Dolomitenmann 2018: Favoritensieg in Lienz

Kolland Topsport Professional gewinnt. Harald Hudetz rettet Stockerlplatz für Red Bull.

Es bleibt auch 2018 ein Rätsel, wie der gelernte Rauchfangkehrer, Ex-Abfahrtsläufer und Dolomitenmann-Erfinder Werner Grissmann alljährlich offenbar das Wetter nach seinen Wünschen beeinflusst. Wie schon so oft klarte auch heuer der Himmel über dem Lienzer Talboden pünktlich zum Start des 31. Dolomitenmann-Bewerbs auf und ermöglichte so eine planmäßige Durchführung der längst legendären Extremstafette. Vor allem die spektakuläre Flugsequenz vom Kühbodentörl unterhalb des Spitzkofels wäre bei windigen und unsicheren Verhältnissen nicht (halbwegs) gefahrlos realisierbar gewesen.

Der Start zum Dolomitenmann 2018 auf dem Hauptplatz in Lienz – wie immer bei Prachtwetter, toller Zuschauerkulisse und mit einem erlesenen Feld an Weltklasse-Bergläufern. Foto: Gepa Pictures

Und so wurde auch heuer um Punkt 10.00 Uhr auf dem Lienzer Hauptplatz gestartet. Ein Liveticker, professionell duchgeschaltet über eine ganze Reihe von Medien, sorgt seit einigen Jahren für aktuellste Infos von der Strecke, deshalb hier die sportliche Zusammenfassung dieses medienwirksamsten Events in Osttirol. Nur gut 21 Minuten nach dem Start passierten die Bergläufer bereits das „Gogghüttl“. Wer sich auskennt in der Lienzer Bergwelt kann nur den Kopf schütteln. Das nennt man Höllentempo – gefolgt von Höllenqualen.

Joseph Gray vom Team Kolland Topsport Professional federt den berüchtigten Goggsteig hinauf. Foto: Expa/Oberhauser

Joseph Gray (Kolland Topsport Professional) hatte hier knapp die Nase vorn, auf seinen Fersen Anton Palzer (Red Bull) und Philip Götsch (Pure Encapsulation). Die Favoriten also in Front. Bis hierher schien alles der Papierform zu entsprechen. An 11. Stelle, nur knapp zwei Minuten hinter dem Führenden und mitten im internationalen Spitzenfeld passierte hier Manuel Seibald (Team Skinfit) als bester Osttiroler die Zeitnehmung.

Was es bedeutet, 12 Kilometer großteils sehr steil bergauf zu laufen, dabei fast 2000 Höhenmeter zu überwinden und dennoch nicht länger als 1.22.20 zu benötigen, kann man als Laie nicht ermessen. Der US-Amerikaner Joseph Gray schaffte dieses Kunststück, verfehlte damit den Rekord von Wunderläufer Petro Mamu nur um eine knappe Minute und übergab an den Schweizer Gleitschirmpiloten Chrigel Maurer, der sich auf die nicht ungefährliche Querung der steinigen Geröllhalde bis zum exponierten Startplatz machte, begleitet von den Klängen der Eisenbahner Stadtkapelle, die auf dem steilen Grat ihr eigenes Team anfeuerte.

Hinter Gray liefen Palzer und Götsch ins Ziel, Seibald hatte sich sensationell auf Platz sieben vorgearbeitet. Bereits auf der Laufstrecke der Paragleiter kam es zu einem Führungswechsel der Zweit- und Drittplatzierten, Aaron Durogati überholte Lukas Rifesser. Stand hier: Kolland Topsport vor Pure Encapsulations und Red Bull. In dieser Reihenfolge setzten die Flieger auch bei der Zwischenlandung auf der Moosalm auf. Dieser Moment – das wissen Dolomitenmann-Fans – ist für den weiteren Rennverlauf oft schon vorentscheidend, weil große Vorsprünge auf der Laufstrecke schwer aufzuholen sind. Heuer lag das Spitzenfeld dicht an dicht und die Stafette blieb spannend.

Showeinlagen als Zeitvertreib für das wartende Publikum auf der Moosalm. Auch das ist eine Spezialität beim Dolomitenmann. Foto: Gepa/Matic Klansek

Im Dolomitenstadion Lienz warteten zu diesem Zeitpunkt tausende Zuschauer auf die Landung der Paragleiter und erlebten eine kleine Sensation. Zwar landete das Spitzentrio wie gehabt – und damit startete auch Alban Lakata als Red Bull-Radler in aussichtsreicher Position – aber auf den Plätzen 4 und 5 folgten mit Helmut Eichholzer vom Team Fitstore24-2 und Hannes Fankhauser von Skinfit Osttirol zwei Geheimfavoriten, die höher eingeschätze Teams hinter sich gelassen hatten.

Chrigel Maurer, abgekämpft von einer Stadionrunde mit dem Gleitschirm, übergibt an Daniel Geismayr. Das Team Kolland Topsport Professional führt nach Lauf und Flug bei der Osttiroler Extremstafette. Foto: Expa/JFK

Weit abgeschlagen war zu diesem Zeitpunkt beispielsweise das Team Panaceo, ein Mitfavorit mit Kristian Hynek als Weltklasse-Biker, der auf Platz 15 ins Rennen eingriff. Und so machten sich die Mountainbiker auf ihren weiten Weg vom Stadion in Richtung Hochsteinkreuz: Daniel Geismayr (Kolland Topsport Professional) vor Tony Longo (Pure Encapsulation) und Alban Lakata (Red Bull). An dieser Reihenfolge änderte sich bergauf zunächst lange nichts.

Während die Superstars schon Hochsteinluft ventilierten, klatschte im Dolomitenstadion als 97. das Team „Wings for Life“ ab. Flugsaurier Wendelin Ortner übergab bei seinem 31. Dolomitenmann – er hat keinen Bewerb ausgelassen! – an Benjamin Karl, der auf dem Rad zur Aufholjagd ansetzte.

An der Spitze zündete mittlerweile Andreas Seewald vom Team Fitstore24/2 den Turbo, ließ Mehrfachweltmeister Alban Lakata hinter sich und setzte sich auf Rang drei. Herausragend war auf dem Bike auch die Leistung von Kristian Hynek, der das Feld von hinten aufrollte und sich auf Platz sieben vorkämpfte.

Lukas Kubrican auf dem Weg zu seinem Boot. Es wird ihn bis ins Ziel niemand mehr einholen! Foto: Expa/JFK

Als letztes Glied der extremen Viererkette köpfelten die Kanuten bei Leisach ins Wasser der Drau und machten sich auf zu einer Disziplin, die immer für ein tragisches K.O. gut ist. Der Tscheche Lukas Kubrican paddelte vorne weg für die führende Kolland-Truppe. Fast drei Minuten hinter ihm tauchte Gerhard Schmid für Pure Encapsulation in sein Element ein, verfolgt von Stephan Brodicky vom Team Fitstore24/2.

Titelverteidiger Gerhard Schmid vor dem Tauchgang. Foto: Expa/JFK

Das war der Moment für einen ebenso dramatischen wie packenden Schlussakkord in diesem Rennen. Rund vier Minuten hinter Brodicky wasserte Harald Hudetz, der Sieger von 2016. Kaum eingetaucht, brach dem Weltklassemann im Red Bull Team das Paddel, doch Hudetz ließ sich davon nicht lange aufhalten. Mit einem entfesselten Sprint im Wasser holte er Meter um Meter auf Brodicky auf, der ihn schließlich ziehen lassen musste und auch noch von Ornst Zdenek (Kolland International) überholt wurde.

Und dann war das Rennen gelaufen. Kolland Topsport Professional mit Joseph Gray, Chrigel Maurer, Daniel Geismayr und Lukas Kubrican war an diesem herrlichen Septembertag in Lienz nicht zu schlagen. Begleitet von frenetischem Applaus lief Kubrican mit seinem Boot auf dem Hauptplatz ein, vier Stunden, sechs Minuten und 46 Sekunden nach dem Start dieser Stafette für die Härtesten unter der Sonne. Es folgte der Titelverteidiger, das Team von Pure Encapsulations und an dritter Stelle der wackere Harald Hudetz, der für das Team des Hauptsponsors noch einen Platz auf dem Stockerl holte!

„Das hätt ich nicht besser machen können!“ Werner Grissmann gratuliert den Dolomitenmännern 2018 (von links): Daniel Geismayr, Lukas Kubrican, Joseph Gray und Chrigel Maurer vom Team Kolland Topsport Professional. Foto: Expa/JFK

Dolomitenmann 2018 – Das Endergebnis!

Dolomitenmann 2018 – Ergebnisse Berglauf
Dolomitenmann 2018 – Ergebnisse Paragleiten
Dolomitenmann 2018 – Ergebnisse Mountainbike
Dolomitenmann 2018 – Ergebnisse Kajak

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3 Postings bisher
DaLois vor 2 Wochen

Mit Abstand die beste Veranstalltung im Jahr. Freu mich schon auf 2019! Danke Danke Danke

anton2009 vor 2 Wochen

Die beste Veranstaltung im Bezirk, und das seit 31 Jahren! Dank an Werner G. für seine tolle Idee!

Wolke vor 2 Wochen

Tolle Veranstaltung!