Ist das Radfahren zur Karlsbader-Hütte verboten?

Ein Schild bei der Dolomitenhütte sorgt für Aufregung. Hier die Hintergründe.

Kein Geringerer als Bergsportikone Tom Gaisbacher trat am 18. Juli eine kleine Lawine in den sozialen Netzen los, als er ein Foto des Gatters bei der Dolomitenhütte postete, auf dem unübersehbar ein Verbotsschild für Radfahrer prangt. „Is des a Witz?“ „Traurig“. „Eh klar, sonst bleiben keine Gäste für den Hauptplatz“. „Das ist selbst für Osttirol ja an Engstirnigkeit schwer zu überbieten.“ So und noch deftiger klangen die Kommentare unter dem Facebook-Eintrag, wobei einige sofort den üblichen Verdächtigen ins Visier nahmen – Franz Theurl, wen sonst? – und andere intuitiv den richtigen Riecher hatten: „Des hängt doch bei uns in Nord-Tirol a überall und interessiert niemanden“.

Schock lass nach! Ein Fahrverbot für Radler zur Karlsbader Hütte! Es wird nicht so heiß gegessen wie gekocht – das ergaben unsere Recherchen.

Dolomitenstadt kontaktierte den Obmann der zuständigen Agrar- bzw. Wegegemeinschaft Franz Klocker, der auf die Frage nach dem Fahrverbot recht stoisch antwortete: „Wieso die Aufregung? Das bestand immer schon.“ Tatsächlich befindet sich der Wegerhalter in einem rechtlichen Dilemma angesichts zunehmender Radlermassen, die – großteils angeschoben von elektrischen Motoren – bis zur Karlsbaderhütte strampeln. Die Frage der Haftung bei Unfällen ist nämlich nicht geklärt.

Diesen Hintergrund erklärt im Dolomitenstadt-Interview auch Dolomitenhütte-Wirtin Scarlett Olesova. Sie zeigt uns ein Schreiben von TVB-Obmann Franz Theurl, in dem er Abhilfe verspricht. Originaltext: „Es geht nun darum, die Weggemeinschaft für allfällige Unfälle und daraus resultierende Forderungen schadlos zu halten. Daher muss eine Regelung nach dem Tiroler Mountainbike-Konzept verhandelt bzw. herbeigeführt werden. Das würde bedeuten, die Strecke zur Karlsbader Hütte ist über den TVBO bzw. das Land versichert und die Weggemeinschaft erhält pro Laufmeter 12 Cent.“ Franz Klocker habe ihm zugesagt, dass kein Biker angezeigt werde, unterstreicht Theurl.

Der angesprochene Landwirt betont, „dass am Berg sicher Platz für alle ist, aber eben bestimmte Spielregeln eingehalten werden müssen.“ Für die Hüttenwirte auf der „Dolo“ und der Karlsbaderhütte und vor allem für hunderte Radler gibt es also Entwarnung, wobei dennoch ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Nicht nur Olesowa hätte sich gewünscht, dass Einheimische und Touristen über diese Sachlage offensiv informiert werden und nicht erst nach einer Riesenaufregung und medialer Berichterstattung sicher sein können, beim Radausflug zur Karlsbader nicht ins Planquadrat zu fahren und eine saftige Geldstrafe auszufassen.

Die rührige Eigentümerin der Dolomitenhütte will über den Tag hinaus denken und sieht sich in ihrer Einschätzung bestätigt: „Es ist schon seit Jahren klar, dass immer mehr Radfahrer kommen und es werden noch mehr werden. Am besten wäre, wenn man eigene Trails bauen würde, abseits der Schafweiden und rechtlich abgesichert. Das funktioniert in Nordtirol und anderswo problemlos, aber hinter dem Tunnel ist alles anders.“

Christian, Jürgen und Volker (von links) zeigen Verständnis für das Fahrverbot, „wenn es einfach zu viele Radfahrer sind, die da hoch wollen“. Sie selbst sind ohnehin bereits am Ziel. Fotos: Roman Wagner
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18 Postings bisher
F_Z

Ich bin da nicht vom Fach, aber ist das nicht auch so, solche Schilder auch aufgestellt werden damit niemand ein Gewohnheitsrecht ersitzen kann? Wenn jemand glaubhaft machen kann das er den Weg seit 30 Jahren mit dem Rad benützt, und das auch nie in Frage gestellt wurde - wie z.B. mit einem Verbotsschild - dann könnte er sich das Gewohnheitsrecht diesen Weg mit dem Rad zu befahren griechtlich feststellen lassen und das im Grundbuch eintragen lassen. Aber wie schon erwähnt - ich bin da nicht vom Fach; wenn sich da wer besser auskennt soll er mich bitte korrigieren

bergfex

Müssen Radfahrer überall fahren? Dann angeben , sie waren dort und dort. Mir begegnete einmal auf dem Weg zur Clarahütte ein Radfahrer auf dem ausgetretenen Kuhsteig. Muss das sein?

    chiller336

    in zeiten von e bikes auch keine kunst ... wäre interessant, ob jene leute auch mit normalen rädern auf jedem weg/in jedem gelände unterwegs wären

hainzer

100 Radler!!! Bei Schönwetter ist und war der Parkplatz auf der Dolomitenhütte immer voll. Es sind massenhaft Wanderer (mit Kindern), Kletterer usw. unterwegs. Bietet der Berg wirklich Platz für alle!? Viele Urlauber fahren gerne "hinter den Tunnel", weil eben nicht alles auf Tourismus und Event aufgebaut ist - und jetzt vielleicht noch einen Trail Park in den Dolomiten!! Na bravo, wir verkaufen echt unsere schöne Heimat. Es gibt ausgewiesene Trailstrecken in Osttirol, reicht das nicht!?

osttiroler-in

Zitat eines *Professional Skier and Mountainguide* auf Facebook: "Ich lebe in Österreich in den Bergen und solange ich nichts kaputt mach, werde ich hier tun und lassen was ich will und nicht was ein veraltetes bescheuertes Gesetz sagt!" ....und genau aufgrund solcher egoistischer Denkweise ist es leider notwendig solche Maßnahmen zu erstellen. Es muss immer noch extremer, noch ausgefallener werden. Hier zählt nur das ICH um dann auf Facebook und Co zu protzen. Es ist sicher genug Platz für Radler und Wanderer in den Bergen, aber eben nur wenn man sich an gewisse Regeln hält. Also liebe Biker, E-biker, Downhillfahrer! Lasst den Wanderern wenigstens die schmalen Waldwege! Es ist nämlich wirklich schade, dass alle rücksichtvollen Biker die Auswirkungen einiger Egoisten zu spüren bekommen. ??‍♂️?‍♀️

    Behu

    Es kann doch nicht sein, dass aufgrund eines "Zitats" eines einzelnen so ein hick hack veranstaltet wird. "Du hast gesagt....deshalb...aber dann....na warte....ect.etc." Kinder in der Sandkiste gehen sozialer miteinander um. Da leiht der eine dem anderen die Schaufel! Die verantwortlichen Herrschaften sollten mal die Augen schließen bis 10 zählen, etwas nachdenken und dann erst handeln! In diese Sinne - friedliches Wochenende ZUSAMMEN!

      osttiroler-in

      Uiuiui. Da fühlt sich wohl jemand persönlich angesprochen. ?Wenn du mit mir mal in der Sandkiste sitzt, leihe ich dir gerne meine Schaufel. Wenn du aber mit einem riesigem Bagger kommst und alle anderen raus müssen, damit du Platz hast, werde ich echt sauer. ?

Tauerngeist

Besser Radfahrer mit oder ohne E-Unterstützung sind auf der Dolomitenstraße unterwegs, als die vielen (und es werden auch hier immer mehr) Autos und Busse die unseren schönen und schützenswerten Lebensraum mit ihren Abgasen verpesten.

    bergfex

    @Tauerngeist, ich hoffe , du hast nie und wirst nie ein anderes Vortbewegungsmittel als deine Füsse benutzen.

hawu

Oje, arme Hütte, da muss der Franz gschwind was machen! Das passiert aber im Lienzer Becken, Franz traut sich aber nicht ins Iseltal, dort herrschen ganz andere Vorschriften....(zwecks Zufahrt zur Hüttenbelieferung) etc.... Der Franz ist jetzt ja in der Rente, komm mal mit Deinem E–Bike ins Mullitztal, dann siehst Du Dein „grenzenloses Osttirol“', Mit freundlichen Grüßen der Hüttenwirt der Lasörlinghütte

    bergfex

    @ hawu, Was willst du uns mit dem Halbsatz sagen?

senf

ja hinter dem tunnel ist alles anders. schon über 15 jahre gibt es vom land tirol in kooperation mit den banken musterverträge und entschädigungsregelungen mit versicherungsschutz für mountenbikerouten, die zwischen den zuständigen tourismusverbänden und erhalter von wald- und almfahrwegen abgeschlossen werden können. der wegerhalter wird weitgehend schadlos gehalten, nicht aber bei verletzung seiner sorgfaltspflicht. dem radwegbetreiber fällt die ausstattungsaufgabe zu (beschilderung, verhaltensregeln, info ...)

wer sich bei im kartendienst bei tiris umsieht, wird der wirtin recht geben. im raum kitzbühel oder in den regionen ober- und unterinntal jede menge an vertraglich geregelten mountainbikerouten. der blick nach osttirol, also ins "radeldorado", so franz theurl, enttäuscht. nur einige wenige offizielle routen. kals, das obere defereggental, das debanttal und virgen sind zu finden. sonst gähnende leere!

in osttirol fährt man also auf privatwegen grossteils illegal und es ist verwunderlich, wie geduldig die wegerhalter dem treiben zusehen. der tvb osttirol hätte nach der fussionierung zum gesamtverein genug zeit gehabt, die dinge klar zu regeln und die routen in einem gesamtpaket zu bewerben. anstelle von routeninfotafeln findet man bei uns fahrverbotstafeln. im "radeldorado osttirol". gute fahrt!

    Tartok

    Lieber "senf"! In diesem Fall liegt das Problem nicht am TVB, sondern vielerorts an den Grundbesitzern. Seitens des TVBs gab es hier schon seit Jahren intensive Bestrebungen (als Grundbesitzer weiß ich das aus erster Hand), ein möglichst breites Spektrum an MTB-Strecken auszuweisen, leider scheiterte (und scheitert) dies hierbei seehr oft an den Grundbesitzern. Dabei liegen die Vorteile doch eindeutig auf der Hand: Entschädigungszahlungen pro Laufmeter und, das eigentliche Hauptargument, eine geklärte Haftungsfrage durch die Versicherung durch das Land. Die Grundbesitzer sollten sich also mal am eigenen Schopf packen und dieser "Basis-Infrastruktur" nicht im Weg stehen.

    Und außerdem sind wir schon derzeit nicht schlecht aufgestellt in Sachen Bikerouten. Vielleicht ist auf der anderen Seite des Tunnels nicht alles so rosarot und auf unserer Seite nicht alles so schwarz, wie viele von uns es immer schildern!

    Es ist natürlich immer der einfachste Weg, auf den Kopf drauf zu hauen, jedoch sollte man auch mal hinter den "Vorhang" blicken.

      senf

      tartok@: bergradeln boomt. da sind wir uns einig. was ich mir wünsche, ist ordnung, damit dieser sport reibungslos zwischen allen beteiligten funktioniert. in den tallagen sind öffentliche radwege durch die strassenverkehrsordnung und widmungen weitgehend und zufriedenstellend geregelt. bei güterwegen, vorwiegend im gebirge happerts, weil es für wegerhalter interessenskonflikte (güterweg, jagd, wanderer, radfahrer, crossfahrer ...) mit grauzonen in der verkehrssicherungspflicht gibt. mit den angesprochenen mountainbikeverträgen des landes tirol ist die ausstattung und widmung einzelner radwegstrecken auf güterwegen gut regelbar, wenn man will und das thema ernst nimmt. in einigen gemeinden hat man sich bemüht, in anderen nicht. während kals und prägraten ein dichtes wegenetz bereits geregelt hat, schaut es im anderen gemeinden osttirols recht mager aus. matreis oder st. veits bergwelt ist demnach radfrei.

      ich halte es auch nicht für sinnvoll, jede nische und ecke osttirols für den radfahrer erreichbar zu machen. daher sollte nach einem gesamtkonzept vorgegangen werden, das auch andere interessen wie den naturschutz, almwirtschaft, jagd oder typische wanderrouten, sicherheit oder interessen der wegerhalter berücksichtigt. wanderwege oder steige sind ebenfalls tabu!

      wenn man osttirol schon als radeldorado vermarkten will, sollte man für den gast und auch den einheimischen ein überschaubares, attraktives angebot schaffen, das er dann auch nutzen kann und er nicht mit verbotstafeln vergraust wird.

      daraus entsteht auch die verpflichtung, die mit einheitlichen schildern ausgewiesenen bikerwege laufend zu warten und aktuelles werbematerial aufzubereiten. das sehe ich als aufgabe des TVB.

RE

Vielleicht hätte es ein Schild mit „Benützen auf eigene Gefahr“ auch getan. Oder noch besser ein schön gestaltetes Schild (mit rechtlich gültigem Text) mit zusätzlich einer Routendarstellung, Fahrzeit und abschließend der Bitte, die Natur sauber zu halten, die Wege nicht zu verlassen udgl.! Dann wäre viel weniger Rauch um NICHTS entstanden! Es wäre vermutlich mit dieser „sensibleren“ Art der Haftungsabsicherung nicht 1 Aufschrei gewesen! Aber manchmal kommt mir vor, der Osttiroler braucht a bissl Wirbel?!

    Erich

    Was würdest du machen wnn du Wegerhalter wärst und zur Haftung herangezogen würdest ???? (obwohl kein Radler eine Haftungsklage einbringen würde sondern nur seine Versicherung und deren Anwälte finden immer einen Schuldigen. lg

      steuerzahler

      Genau das ist das Problem. Die Versicherungen und ihre Anwälte mit ihrer Klagswut. Und die Gerichte spielen mit. Statt dem Radfahrer ( oder anderen ) zu sagen, sie sind selber schuld, wenn sie sich gefährden, wird mit aller Gewalt versucht irgendwem anderen die Schuld zuzuschieben. Wenn jemand etwas Gefährliches unternimmt, muß er wissen, daß das nicht ohne Risiko ist. Tritt dann ein Schaden ein, liegt die Ursache wohl bei ihm. Etwaige Kosten soll gefälligst jeder selber tragen oder versichern. Und die Versicherungen sollen dann eben ihrer Verpflichtung nachkommen und nicht sich nicht mit irgendwelchen haarsträubenden Gesetzeslücken herauswinden.

      senf

      steuerzahler@: diesmal geht deine meinung nicht über eine gh-gefasel hinaus. eigenverantwortung zählt heute nicht viel, deshalb gibt es im zweifelfsfall juristen, die im auftrag von versicherungen oder des geschädigten einen schuldigen suchen. die gesellschaft ist zu egoistisch, als das sie in eigenverantwortlich für eigennutz handelt. ein flotter radfahrer fliegt aus der güterwegkurve, weil ein ast die rasante abfahrt versperrt hat. der grundeigentümer oder wegerhalter soll - nach der haftungsfrage - für sämtliche kosten aufkommen. extrem wirds, falls bleibende schäden aufgrund von "nachgewiesener" unterlassung der sorgfaltspflicht entstanden sind. das straf- und zivilrecht greift, der wegobmann sackt eine vorstrafe ein und darf vielleicht sein lebenlang blechen. so ist das halt einmal im eigennutzigen gesellschaftsdenken. es ist daher verständlich, wenn almfahrwegverantwortliche sich absichern. mit musterverträgen des landes oder durch die wegsperre mittels undurchlässigem gatter. leider scheint das der tvb noch nicht so recht registriert zu haben im radeldorado osttirol. gute fahrt!