Literatur im Zeichen von Krieg und Flucht

Prämierte Texte des Mölltaler Geschichten Festivals reflektieren das Zeitgeschehen.

Es war ein mehrstufiger Ausleseprozess, der aus 186 zum Mölltaler Geschichten Festival eingereichten Kurzgeschichten aus allen deutschsprachigen Ländern schließlich die besten herausfilterte. Nach vier Lesungen in Winklern, Mallnitz, Mörtschach und Stall im September blieben noch 31 Texte übrig. Am 5. Oktober wurden im Veranstaltungszentrum Möllbrücke die Sieger gekürt. Sie erhielten „Mölltaler SchreibAdern“, Mineralsteine aus dem Tal, die der Steinbildhauer Gottfried Recnik mit echten Blattgoldadern überzieht. Einen dieser besonderen Steine nahm die erst 13-jährige Frieda Tendis aus Landskron für ihre Nachwuchsautoren-Geschichte „Neue Wurzeln schlagen“ entgegen. Thema ist ein arabisches Mädchen, das nach der Flucht nach Österreich dort wieder das Lachen erlernt.

Autor und Kolumnist Egyd Gstättner leitete heuer die Fachjury und las am Beginn des Abends aus seinem neuen satirischen Buch „Die Familie des Teufels. Allein gegen die Literaturgeschichte“. Ihm zur Seite standen bei der Textbewertung der Kulturwissenschaftler Gerhard Katschnig von der Universität Klagenfurt, der Verlagsprogrammleiterin des Haymon Verlags, Dorothea Zanon, die Salzburger Publizistin Elisabeth Skardarasy und die Lienzer Tyrolia-Buchhändlerin Petra Pascuttini. Die Fachjury kürte Wolfgang Breitkopf aus Stuttgart mit seiner Geschichte „Das Mädchen, das über Leichen ging“ zu ihrem Sieger. Auch in diesem Text geht es um ein Kind, das im Horror des Krieges einen kurzen Moment des Vergessens findet.

Das Publikum wählte mit Wolfgang Machreich einen Autor, in dessen Geschichte es zwar auch um die Konfrontation mit der Flüchtlingswelle geht, doch mit „Herr Krickerl trimmt“ ist es die Story eines aufrechten Pensionisten, die Machreich unterhaltsamst den Zuschauern präsentierte. Die vierte SchreibAder war für Autoren und Autorinnen reserviert, die im Mölltal geboren wurden, dort aufgewachsen sind, oder jetzt dort leben. Sie nahm Elfriede Rojacher aus Großkirchheim in Empfang, für den Text „Gefährliche Begegnung“ der davon erzählt, wie ungerecht das Leben eines Knechts auf einem Bergbauernhof sein kann.

Literatur-Preisverleihung in Möllbrücke. Von links: Bürgermeister Gerald Preimel, Landesrätin Sara Schaar, Pro-Mölltal Obfrau Sabine Seidler, Frieda Tendis (Nachwuchs 1. Platz), Wolfgang Breitkopf (Fachjurypreis 1. Platz), Organisationskomitee-Mitglied Melitta Fitzer und Fachjuror Egyd Gstättner. Vordere Reihe: Wolfgang Machreich (Publikumsjury 1. Platz), Elisabeth Rojacher (Mölltaler Preis 1. Platz) und Gustav Tengg vom Organisationskomitee. Foto: Christian Senger

Kurz vor Ostern 2019 wird der Salzburger Verlag Anton Pustet die besten Geschichten des diesjährigen Mölltaler Geschichten Festivals als Buch veröffentlichen, ergänzt um Fotos und Kunst aus dem Mölltal.

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