Ein literarischer Abend im Gemeindeamt von Obervellach.

Ein literarischer Abend im Gemeindeamt von Obervellach.

„Aufbruch“ – Buchpräsentation in Obervellach

40 Kurzgeschichten enthält das zweite Buch des Mölltaler Geschichten Festivals.

„Aufbruch. Man stelle sich vor: eine prähistorische Landschaft, flach, leer, öd. Was übrig geblieben ist von einem längst ausgetrockneten Meer. Plötzlich erbebt diese Ebene, wölbt sich, reißt ein, türmt sich – unablässig geschoben von einem uralten Kontinent, der vom Süden her presst. Berge steigen hoch, zwischen ihnen bricht ein langes, enges Tal auf …“

So beginnt das Vorwort zu dem neu erschienenen Buch „Aufbruch“, das damit den zweiten Zyklus des Mölltaler Geschichten Festivals abschließt. Acht der insgesamt 40 Autoren, deren Geschichten von den 102 Einsendungen für den Kurzgeschichtenwettbewerb ausgesucht wurden, waren im Gemeindeamt Obervellach anwesend und feierten gemeinsam mit den Veranstaltern des jährlichen Literaturfestivals und einigen interessierten Zuhörern in einem kleinen, feinen Rahmen die Präsentation des Buches.

40 ausgewählte Kurzgeschichten aus 102 Einsendungen zum Mölltaler Geschichten Festival enthält das Buch „Aufbruch“.

Wie unterschiedlich jeder einzelne von ihnen das Thema „Aufbruch“ interpretierte, hörte man bereits in den einzelnen Passagen, die sie dem aufmerksamen Publikum vorlasen. „Balthasar Tribusser ist kein Dieb. Der Ansichtskartenständer gehört verhaftet und abgeführt, nicht Tribusser. Der Ansichtskartenständer hat sich ihm in den Weg gestellt, nicht umgekehrt. Schuldig, zumindest teilschuldig ist der Ständer. Nicht der alte Herr“, beginnt etwa die Geschichte von Wolfgang Machreich, dem ehemaligen Außenpolitik-Redakteur der Wochenzeitung „Die Furche“ und Pressesprecher im Europaparlament.

Ganz anders klingt schon der Titel „I can get no satisfaction“ von Gerhard Pleschberger, der seit über vierzig Jahren Lyrik und Prosa schreibt und auch als Poetry-Slammer für kritische Themen bekannt ist. Sein Lyrikband „Ich warte“ wurde im Herbst 2017 publiziert. Auch die aus Wien angereiste Gerlinde Hacker beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den neuen Medien, arbeitet als freie Autorin und bezeichnet sich als „Literaturaktivistin“: „altäre, die alten altäre der weiblichkeit, der erinnerung, der verlorenen und gewonnenen zeit, der huldigung einer selbstverständlichkeit, die, die drohten, unter die räder der zeitenwende zu kommen. zerschunden, zerfurcht, zerlegt zu werden.“

Auch sie sind im zweiten Sammelband des Festivals mit einer Kurzgeschichte vertreten: Wolfgang Machreich, Gerlinde Hacker, Gertraud Patterer, Christa H. Raich, Melitta Fitzer, Anna Tampitsch, Silvia Ebner und Gerhard Pleschberger.

Wer die folgende Passage geschrieben hat, muss in Osttirol nicht gesagt werden. Ihre Sprache ist unverkennbar: „In der Osttiroler Tracht fliege ich mittels Hudewittstauden durch das Frühauftal, über den Frühaufbach und die Plisgnbichel einwärts zu meinem Kirschbaum. Iss Vogelkirschen, die jeden Punsch ausstechen. Wartend auf den nächsten Durst, lege ich das Füttach unter. Mein Kirschbaum, mein Riese, dich heirate ich!“ Für jene, die diese alten Osttiroler Wörter, die Gertraud Patterer in fünf Romanen und 24 Büchern am Leben erhalten hat, nicht mehr verstehen, seien sie hier kurz erklärt. Hudewittstauden sind Schlingpflanzen, Plisgnbichel kann man als Fluren übersetzen, Füttach ist die Schürze.

Und wer nun neugierig auf dieses Buch geworden ist, kann es um 19 Euro im Buchhandel, in allen Gemeindeämtern im Mölltal, im KunstRaum Obervellach, bei ADEG Pichler in Großkirchheim, im Lagerhaus Winklern oder direkt unter info@moelltaler-geschichten-festival oder beim Verlag Anton Pustet bestellen.

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