Naturschutz und Landwirtschaft auf Augenhöhe

Nußdorf: In der REVITAL Akademie wurden Wege, die Biodiversität zu erhalten, diskutiert.

Vielfalt, Gefährdung, Insektensterben … Schlagwörter, die heute immer wieder auftauchen. Dabei geht es um eine Angelegenheit, die nicht nur Biologen interessiert: die Biodiversität. Neben der Bestäubung, von der immerhin rund 80 Prozent unserer Nahrungspflanzen abhängig sind, gehören dazu auch weitere ökosystemare Dienstleistungen wie die Reinhaltung von Wasser und Luft, Regulierung des Klimas, Bodenbildung – so sind wir alle vom Fortbestand der Biodiversität abhängig. Doch was tun, um die Biodiversität zu erhalten?

„Volles Haus“ bei der Tagung zum Thema Biodiversität und Landwirtschaft im Alpenraum in der REVITAL Akademie in Nußdorf. Foto: REVITAL Integrative Naturraumplanung GmbH

Zum Thema „Biodiversität und Landwirtschaft im Alpenraum“ fand am vergangenen Freitag, 5. Oktober, eine Tagung in der REVITAL Akademie in Nußdorf statt. Die Veranstaltung wurde vom Amt der Tiroler Landesregierung mitfinanziert. Der Einladung von Martin Weinländer, Zoologe bei REVITAL Integrative Naturraumplanung GmbH, folgten rund 40 Expertinnen und Experten diverser Fachbereiche und Interessierte aus dem deutschsprachigen Alpenraum, die die Biodiversität im Zuge von verschiedenen Fachvorträgen aus Sicht des Naturschutzes sowie der Landwirtschaft betrachteten.

Die Rolle der Landwirtschaft als „Schöpfer“ und „Vernichter“ der Biodiversität stand im Zentrum der Tagung. Vorträge über die Vielfalt auf Almen im Nationalpark Hohe Tauern, der Rückgang der Schmetterlinge sowie ÖPUL-Förderungen beleuchteten das komplexe Thema Artenvielfalt von verschiedenen Seiten. Beleuchtet wurden auch Fragen wie „Was bringt Biodiversität in der Schädlingsregulation?“ oder „Wie frei ist der Bauer/die Bäuerin?“ Das spannende Thema des Erfahrungswissens im Alpenraum rund um traditionelle Sorten, Rassen und Praktiken fand ebenso Beachtung wie das in Österreich erfolgreiche Biodiversitätsmonitoring durch LandwirtInnen.

Oliver Stöhr, Norbert Sauberer, Martin Mayerl, Christian Ragger (Moderator), Markus Einhauer, Wolfgang Retter und Reinhard Lentner bei der abschließenden Podiumsdiskussion. Foto: REVITAL Integrative Naturraumplanung GmbH

Abschließend gab es eine Podiumsdiskussion mit der Frage nach der Biodiversität im Osttiroler Raum. Landtagsabgeordneter Martin Mayerl, der auch Geschäftsführer des Maschinenring Osttirols und selbst als Landwirt tätig ist, und Markus Einhauer, Direktor der LLA Lienz, diskutierten mit Oliver Stöhr, Wolfgang Retter, Reinhard Lentner und Norbert Sauberer. In diesem Rahmen wurden nicht nur Probleme, sondern auch Lösungsansätze erörtert.

Eine große Verantwortung beim Erhalt der Biodiversität kommt der Landwirtschaft zu, durch welche die Vielfalt unserer Kulturlandschaft erst geschaffen wurde. Wichtig sei es, die Zusammenhänge zwischen Bewirtschaftung und Biodiversität zu erkennen. Wird etwa eine Wiese zu einem späteren Termin gemäht, können Blumen blühen und aussamen und die Wiese bietet vielerlei Insekten und anderem „Getier“ Nahrungs- und Lebensraum. Dies alles solle dem Bauer nicht zum Nachteil gereichen, habe er doch am Ende des Sommers neben proteinreichem Futter auch ein „Gesundheitsheu“ mit einer Vielfalt an Vitalstoffen zur Gesunderhaltung seines Viehs im Stadel.

Der Naturschutz wiederum müsse lernen, dem Bauernstand auf Augenhöhe zu begegnen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. So wurde im Zuge der Tagung mehrfach betont, wie wichtig es sei, LandwirtInnen ihre Eigenverantwortung in Hinblick auf Bewirtschaftung und damit einhergehend den Erhalt der Biodiversität zurückzugeben. Erreichte Ziele bei der Erhaltung und Förderung der Biodiversität wertzuschätzen sei dabei wesentlich.

Blütenpflanzen dienen Insekten als Nahrung und sichern uns Menschen die wertvolle Dienstleistung der Bestäubung. Foto: Christian Ragger

Auch der Konsument stehe in der Verantwortung und könne durch sein Konsumverhalten viel zum Erhalt der Biodiversität beitragen. So wurde empfohlen, zum Beispiel Herbstrüben aus Osttirol zu kaufen. Damit werde nicht nur eine alte Kulturpflanze erhalten, sondern auch das Wissen darüber, wie dieses Kohlgewächs angepflanzt und vermehrt wird.

Zu Guter Letzt kommt auch der öffentlichen Hand und der Gesellschaft im Allgemeinen eine Bedeutung in Hinblick auf Erhalt und Förderung der Biodiversität zu. Neben einem sorgsamen Umgang mit der Ressource Boden sei es wichtig, dem in unserer Gesellschaft übermächtigen „Putzfimmel“ Herr/Frau zu werden. Denn wenn im Herbst braune Stängel am Straßenrand nicht schön anzusehen seien, mache dies die Blütenpracht im Sommer wieder wett.

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