Heiß und schön – die Toskana im Hochsommer.

Heiß und schön – die Toskana im Hochsommer.

Oliver Deutsch radelt durch die große Hitze

Auf dem Weg zum Jazzfestival in Perugia gibt es Höhen und Tiefen für den Reisenden.

Im letzten Kapitel unseres Reiseberichts haben wir Oliver Deutsch in Albanien zurückgelassen, jetzt ist er wieder auf italienischem Boden. 18 Stunden dauerte die nächtliche Reise mit der Fähre von Durres nach Ancona: „Ich war sehr froh, wieder zurück in Italien zu sein!“ so sein Fazit. Nach drei Monaten auf der „Tour Mediterraneo“ spürt der Lavanter Radreisende, der ein Jahr lang rund um das Mittelmeer strampeln möchte, den ersten „Durchhänger“. Zwar gab es im befestigten Dörfchen Polverigi „das beste Eis bis jetzt“ und auch eine Einladung zu Wein und Antipasti, aber: „Das klingt alles sehr schön und nach keinen Problemen – so ist es aber leider nicht immer.“

Die Anstrengungen einer so lange dauernden Radtour spüre man psychisch und physisch, erklärt Oliver,„überhaupt wenn man im Landesinneren unterwegs ist, so wie ich. An der Küste ist es mir im Sommer zu heiß, zu viele Leute, zu viel Verkehr, zu teuer. Die Straße andauernd mit Autos zu teilen ist nervig. In Frankreich und Spanien soll das besser sein. Und wo es lang bergauf geht, geht es auch lang wieder bergab! Das ist eine gute Motivation.“

Wir fragen, wovon sich unser Mittelmeer-Umrunder denn so ernährt? „Also mittags gibt es meistens Früchte und Kekse. Am Abend Fischdosen, Salami, Gemüse, Brot, manchmal Pizza, danach meistens Eis und noch mehr Kekse. Zum Frühstück esse ich, was übrig ist. Im Prinzip alles, was man gut mitnehmen kann, maximal für zwei Tage. Im Hostel koche ich selbst. Pasta mit Gemüse, Gemüsegröstel mit Ei oder Tsatziki, Calamari oder Fisch, Gemüsecurry mit Reis.“ Klingt doch ganz lecker, finden wir hier an unseren Schreibtischen in der Redaktion.

Oliver (links) knüpft Bekanntschaften und gönnt sich eine Verschnaufpause für Beine und Seele.

Es sei „richtig hart“ durch den Appenin zu radeln, schreibt uns Oliver, die Hügel seien höher als jene in der Toskana. „Es ist aber so wunderschön, zuerst Sonnenblumenfelder, oben weiter dann schöne Wälder und Wiesen. So bin ich in einen Nationalpark und das Bergdörfchen Poggio San Romualdo gekommen.“ Dort schloss der Osttiroler neue Bekanntschaften und gönnte sich eine Verschnaufpause für Beine und Seele. „Ich hab mich mit einem Pensionistenpärchen aus Jesi angefreundet, die dort seit Jahren den Sommer im Wohnwagen verbringen, wandern und Pilze suchen. Vier Tage bin ich geblieben. Es war so schön und ruhig. Am Abend war ich meist bei den Leutchen zum Essen eingeladen, zu einfachen und guten Sachen, Fagiola Aglio e Olio, Pasta con Salsicce. Antipasti. Danach immer selbstgemachten Limoncello.“

Schließlich hieß es Abschied nehmen und Oliver radelte weiter nach Gubbio. „Der vielleicht schönste Ort, den ich bis jetzt besucht habe. Leider nur für reiche Leute. Also nichts für mich. Ich hab aber ein nettes Plätzchen beim Friedhof zum Übernachten gefunden, konnte also doch einen Tag dort bleiben.“ Nach einer Woche Wildcampen leistete sich Oliver in Assisi ein Bed & Breakfast mit Pool: „So geil, nach zwei Monaten wieder mal ein Einzelzimmer zu haben!“

Etwas Luxus zwischendurch: Bed & Breakfast mit Pool in Assisi.

Und Assisi selbst? „Beeindruckende Stadt! Es war irgendwie eine so friedliche, ruhige Stimmung. Obwohl nicht wenige Touristen dort waren. Aber nicht zu vergleichen mit Städten in der Toskana oder Rom.“ Hermann Hesse schrieb über Italien: „Man holt sich dort eine Frische und Freiheit und zugleich einen inneren Besitz an Freude und Schönheit, der alles aufwiegt.“ Stimmt, meint Oliver Deutsch.

Assisi: “Es war irgendwie eine so friedliche, ruhige Stimmung.”

Nach vier Tagen am Lago Trasimeno – „schöne Gegend mit coolen Dörfern, aber kein See, in dem man gut schwimmen könnte“ – wurde das Zelt abgebaut und wieder ein Highlight angesteuert: Perugia, mit dem Umbria Jazzfestival, das die Stadt in einen Ausnahmezustand versetzt.

„Alle sind involviert“, erzählt Oliver, „an jeder Ecke gibt es Straßenkünstler und Musiker. Alles von hoher Qualität.“ Oliver leistete sich ein Ticket für die Brazilian Night auf der Hauptbühne, mit Stefano Bollani und danach Caetano „es un mundo“ Veloso mit seinen Söhnen. „Ich war schon lang nicht mehr so neugierig auf ein Konzert. Der Abend fing mit Andrea Pozza an, der in einem Cafe am Flügel spielte. Die Leute saßen in der Wiese, tranken Bier oder Wein. Das war schon sehr gut!“ Nach Stefano Bollani – „mit einer unglaublichen Band“ – trat Caetano Veloso auf.

Oliver erzählt begeistert: „Wegen ihm und seinen Söhnen Zeca, Moreno und Tombin bin ich zum Festival geradelt. Ein schöneres Konzert hab ich noch nicht gesehen! Traumhaft! Diese Stimme geht richtig tief. Und die Stimmung wärend des Konzerts, so schön und familiär, obwohl es in der Arena Santa Giuliana war. Alle hingen an den Lippen dieser tollen Musiker.“

In den folgenden Tagen radelte Deutsch durch eine Gegend, die er auf dem Hinweg in den Süden bereits erkundet hatte. Dennoch sei die Toskana neuerlich ein Highlight gewesen: „Obwohl man teilweise durch die selbe Landschaft wie vor zwei Monaten fährt, ist alles anders. Die Kontraste sind viel stärker! Andere Farben. Man kann schon verstehen, dass im Sommer so viele Touristen hierher kommen.”

Von Pienza über San Quirico d‘Orcia und Montalcino bis nach Castel del Piano waren allerdings auch wieder viele Höhenmeter zu überwinden, mit einer kulinarischen Motivation: „In der Nähe von Montalcino gibt es das Restaurant Poggio Antico, wo ich mit Freunden vor 16 Jahren mal einen kulinarischen Abend verbrachte. Seither hab ich nie mehr so gut gegessen. Acht Gänge, bester Wein, bestes Essen, bester Blick von der Terrasse auf die hauseigenen Weinberge! In der Gegend war ich dann noch öfter. Es war also ein schöner Abstecher in die Vergangenheit!“

Am 20. Juli erreichte Oliver Deutsch wieder die Küste bei Piombino. Aus dem versprochenen Job bei Ribolla wurde nichts. Oliver nahm es mit Gelassenheit: „Dann hab ich mehr Zeit für Galizien und Portugal, bevor es kalt wird.“ Außerdem entdeckte er so den Lago dell’Accesa in der Nähe von Valpiana: „Der schönste See bis jetzt. Glasklares Wasser mit Süßwasserschildkröten und kleinen Buntbarschen! Wenig Leute!“ Also schlug unser Radwanderer sein Nachtlager am Ufer auf, nicht ohne vorher bis Valpiana und retour zu radeln, um etwas zwischen die Zähne zu bekommen. „Aber in der Früh dann schwimmen gehen, das hat schon was!“ Erfrischt bestieg Oliver die Fähre nach Olbia auf Sardinien. Dort treffen wir ihn das nächste Mal.

Lago dell’Accesa in der Nähe von Valpiana: „Der schönste See bis jetzt.“

Alle bisherigen Etappen der „Tour Mediterraneo”!

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