TVBO-Theater geht hinter den Kulissen weiter

Gerangel um Kooptierung von Bürgermeister Andreas Köll und alte Sitzungsprotokolle.

Vor der Wahl ist nach der Wahl – dieser Kalauer aus der Politik gilt offenbar auch für den TVB Osttirol, der über weite Strecken nicht wie eine Interessens- und Werbegemeinschaft zur Förderung des Osttiroler Tourismus auftritt, sondern wie ein zerstrittenes Provinzparlament. Diesen Eindruck hinterließ nicht nur die Wahl des Vorstandes und Aufsichtsrates am 18. Dezember 2017.

Bei diesem Urnengang musste die Gruppierung rund um Langzeitobmann Franz Theurl in allen drei Stimmgruppen zwar eine Niederlage hinnehmen. Doch zwei Bürgermeister – Anton Steiner aus Prägraten und Matthias Scherer aus Obertilliach – die als Vertreter der Osttiroler Gemeinden im Kontrollgremium sitzen, sorgten mit ihren Stimmen für die Weiterführung der alten Machtverhältnisse. Alle drei Vorstandssitze und der Vorsitz im Aufsichtsrat gingen an Theurls Liste. Die Opposition ging leer aus.

Sie sind offenbar die Königsmacher und Geheimnis-Ausplauderer im TVBO: Die Bürgermeister Matthias Scherer (links) und Anton Steiner.

Zunächst außen vor blieb lediglich ein Langzeit-Mitglied im TVBO-Vorstand: der Matreier Bürgermeister Andreas Köll, über viele Jahrzehnte der eigentlich starke Mann im Verband. Köll war als einer von zwei Geschäftsführern der Matreier Bergbahnen bei der Kandidatenaufstellung nicht zum Zug gekommen und ficht deshalb die Wahl an. Offenbar soll ihm nun unabhängig vom Votum im Lienzer Stadtsaal durch die Hintertür in jedem Fall ein Vorstandssessel eingeräumt werden, wenn auch nur als sogenanntes „kooptiertes Mitglied“ für die Osttiroler Nationalparkregion. Ob dieser Sitz an den Matreier bereits vergeben ist oder nicht, ist hinter den Kulissen Gegenstand von Streitereien zwischen der Theurl-Liste und den gemeinsam agierenden Oppositionsgruppen, die vom Liftunternehmer Heinz Schultz und vom Kalser Tourismusexperten Martin Gratz angeführt werden.

Sie haben zwar die Wahl verloren, könnten aber demnächst geschlossen im Vorstand des TVB Osttirol sitzen. Von links: Werner Frömel, Franz Theurl, Andreas Köll und Anton Tschurtschentaler. Foto: Expa/Groder

Während die Bürgermeister Steiner und Scherer gegenüber der Kleinen Zeitung betonen, sie hätten bereits Sitzungsprotokolle gesehen, in denen Köll und der Hotelier Anton Tschurtschentaler als kooptierte Vorstandsmitglieder bestätigt werden, dementieren dies Franz Theurl und seine Vorstandskollegen Werner Frömel und Thomas Winkler. Generell entbrannte zum Thema Protokolle ein Streit zwischen den „Parteien“ im Aufsichtsrat des Osttiroler Tourismusverbandes.

Heinz Schultz hatte im Vorfeld der ersten regulären Sitzung nach der Wahl vom Geschäftsführer des Verbandes die Sitzungsprotokolle der letzten zwei Jahre angefordert, außerdem die Protokolle der Vorstandssitzungen, um „Doppelgleisigkeiten zu vermeiden“ und sich in die Thematik einzulesen. TVBO-Geschäftsführer Trauner verweigerte Schultz diesen Dienst, verwies ihn an Obmann Theurl und führte als Begründung den Datenschutz an. Nun muss – einmal mehr – die Tourismusabteilung des Landes abklären, ob neuen Aufsichtsratsmitgliedern die Protokolle alter Sitzungen zugänglich gemacht werden müssen.

Sie bleiben auch nach der Wahl im Aufsichtsrat des TVBO unbequem. Von links: Peter Wibmer, Heinz Schultz und Martin Gratz. Foto: Expa/Groder

Auch wenn es zum Ablauf der Vorgänge im Vorstand und Aufsichtsrat unterschiedliche Versionen der Beteiligten gibt – eines ist sicher: Die Gräben im TVB Osttirol sind tief und für manchen Beobachter unüberwindlich. Der Ruf nach Moderation bzw. nach einem Einschreiten durch die Tourismusabteilung des Landes wird laut. Doch bevor Anfang März strittige Fragen und diverse Wahlanfechtungen geklärt werden, wird auf einer größeren Bühne eine andere Wahl geschlagen: jene zum Tiroler Landtag. Ein Ordnungsruf aus Innsbruck ist erst nach diesem Urnengang zu erwarten.

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

21 Postings bisher
leiWEITERso

Mich langweilt die ewige Diskussion über Franz und seinen Werner… das wissen wir alle schon seit zumindest einem Jahrzehnt und haben beide bewiesen, dass sie es nicht können… die Zeit ist ihnen davongelaufen und viele Regionen rundherum haben im besonderen Lienz touristisch überholt. Weitere fünf Jahre Franz und Werner können wir uns nicht mehr leisten, das „Franz-Wernerle“ Gespann ist wohl nur in einer Faschingssitzung „narrisch guat“. Wo mir aber das Verständnis fehlt, ist das Verhalten der jungen Generation, wären sie doch die (einzige) Hoffnung für eine Veränderung gewesen. Der „Kronprinz“ und seine „Prinzessinnen“ wurden lediglich als Steigbügelhalter gebraucht, der Weg zum Stallburschen und zu nützlichen Helferlein um diesen Misthaufen aufzuarbeiten ist dann auch schon nicht mehr weit. Wenn man die lachenden Gesichter der „Jungen“ auf dem Foto sieht, stellt sich für mich die Frage, wer hier wohl zuletzt lachen wird. So wie die Entwicklung ausschaut wird hier niemand lachen. Der Osttiroler Tourismus wird Gott sei Dank über die Grenzen hinaus lange nicht so wahrgenommen wie so mancher Osttiroler hinter seinen sieben Bergen meint, ansonsten wäre Fremdschämen angesagt, einfach nur peinlich. Die Terrassen-Skilauf Kampagne macht es deutlich: Ein naiver, unprofessioneller Ablenkungsversuch - unter Beteiligung der „innovativen Jungen“ - von den wahren Problemen. Osttirol de luxe = Peinlichkeit de luxe

    EsReichtJetztEndgueltig

    Aua, tut weh! Sehr weh!

    In Ihrem Kommentar steckt viel Wahres.... Und die Wahrheit tut manchmal weh. Ich unterstütze Sie inhaltlich vollkommen! Danke!

logisch

"Ist der Ruf erst ruiniert, regiert es sich ganz ungeniert!" Bedauerlicherweise glaubte Herr Winkler doch tatsächlich diese Machenschaften von innen heraus reformieren zu können. Diese Herren, liebe Jungunternehmer und Touristiker der Liste Theurl, führten - und führen - euch an der Nase herum. Es liegt an euch die Türen zu öffnen. "Ohne Köpfchen sollte man niemandem die Stirn bieten." (Harald Kriegler)

chiller336

bei all diesen vorwürfen und vermutungen leidet nur einer drunter - nämlich osttirol und sein tourismus .... was denken sich bloß gäste, die von all diesen vorkommnissen wind bekommen .... traurig is sie, diese erbärmliche geschichte

Huettenwirt

Es gilt die Unschuldsvermutung heisst es immer so schön ! Aber dass da etwas faul ist und zum Himmel stinkt, dass dürfte doch so sicher sein wie das Amen im Gebet ! ALLES wird unter den Teppich gekehrt .... JEDER Neugierige wird mit aller Macht draussen vorgelassen, um KEINEN Einblick zu bekommen ! Schulz hat vollkommen recht, wenn er damit droht, die Staatsanwaltschaft einzuschalten !

lienzerin43

Wie man Geld ausgiebt, dass einem nicht gehört, ohne damit etwas weiterzuentwickeln, dafür braucht es Köll im Vorstand nicht. Das hat Theurl und Frömel bis jetzt auch alleine geschafft. Obwohl Köll das in Matrei auch nicht schlecht macht...

    VirgentalerIn

    Liebe Lienzerin! T h e u r l u n d F r ö m e l konnten das bisher im Vorstand gar nicht gut machen, weil einerseits Frömel nicht im Vorstand war und diesem neben Theurl in der letzten Periode Schett für die Ferienregion Pustertal und Köll für die gesamte Nationalparkregion angehörten.

    Köll hat sich dabei nachweislich nicht nur für Matrei, sondern oft auch für das Defereggental eingesetzt, wie BGM Hafele oder AR Passler jederzeit bestätigen werden. Jetzt sind aber „nur“ drei Lienzer im Vorstand und wird auch der Aufsichtsrat von einem Lienzer geführt! Sie werden mir daher auch als „eingefleischteste“ Lienzerin recht geben, dass die anderen drei Regionen – die ja alle wesentlich nächtigungsstärker sind als Lienz – zumindest informell im Vorstand eingebunden sein sollten. Sonst wird sehr rasch der Ruf nach einer Trennung des gemeinsamen Tourismusverbandes Osttirol in die klassischen vier Teilregionen wieder sehr laut werden!

satyr

Hat der Herr Tschurtschentaler die Gäste seines Feriendorfes in Heinfels in den letzten Jahren nicht direkt per Bus zur Talstation des Helmliftes in Winnebach karren lassen. Wer weiß etwas davon ob das noch immer so ist ?

    azzo

    Es fährt sowieso ein stündlicher Bus und ein stündlicher Zug in das wunderbare Skigebiet am Helm. Es wäre schon eigenartig, wenn man im vereinten Europa nicht guten Gewissens dort Skifahren dürfte.

Franz Brugger

Was spricht dagen, dass neue AR sich einen Überblick verschaffen?

Alter Schwede

Verstehe die Rechnung von dolo nicht ganz? Sie haben „zwar die Wahl verloren“ und eine „Niederlage in allen drei Stimmgruppen“ erlitten, aber trotzdem „gewonnen“? Ist die Wahl im Verband den nicht 6:4:2 Mandate ausgegangen? Hätte dann im dritten Wahlgang das Los entscheiden müssen, wenn z.B. einer von den 6 im ersten Wahlgang in geheimer Abstimmung zuerst einen von den 4 gewählt hätte? Vorher wäre im zweiten Wahlgang nämlich sicher noch über einen „Kompromisskandidaten“ aus den 6 abgestimmt worden und wenn der sich dann vielleicht selbst gewählt und dann auch noch eine Stimmen von einem aus den 2 erhalten hätte? Wären dann auch die beiden „Königsmacher“ entscheidend gewesen?

Fragen über Fragen und alles höhere Mathematik, aber irrelevant: Spannender ist wohl die Frage oder gar Wette, wie lange der Langzeitobmann jetzt brauchen wird, um den zwischenzeitlich 6. Geschäftsführer „unter ihm“ so zu demotivieren dass er sich bald dem 7. entsprechend „widmen“ kann? Wollen Sie wetten, die Quote steht derzeit 6:1.

    bald

    Der Franz Theurl sitzt das alles aus!

    Wetten, dass es im März und April noch keine „wirksamen“ Kooptierungen und (ein halbes Jahr nach der Wahl!) noch immer keine „wirksamen“ Regionalausschüsse mit Vorsitzenden und damit auch noch keinen „wirksamen“ Marketingbeirat in der Osttirol Werbung geben wird!

    Wetten, dass es im März noch kein „wirksames“ Marketingkonzept für den Sommer 2018(!) gibt und wetten, dass Franz Theurl genau so „wirksam“ weiterzumachen versucht, wie er das in all den Jahren zuvor schon immer getan hat, „weil sich’s wirksam bewährt hat!“

Schoene Dolomiten

Niemand rangelt wegen einem „beratenden“ Köll, aber viele wegen einem, schon wieder als „One Man-Show“ agierenden Theurl: Der hat als einziger nichts aus diesen Wahlen gelernt und möchte - als Obmann - weiterhin ALLEINE auch VORSTAND, AUFSICHTSRAT, GESCHÄFTSFÜHRER, MARKETINGLEITER, OSTTIROL WERBER, INFRASTRUKTURLEITER und überhaupt FÜR ALLES ZUSTÄNDIGER in Personalunion sein!

Und seine sich schon wieder abzeichnende Tendenz, bei diesem Wahlausgang nicht nur alle nominellen Funktionen optisch mit Lienzern zu besetzen, sondern gleichzeitig auch die drei anderen Regionen zu schwächen , in denen der Osttiroler Aufenthaltstourismus vor allem stattfindet, wird vor allem längerfristig unserer schönen Dolomitenstadt massiv schaden: Aber das sieht der MANN FÜR EIN UND ALLES sicher nicht so: Der möchte einfach nur so weitermachen wie bisher!

Manfred

Glaube überhaupt nicht, dass eine mögliche Kooptierung von Köll, Tschurtschentaler und einer Defreggerin oder eines Defreggers „mit beratender Stimme“ in den „Lienzer Vorstand“ ein Problem für Heinz Schultz, Werner Hamacher oder auch Martin Gratz wäre? Dr. Föger hat eine solche Kooptierung übrigens „als Expertise“ und möglichen „Ausweg“ aus den vorliegenden Anfechtungen ja schon länger vorgeschlagen...

Auch für Heinz Schultz wären damit einige Probleme gelöst...Ob Andreas Köll aber deshalb „seine“ Anfechtungen der Wahl zurückzieht und auf noch selten gehaltene Versprechungen eines bekannten Osttirolers vertraut, ist mehr als fraglich?

Auch die beiden Gemeindevertreter im AR wollten offensichtlich nur für entsprechende Transparenz und Ehrlichkeit sorgen, so wie wahrscheinlich auch Heinz Schultz: Warum sollten gewählte Aufsichtsräte denn nicht in Vorstandsprotokolle Einsicht nehmen dürfen oder diese kopiert erhalten? Das ist doch lächerlich! Da haben sich Obmann und Vorstand gleich zu Beginn ihrer Amtsperiode nicht gerade mit Ruhm „bekleckert“! Das Hauptproblem für alle Beteiligten scheint aber ein ganz anderes zu sein, und das trägt nicht den Namen Köll oder Tschurtschentaler.,,

Kilian1990

Wo liegt bitte das Problem? Mitglieder sollen in den Verbandsvorstand kooptiert werden. Ganz normaler im Gesetz vorgesehener Vorgang. Ist glaub ich schon einmal geschehen und da war auch kein Aufschrei. Warum sollen die Hoteliers der Bezirksliste enttäuscht sein? Waren und sind ja nicht ohne Grund auf der Bezirksliste und haben damit Erfahrung und Stabilität gewählt.

    wildauer michael

    Eine Stabilität wurde in den letzten Jahren bereits bewiesen. Aber welche Stabilität, die der regionalen Wertschöpfung oder „diverser Zugeständnisse“? Somit ist es Ansichtssache ob und wo es stabil nach unten oder oben ging.

hoerzuOT

Diejenigen die sich hier aufregen, hätten halt allesamt deutlicher wählen/mobilisieren müssen. Aufregen-im großen Stil wiederwählen-aufregen. Seltsam.

Auch sind die beiden "Bürgermeister-Königsmacher" demokratisch gewählte Vertreter....wahrscheinlich werden auch sie wiedergewählt, dann kann sich wieder jeder aufregen. Schimpfen, schimpfen und nicht in der Lage sein etwas zu ändern---scheint ein Wesensmerkal so mancher Osttiroler sein.

Na Servas

Hat denn jemand der Tourismustreibenden wirklich ernsthaft geglaubt, daß sich Theurl, Frömel & co in ihrem selbstherrlichen "Regieren" ändern? Wer nur ein wenig mit offenen Augen und Ohren die machtbesessenen Spielchen dieser Herren bereits über Jahre und Jahrzehnte beobachtet (hat), für den ist dieses Verhalten nicht überraschend. Jegliches Beteuern von Zusammenarbeit.... und zum Wohle des Osttiroler Tourismus.... und ähnliche Meldungen ist reines Bla - Bla. Es ist einfach nur zum Schämen, wie es bereits ein Bürgermeister klar ausgedrückt hat. Leider wird für diese Machtspiele viel Geld verschwendet, welches von den Tourismusbetrieben eingefordert wird (auch ich zahle mit meinem Unternehmen!) und die Mittelverwendung geschieht oft ohne nachvollziehbare Transparenz. Wenn wir so weitermachen - gute Nacht Osttiroler Tourismus!

Sepele

Das wahre Gesicht dieser Machtmenschen zeigt sich! Wie enttäuscht müssen die Betriebe sein, die diesen altmodischen Egoisten bei der Wahl geholfen haben. Dolomitenhof, Saluti, Traube, Parkhotel, Grandhotel, Gannerwirt usw. ??? Soll so unsere Zukunft aussehen?

Der Graukofler

Anstatt gemeinsam für eine erfolgreiche Zukunft des Tourismus in Osttirol zu arbeiten, gibt es einen unglaublichen Kleinkrieg und der Gewerbetreibende zahlt mit seinen Pflichtbeiträgen diesen Sch....

spitzeFeder

Unglaublich... ?