400.000 Festmeter Schadholz türmen sich in Osttirols Wäldern. Eineinhalb Jahre wird es dauern, bis alles abgearbeitet ist, schätzen Experten. Foto: Dolomitenstadt/Ingruber

400.000 Festmeter Schadholz türmen sich in Osttirols Wäldern. Eineinhalb Jahre wird es dauern, bis alles abgearbeitet ist, schätzen Experten. Foto: Dolomitenstadt/Ingruber

„In einer Nacht lag die Ernte von 50 Jahren am Boden“

Erst langsam wird deutlich, wie hoch die Schäden nach Sturm und Unwetter sind.

Seit gestern, 5. November, ist bekannt, dass alleine die Waldschäden in Osttirol rund 22 Millionen Euro ausmachen. Ganz genau kann man das noch nicht sagen, denn viel hängt vom Zeitfaktor ab, vom Wetter ebenfalls. „Dabei kann man die langfristigen Folgekosten noch nicht einmal abschätzen“, sagt Hermann Kuenz, Landwirt und Landtagsabgeordneter (ÖVP), der Josef Hechenberger (Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer) in eines der betroffenen Gebiete im Bereich des Ederplan führt.

Derzeit rechnet man mit 16 Millionen Euro für den Holzschaden. Das ist die Wertminderung, der Mehraufwand und die „Nützung zur Unzeit“, weiters 4 Millionen für die Wiederaufforstung und 2 Millionen die Instandhaltung der Wege. Letztere stellen derzeit ein besonders großes Problem dar, denn die aktuellen Wege sind vom Regen so aufgeweicht und beschädigt, dass keine LKWs fahren können, um das Holz abzutransportieren. Auch große Maschinen für die Aufräumarbeiten sind nicht einfach hochzutransportieren, sofern diese überhaupt vorhanden sind.

Lokalaugenschein in einem Waldgebiet am Ederplan. Von links: Josef Hechenberger, Konrad Kreuzer, Waldaufseher Franz Mietschnig und Hermann Kuenz. Foto: Dolomitenstadt/Ingruber

Um die 400.000 Festmeter Schadholz, die man für Osttirol schätzt, abzuarbeiten, rechnet man mit eineinhalb Jahren Arbeit. Doch tatsächlich müsste das Holz bis Mai 2019 weggeräumt sein, denn dann beginnt die Zeit des Borkenkäfers. Den Rest kann man sich denken. „Wir brauchen einen tourismusunfreundlichen Winter“, sagen die Bauern und hoffen damit auf Kälte und nur wenig Schnee. Auch das Wetter im Frühjahr wird einen Einfluss auf das Schadensausmaß haben.

Eine Böe entschied über Glück und Unglück

Es dürfte eine große Böe gewesen sein, die sich auf der Sonnseite des Tals durch den Wald gezogen hat. Welchen Waldbesitzer es getroffen hat und welchen nicht, sei eine Entscheidung von Metern gewesen, Glück oder Pech. LK-Bezirksobmann Konrad Kreuzer nimmt auf den Spruch vom „blauen Auge“ Bezug: „Wir haben zwei tiefblaue, geschwollene Augen“. Noch nie hätte es im Bezirk solche Schäden gegeben. Jetzt sei die Zusammenarbeit der Gemeinden, Behörden und Waldaufseher nötig, auch um die Wege bauen zu können. Das muss schnell gehen, heißt es.

Schon jetzt ist klar, dass viele Bäume nur noch als Brennholz verwendbar sind. „In einer Nacht lag die Ernte von 50 Jahren am Boden“, sagt Kuenz, der bemüht ist, die menschliche Seite der Zahlen zu zeigen. 100 Jahre brauche ein Baum, bis er für die Ernte reif sei. Waldaufseher Franz Mietschnig spricht das aus, was langfristig schwierig wird: „Von der aktuellen Generation wird keiner mehr in seinem Wald einen Baum hacken können.“

Die Gefahr bleibt

Eine gewisse Angst vor weiteren Tragödien spricht aus den Worten der Anwesenden. So rufen sie die Wanderer und Radfahrer auf, nicht in die Wälder zu gehen, sondern die Absperrungen zu beachten. Auch eine offene Schranke sei keine Einladung, schaulustig zu werden, denn die Gefahr ist groß. Doch auch an die Waldbesitzer wird appelliert, nicht leichtfertig selbst zu arbeiten, sondern ausgebildete Waldarbeiter kommen zu lassen, denn statistisch kommt auf 100.000 Festmeter Schadholz ein Toter, sagt Landesforstdirektor Josef Fuchs.

Und die Zukunft? Es muss wieder aufgeforstet werden. Dabei wird der Klimawandel mitgedacht werden. Die Fichte wird bleiben, heißt es, doch dazwischen könnte mehr Laubwald kommen. Allerdings seien die Sägewerke in Osttirol noch nicht auf Laubholz spezialisiert. Die Lärche ergibt wertvolles Holz, kommt daher auch für die Aufforstung in Frage, wächst allerdings viel langsamer als die Fichte. Und die Tanne gilt als Lieblingsfutter der Rehe. All das muss nun mitgedacht werden. Zuerst aber folgt das Aufräumen, und in Gegenden wie Kals kann man genau das nicht sofort machen, weil die querliegenden Bäume im Winter auch vor Lawinen schützen können. So muss in jedem Gebiet anders agiert werden.

Die betroffenen WaldbesitzerInnen können – und sollten – rasch die Förderung für den Schadenersatz beantragen. Dafür werden zwischen 9. und 15. November in den verschiedenen Osttiroler Gemeinden sieben Informationsveranstaltungen organisiert.


Termine Informationsveranstaltungen

  • 09.11.2018   09:00 Uhr   Kals a.Gr., Sitzungszimmer der Gemeinde
  • 12.11.2018   19:00 Uhr   Obertilliach, Kultursaal
  • 13.11.2018   19:00 Uhr   Dölsach, Tirolerhof
  • 14.11.2018   09:00 Uhr   Assling, Mehrzwecksaal
  • 14.11.2018   19:00 Uhr   Außervillgraten, Haus Valgrata
  • 15.11.2018   09:00 Uhr   Sillian, Kultursaal
  • 15.11.2018   19:00 Uhr   Ainet, Gemeindesaal
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1 Posting bisher
roland

Es ist zu hoffen, dass bei der Aufforstung endlich deutlich mehr Laubholz kommt und die Fichte zurückgedrängt wird! Diese Fichten-Monotonie hat dazu beigetragen, dass die Schäden so groß sind. Laubholz ist von den Wurzeln her deutlich stabiler als das Nadelholz (wie auch die Landesforstdirektion festgestellt hat). Außerdem ist es für den Tourismus besser. Mischwälder sind einfach viel schöner und gefälliger als die öden Fichtenwälder.