Land stellt 1,2 Millionen Euro an Matreier Schulden fällig

Landesrätin Fischer verschärft den Kurs vor dem Hintergrund einer Versorgungsdiskussion.

Wie die Tiroler Tageszeitung heute berichtet und die Tiroler Soziallandesrätin Gabriele Fischer gegenüber dolomitenstadt.at telefonisch bestätigt, hat das Land Tirol der Gemeinde Matrei 1,2 Millionen Euro an nicht geleisteten Sozialabgaben fällig gestellt. Eine Ratenzahlung, wie von Matrei angeboten, wurde abgelehnt. Da vor kurzem auch die Aufnahme neuer Darlehen von der Bezirkshauptmannschaft als Aufsichtsbehörde abgelehnt wurde und zudem die Finanzmarktaufsicht – wie berichtet – die Darlehensvergabe durch die Hausbanken der Gemeinde überprüft, wird es wieder einmal eng für den Matreier Bürgermeister Andreas Köll.

Gabi Fischer schlägt eine härtere Gangart gegenüber Andreas Köll ein. Ihr Ressort stellt 1,2 Millionen Euro fällig, die Matrei dem Land Tirol schuldet. Foto: Expa/Jakob Gruber

Es mag ein Zufall sein, dass die harte Linie der Grünen Soziallandesrätin just mit Kölls vollmundig im Matreier Amtsblatt September 2018 publizierten Plänen für eine Neuordnung der ärztlichen Primärversorgung im Iseltal zusammenfällt. Köll bringt dort zum einen den Hubschrauberunternehmer Roy Knaus in Stellung, der nach seinen Vorstellungen künftig eine fast uneingeschränkte Schlüsselrolle in der ärztlichen Versorgung der Iselregion spielen soll.

Andererseits demontiert der Matreier Gemeindechef die vom Villgrater Arzt Gernot Walder über die letzten Jahre aufgebaute Versorgungsstruktur und verweist den Mediziner per Dekret quasi aus dem Iseltal. Walder sieht deshalb die ärztliche Nahversorgung in den Tälern ab 1. Oktober auch nicht mehr garantiert und denkt an völligen Rückzug.

Andreas Köll hat große Pläne für die medizinische Versorgung im Iseltal. Abgesprochen hat er seine Pläne nicht. Auch das könnte ein Grund sein, warum das Land Tirol die finanziellen Daumenschrauben anzieht. Foto: Expa/Groder

Köll zeichnet dagegen die kühne Vision von einem Primärversorgungzentrum mit gleich zwei Hubschrauber-Landeplätzen und mehreren angesiedelten Ärzten rund um Marcus Mairinger. Der Mediziner hat die Kassenstelle des pensionierten Matreier Arztes Josef Moser übernommen, ordiniert seit 1. September im Matreier Gemeindeamt und war auch für Walders Ärztekollektiv tätig, bevor der Matreier Bürgermeister in seiner Funktion als Obmann des Gemeindeverbandes BKH Lienz eingriff.

„Marcus Mairinger wurde im Zuge eines von mir als Verbandsobmann erstellten Werkvertrages mit Wirksamkeit 1. September vom Gemeindeverband Bezirkskrankenhaus Lienz mit der Koordination des gesamten Notarztdienstes im Bereich Iseltal beauftragt.“ Damit nicht genug, Mairinger soll mit dem BKH und der Unternehmensgruppe Knaus bis Ende Oktober ein Konzept für die notärztliche und allgemeinmedizinische Versorgung des Iseltales entwickeln.

Mit dem Land, das im Begriff ist, 24 Millionen Euro in das Lienzer Krankenhaus zu investieren und außerdem in Osttirol ein Pilotprojekt für eine zukunftsorientierte Primärversorgung in alpinen Regionen plant, ist all das nicht abgesprochen. Vor diesem Hintergrund könnte ein Anziehen der finanziellen Daumenschrauben auch der Auftakt zu harten Verhandlungen um Kompetenzen und die Architektur künftiger Versorgungsstrukturen in Osttirol sein.

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7 Postings bisher
Markus aus den Hohen Tauern

Und täglich grüßt das Murmeltier. Wenn es um Matrei geht, wird über jeden Furz berichtet. Wird doch in anderen Gemeinden auch manchmal kleinere oder auch größere Schwierigkeiten bei der finanziellen Gebarung geben. Möchte nicht wissen, wie es etwa in St. Veit, Nikolsdorf oder Untertilliach ausschaut. Hier wird aber dann eher von den armen Bürgermeistern gesprochen, die nicht mehr wissen, wo sie das Geld hernehmen sollen. Warum ist das bei Matrei anders? Vielleicht weil man der Gemeinde und ihrem Bürgermeister gewisse Erfolge neidet. Wie man in Berichten der letzten Tage sieht, gönnt man Matrei und der Tauernregion nicht einmal den Umstand, dass sich ein Arzt niederlässt und die medizinische Versorgung verbessert wird. Mir völlig schauderhaft, warum das so ist. Aber vielleicht doch: siehe oben.

    Talpa

    Welche Erfolge?

    steuerzahler

    In der Berichterstattung geht es nur in zweiter Linie um Matrei. Da wird über das Gebaren vom Bürgermeister berichtet und die Ideen, die er entwickelt. Wahrscheinlich riecht er aber die Millionen, die da investiert werden sollen. Beste Gelegenheit um mitzunaschen...

    Ich frage mich noch immer, wo liegen die Erfolge, die es möglich machen, um andere Tätigkeiten als das Bürgermeisteramt auszuüben? Wobei man bei dieser Amtsführung wohl mal Erfolge suchen sollte....

    Talpa

    Haaallooo!!! Welche Erfolge?

      Instinktivist

      Also ich werte mal das abstimmungsverhalten als Erfolg... ein negatives Posting über Herrn K. bekommt immer ausgesprochen viele "stimme nicht zu"...

auslandsosti

Das wäre doch der perfekte Moment, um wie in Deutschland vorgezeigt, nach oben fallen zu können. Ein Bürgermeister der auf ganzer Linie versagt hat, wäre doch der beste Nachfolger als Finanzminister.... Wie beim Fall "Maaßen" in Deutschland. Ich wäre dafür, weil was Deutschland kann, kann Österreich noch besser.

steuerzahler

Der Bürgermeister von Matrei sollte sich um seine Gemeinde kümmern. Die anderen Funktionen sollte er zurücklegen. Wie kommt er zu so vielen Funktionen? Kann das ein Einzelner bewältigen? Ich glaube, daß durch diese vielen Funktionen die Qualität längst auf der Strecke geblieben ist. Hat er die Gemeinde so toll geführt und so ein gutes Ergebnis erzielt, daß man ihn in jeder Entscheidungsebebe einfach haben muß? Oder läuft das ganz anders...

Wer setzt ihn in diese Gremien?