Diemling-Abgang: Lienzer Bergbahnen vor Zerreißprobe

Stadt und TVBO kämpfen erbittert um Einfluss. Auch Klaus Hofstätters Job wackelt.

Thomas Diemling lenkt ein großes Unternehmen. Er ist Geschäftsführer der Raiffeisen Genossenschaft Osttirol mit 50 Millionen Euro Umsatz. In einem vergleichsweise kleinen Unternehmen mit einem Zehntel dieses Umsatzes, den Lienzer Bergbahnen, war er drei Jahre lang Vorsitzender des Aufsichtsrates. Diesen Posten legte er am 1. August – mehr oder weniger überraschend – zurück. Über die Hintergründe wird seit Bekanntwerden dieser Tatsache wild spekuliert. Die Dolomitenstadt-Recherche zu diesem Thema kann man auf einen Nenner bringen: Die Stadt Lienz und der TVBO kämpfen erbittert um Einfluss in einem Unternehmen, das beide bereits viel Geld gekostet hat und wohl auch noch kosten wird.

Diese Auseinandersetzung eskalierte am Dienstag, 31. Juli, in den Nachmittagsstunden. Unmittelbar nachdem TVBO-Obmann Franz Theurl einen Ortsausschuss für Lienz präsentierte – de facto eine Parallelstruktur zum Stadtmarketing – trudelten prominente Vertreter beider Bergbahn-Haupteigentümer ein. Die Stadt hält 42 Prozent der Aktien und hat über einen Syndikatsvertrag ein Vetorecht bei allen wichtigen Entscheidungen, der TVBO ist Mehrheitseigentümer mit 51 Prozent. Bei der Sitzung in den Räumen des TVBO sollte die Umwandlung der Lienzer Bergbahnen von einer AG in eine GmbH beschlossen werden. Ein lange gehegter Wunsch der TVB-Spitze. Daraus wurde nichts.

Für den Tourismusverband setzten sich Franz Theurl, Werner Frömel, Karl Jurak, Karl Poppeller und Hansjörg Mattersberger an den Verhandlungstisch, für die Stadt war der gesamte Stadtrat anwesend, erweitert um VP-Mandatar Alexander Kröll und Finanzkämmerer Peter Blasisker. Auch Steuerberater Josef Vergeiner war vor Ort. Die Stadt Lienz legte sich gegen eine Umwandlung quer und Bürgermeisterin Elisabeth Blanik hat dafür auch eine Begründung: „Eine Aktiengesellschaft ist transparenter als eine GmbH. Wir sehen nicht, was eine Umwandlung bringen soll und sind der Meinung, dass man erst einmal eine Strategie für die Bergbahnen braucht und erst dann über die Gesellschaftsform reden sollte.“

Ende Jänner 2017 ließen Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Diemling und Bergbahnen-Vorstand Klaus Hofstätter (rechts) im Lienzer Gemeinderat eine Bombe platzen. Seither hing der Haussegen mit dem Mehrheitseigentümer TVBO schief. Foto: Expa/Groder

Blanik wird den zurückgetretenen Aufsichtsratsobmann Thomas Diemling interimistisch vertreten. Seinen Rücktritt versteht sie, das Klima zwischen dem Bergbahnen-Führungsduo Thomas Diemling und Vorstand Klaus Hofstätter auf der einen und der TVBO-Spitze rund um Franz Theurl auf der anderen Seite sei in den letzten Monaten aus ihrer Sicht „unerträglich“ geworden. Diemling will das so nicht bestätigen, er könne „menschlich“ mit allen Eigentümervertretern gut, auch wenn es wirtschaftlich oft unterschiedliche Einschätzungen gebe.

Tatsächlich hatten Diemling und Hofstätter bei einer Hochstein-Sondersitzung Ende Jänner 2017 eine Bombe platzen lassen und erstmals das Wort „Winterschließung“ ausgesprochen. Das ließ bei den TVBO-Zampanos, zu denen damals auch noch Andreas Köll zählte, die Alarmglocken läuten. Schließung von Liften bedeutet nämlich deren Abwertung als Betriebsanlagen. Ein gesperrter Lift ist nichts wert. Da diese Anlagen als Vermögen mit sechs Millionen Euro in den Büchern des Tourimusverbandes stehen, wäre dadurch das „Bilanzbild“ und in der Folge die Kreditwürdigkeit des TVBO in sich zusammengebrochen.

Theurl, Köll & Co. legten das als „Anschlag“ auf den TVBO aus. Das Klima war vergiftet und eskalierte – so munkelt man hinter den Kulissen – bei der TVBO-Wahl im Dezember, wo die Einser-Stimme der Bergbahnen offenbar nicht zur Liste Theurl wanderte. Ein Sakrileg, das ein halbes Jahr später in ein mittleres Erdbeben mündet. Während Zahlenfuchs Thomas Diemling genervt von all den machtpolitischen Einflussnahmen das Handtuch wirft und sich wieder voll seinem RGO-Job zuwendet, dürften auch Klaus Hofstätters Tage als Vorstand der Bergbahnen gezählt sein. Da nützen auch Jubelmeldungen nichts mehr. Lange hielt die Stadt Lienz ihre schützende Hand über den Kärntner, jetzt wird er wohl zum Bauernopfer in einem Machtkampf, der noch lange nicht zu Ende ist. Fortsetzung folgt!

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7 Postings bisher
Nachdenker vor 2 Wochen

Das man einem Herrn Popeller und einem Herrn Jurak keine Tourismuskenntnisse zuspricht finde ich schon ein bißchen dreist. Aber in Lienz ist halt alles negativ. Jeder gegen alles und vor allem Leute, welche nur schimpfen und selber bestimmt noch nie im Tourismus was getan haben. Da gibt's eine Möglichkeit. Verantwortung tragen und selber machen.

    Sonnenstrahl vor 2 Wochen

    Dann mach mal... anfangen kannst du damit, Namen richtig zu schreiben... z. B. dein Popeller zu ersetzen in der richtigen Schreibweise POPPELLER😉

manchmalgottseidankexilosttiroler vor 2 Wochen

So wie es läuft, wird 's dann am Ende einen ziemlichen Tuscher machen.

Thomas28 vor 2 Wochen

Hofstätter soll auch abdanken.

42na95 vor 2 Wochen

Der Verwalter des Stillstandes, Klaus Hofstätter, ist durchaus ersetzbar

Kiew vor 2 Wochen

Ich glaube, das mit Diemling leider der falsche geht. Sehr schade!!

freieinfoo5 vor 2 Wochen

Für den Tourismusverband setzten sich Franz Theurl, Werner Frömel, Karl Jurak, Karl Poppeller und Hansjörg Mattersberger an den Verhandlungstisch.

Was haben diese Personen mit Tourismus zu tun?

Antwort: Nichts!