schneearmen Winter, zusätzlich steigt die Wasserverdunstung wegen der andauernden Hitze.

Weder Vieh noch Wanderer können an solchen Wasserstellen ihren Durst stillen.

Nach zwei sehr guten Heuerntejahren fuhren die heimischen Landwirte bisher meist nur die Hälfte, manche sogar nur 20 Prozent der normalen Heumenge ein. Auf den Weiden und Almen müssen sich die Tiere dieses Jahr mit einem spärlichen Futterangebot zufrieden geben. Mancher Wassertrog ist dort immer noch leer.

Immer häufiger wird das Weidevieh aus Wassertanks getränkt. Fotos: Dolomitenstadt/Gander
Wenn die Wiesen vertrocknen, werden auch die Kühe auf der Weide bald verschwunden sein.

Kostspielige Bewässerungsmaßnahmen auf Feldern, Wassertanks auf Weiden und Almen mögen heute noch erstaunen. Aber laut einer Klimastudie der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik), an welcher der Lienzer Talboden als Pilotregion teilnahm, wird man sich in Zukunft an längere Trockenperioden gewöhnen müssen. Auch Hitzetage mit über 30°C wird es öfter geben, dafür noch weniger Schnee im Winter.

„Wir hoffen auf ertragreichere Folgeschnitte und im Herbst werden wir dann wissen, wie die Futtermittelernte 2017 ausgefallen ist,“ so Stefan Glantschnig von der Bezirkslandwirtschaftskammer Lienz. Aber ob es finanzielle Unterstützung wie nach dem Dürrejahr 2013 geben wird, ist selbst bei großen Ernteeinbußen fraglich. Inzwischen hat die Hagelversicherung nämlich reagiert und die Landwirte können sich nun auch gegen Dürre versichern lassen. So wird sich wohl im Herbst mancher Bauer in Osttirol von einigen seiner Rinder trennen müssen.

Mittlerweile ist die Trockenheit auch sichtbar. Die Bergwiesen werden braun.
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3 Postings bisher
multi 1 vor 3 Monaten

Darf ich fragen wo das Wasser am Golfplatz herkommt ,der Platz muss grün sein für unsere Gäste

    karli8 vor 3 Monaten

    Ohne genaue Infos zu haben, aber es sind in unmittelbarer Nähe Grundwasserseen, also dürfte der Grundwasserspiegel nicht sehr tief sein und man könnte das nutzen. Alternativ würde auch die Drau daneben vorbeifließen.

      F_Z vor 3 Monaten

      genauere Infos: https://www.google.at/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjjrOeC7dPUAhUMaFAKHeRfD9YQFgg7MAA&url=https%3A%2F%2Fportal.tirol.gv.at%2FwisSrvPublic%2Fwis%2Fwbo_wb_auszug_pdf.aspx%3FATTR%3DY%26TREE%3DY%26PICTURE%3DY%26ANL_ID%3DT20725314R3&usg=AFQjCNF-ipkKx6HHateARcLgqXKDdcdVcA