Wie es weitergehen soll, wissen Herbert Korber (links) aus Dölsach und Christian Moser aus Nikolsdorf wie viele andere Waldbauern noch nicht. Foto: Dolomitenstadt/Ingruber

Wie es weitergehen soll, wissen Herbert Korber (links) aus Dölsach und Christian Moser aus Nikolsdorf wie viele andere Waldbauern noch nicht. Foto: Dolomitenstadt/Ingruber

Waldbauern in Osttirol: „Es ist alles weg.“

Herbert Korber und Christian Moser erzählen, wie sie mit der Katastrophe umgehen.

Der Schock über die großen Windwurfflächen im Wald bleibt am Berg und in den Gesichtern der Betroffenen sichtbar. Wie viele Waldbesitzer vom Sturm der letzten Woche betroffen sind, weiß man noch nicht. Es könnten Hunderte sein, auch wenn es vom Tal aus nicht immer erkennbar ist. Wie ein großes Band zieht sich der Windwurf am Ederplan, über Nikolsdorf und Dölsach entlang. Jene, die Schäden verzeichnen, haben meist sehr viel verloren, wie Waldbauer Christian Moser, dessen Bäume fast zur Gänze gefallen sind. Ernüchtert stellt er fest: „Bisher habe ich Stützbäume aufgestellt und das Holz selbst rausgetragen. Das ist in dieser Dimension nicht mehr möglich. Ich habe nicht einmal mehr Bäume, die als Stütze dienen würden. Ich habe nichts mehr. Es ist alles weg.“

Besichtigung der Waldschäden im Gebiet des Ederplan. Moser ist nur einer der Betroffenen. „Wo willst du denn anfangen? Von den 37 Hektar liegen 27“, sagt Herbert Korber, vulgo Huber-Bauer, und der Landtagsabgeordnete Hermann Kuenz, der selbst an die 1.000 Festmeter Holz verloren hat, zeigt um sich: „Da reden wir von circa 10.000 Festmetern Schadholz, alleine hier.“ Korber schaut zu Boden und fährt fort: „Ich bin sprachlos. Das ist unser Haupteinkommen an unserem Hof, denn wir sind Vollerwerbsbauern.“ Jetzt muss er sich ein eigenes Gerät kaufen, einen Prozessor, der mechanisch den Baum entastet. „Wir haben bisher immer mit der Amateursäge gearbeitet, weil ich eigentlich gegen die Technik bin, aber das ist jetzt viel zu gefährlich und bei der Menge geht das auch gar nicht“, fügt er hinzu.

Ein neues Standbein suchen und Geduld haben

In den nächsten Monaten gibt es viel Arbeit, doch wie es danach weitergehen soll, ist unklar. „Ich werd‘ mir wahrscheinlich ein anderes Standbein suchen müssen“, sagt Herbert Korber. Vielleicht wird er sich auf die Aufforstung und die Pflege des jungen Waldes spezialisieren. Dabei hatte der junge Familienvater noch Glück, denn in der Katastrophennacht arbeitete er mit dem Bagger daran, die Bäche am Ederplan freizuschaufeln. Wäre er eine Stunde später heimgegangen, wäre er unter die fallenden Bäume geraten, erzählt er. „Wenn man das gewusst hätte, wäre man ja gar nicht mehr in den Wald gegangen“, sagt er und man sieht ihm den Schock noch an.

Dennoch sind die Betroffenen rund um den Ederplan die Glücklicheren. Im Lesachtal oder auch in Innervillgraten und anderen Regionen bleibt die Gefahr von Erdrutschen – und das erschwert die Waldarbeiten aufgrund der Gefahr. Generell hört man das Wort Sicherheit oft, wenn man mit den Waldarbeitern und den Vertretern des Landesforstbetriebs und der Landwirtschaftskammer spricht. Mit einer Seilbahn könne man die Bäume von oben wegräumen, erklärt Landesforstdirektor Josef Fuchs, ansonsten müsse man den Hang von unten nach oben bearbeiten, was naturgemäß wesentlich gefährlicher ist. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das unfallfrei vorüber geht“, sagt ein Betroffener.

Josef Fuchs fungiert nun als Koordinator der Aufräumarbeiten, damit Waldbesitzer, Sägewerke und Behörden zusammenarbeiten. Es geht um tausende LKWs für den Abtransport, um Geräte, die koordiniert eingesetzt werden müssen und er erklärt, wie wichtig es ist, dass alle ihre Arbeitsschritte aufeinander abstimmen. „Dass es nicht schnell gehen wird, muss allen bewusst sein“, sagt Fuchs. Und dann kommt wieder die Zeit ins Spiel. Denn besonders fürchten sich die Bauern „vor dem Käfer“.

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