Wer zahlt am meisten in die Kassen des Osttiroler Tourismusverbandes ein? Dieser Frage gehen wir nach. Foto: Expa/Groder

Wer zahlt am meisten in die Kassen des Osttiroler Tourismusverbandes ein? Dieser Frage gehen wir nach. Foto: Expa/Groder

Wer zahlt wieviel in die Kasse des TVB Osttirol ein?

Aufenthaltsabgaben und Pflichtbeiträge nach Regionen gegliedert. Lienz zahlt am meisten.

Eine Frage steht im Zentrum der derzeit ebenso emotional wie erbittert geführten Diskussion rund um die erzwungene Neuwahl des TVB-Aufsichtsrates in Osttirol: Wer zahlt wieviel in die Kasse des TVB Osttirol ein und wie werden diese Mittel dann wieder auf die Regionen und diverse Projekte verteilt? In diesem Artikel geht es vorerst um die Mittelaufbringung, denn sie lässt sich durch Zahlen objektivieren.

Gespeist wird das Budget der Tiroler Tourismusverbände aus zwei Abgabenkategorien: einerseits aus Aufenthaltsabgaben, die pro Übernachtung von den Beherbergungsbetrieben eingehoben werden. Ihre Höhe war früher in Osttiroler Regionen unterschiedlich, wurde vereinheitlicht und beträgt derzeit 2,00 Euro pro Übernachtung, wobei einige Kategorien, etwa Nächtigungen von Kindern und Jugendlichen, aber auch Übernachtungen in Schutzhütten von dieser Abgabe befreit sind. Eine Erhöhung auf 2,50 Euro wurde bereits diskutiert, gesetzlich sind maximal drei Euro möglich. In jedem Fall ist diese Einnahmenkategorie ein guter Gradmesser dafür, ob eine Region tourismusintensiv ist, also viele Nächtigungen verzeichnet.

Anders sieht die Sache bei der zweiten Einnahmenkategorie aus: den Pflichtbeiträgen. Die bezahlt jedes gewerbliche Unternehmen in Tirol als fixen Anteil von jenem Umsatz, der im Bundesland erzielt wird. Die nicht von allen Experten geteilte Idee dahinter: der Tourismus bringe allen Unternehmen wirtschaftliche Vorteile, weshalb auch alle, vom Frisör bis zum Altstoffrecycler und vom Autohändler bis zum Grafiker zur Kasse gebeten werden. Um zumindest halbwegs zu gewichten, spielt bei der Berechnung neben dem Umsatz auch die Affinität zum Tourismus eine Rolle.

Früher waren die Pflichtbeiträge in Osttirol nach Regionen gestaffelt. Es gab „Ortsklassen“. Der Hintergrund: das Gros der wirtschaftlichen Wertschöpfung des Bezirkes wird im Lienzer Becken erzielt, wo mittlerweile auch die Hälfte der Bevölkerung Osttirols wohnt. Dagegen findet der Tourismus überwiegend in den Tälern statt, wo es in Relation zur Bevölkerungszahl weit mehr Betten gibt. Deshalb zahlte früher ein Tischler in Matrei oder St. Jakob höhere Pflichtbeiträge als ein Tischler in Lienz, wobei diese Beiträge damals in die noch selbständigen Verbände der Talschaften flossen. Dann kam die Fusionierung und mit ihr der größte Coup aus Sicht der Täler: Die Pflichtbeiträge wurden vereinheitlicht. Seither zahlen der Tischler in Matrei und jener in Lienz gleich hohe Pflichtbeiträge, der eine weniger als früher, der andere mehr.

Aus dieser Nivellierung zu Ungunsten der Stadt erklärt sich auch die immer wieder aufkochende Emotion in der Verteilungsdiskussion. Sie wird wohl eine Frage der Perspektive bleiben, weil die einen damit argumentieren, dass viel Geld die Isel und Drau hinauf fließe und die anderen damit kontern, dass dieses Geld durch Ausgaben von Touristen und Tourismusbetrieben wieder in die Stadt zurückrinne. Eine Objektivierung dieser Rechnung ist kaum leistbar. Es bleibt wohl Ansichtssache. Doch hier sind die konkreten Zahlen (auf die Balken tippen, um die Werte anzuzeigen):



Die Grafik zeigt relativ klar, dass die Wirtschaft des Lienzer Beckens das Gros der Mittel für den Tourismusverband Osttirol aufbringt. Stadt und Umgebung liegen selbst bei der Aufenthaltsabgabe nicht weit unter den Tälern, wo für viele Nächtigungen – etwa in Schutzhütten – keine Abgabe zu leisten ist. Bei den Pflichtbeiträgen schlägt die Zahllast auf Lienz dann vollends durch. Rund 3,3 Millionen Euro erhält der TVBO pro Jahr unter diesem Titel aus den Kassen der Unternehmen des Lienzer Talbodens. Sie liefern 15,2 Promille ihrer in Tirol getätigten Umsätze ab. Zum Vergleich: In Innsbruck werden nur 6 Promille eingehoben. Alle Unternehmen der Landeshauptstadt und der 40 umliegenden Feriendörfer zahlen rund 12 Millionen an Pflichtbeiträgen in den dortigen Verband. In Relation zur Größe kommen die Firmen des Innsbrucker Beckens also vergleichsweise glimpflich davon.

Abschließend noch eine Tortengrafik mit den Kostenanteilen der einzelnen Regionen in Prozent des Gesamtbudgets. Auch hier ist das Bild eindeutig. Aus dem Lienzer Becken kommt fast die Hälfte des Geldes (49 Prozent) , das der Tourismusverband zur Verfügung hat.



Auf die Segmente klicken, um die Werte anzuzeigen.

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17 Postings bisher
Sinnlos

kann uns jemand erklären warum die Pflichtbeiträge in Osttirol gegenüber Kärrnten

sagenhafte 200 (!!) % HÖHER sind?

die Wertschöpfung ist es ja auch nicht!

    steuerzahler

    Ganz einfach, je mehr Geld da ist, umso weniger muß man nachdenken, was man wofür ausgibt. Und umso leichter ist es Freunderln zu bedienen. Man kann auch das Management aufblasen, irgendwelche Reisen oder Veranstaltungen machen, usw.

    Da kann man viel kreativer sein und wenn's nicht reicht, den Satz noch ein wenig "anpassen" (=Erhöhen).

oschtirola

Man stelle sich die utopischen Vorstellungen mancher Personen und deren Auswirkungen in der Privatwirtschaft vor. Angenommen ich habe 80 % Anteile an einem Unternehmen und 20 Mitgesellschafter mit je 1% Anteil. Laut Euren Aussagen wäre es fair, wenn alle 21 Gesellschafter die gleiche Stimmenstärke haben. Na Prost Mahlzeit. Habt Ihr schon mal selbst ein Unternehmen geführt? Toursimus geht vor und auch die tourismusbezogene Verwendung der Mittel, logisch !!! Aber man kann doch bitte nicht jemanden der 100 Euro in das TVB Budget einzahlt die gleiche Entscheidungskraft geben wie jemanden der 100.000 Euro einzahlt. Möchte gerne sehen ob Ihr, wenn Ihr selbst ein Unternehmen hättet, auch so handeln und denken würdet. Nehmt Euch doch selbst mal bei der Nase bevor Ihr so etwas schreibt.

    steuerzahler

    Die 20 Mitgesellschafter wären aber FREIWILLIG dabei und nicht wie beim TVB zwangsverpflichtet.

    Zeig mir das Unternehmen, das von allen anderen Unternehmern Zwangsbeiträge einkassieren kann.

    Der TVB ist kein Unternehmen, sondern eine mißglückte politische Konstruktion.

    Wer wäre denn der Unternehmer im Falle des TVB, der mit seinem Vermögen haftet?

MeineMeinung

Was für eine „himmelschreiende“ Ungerechtigkeit: 15 Gemeinden des Lienzer Talbodens inklusive der Bezirkshauptstadt Lienz haben rd. 27.500 Einwohner, aber wenige Gäste, und zahlen 49% in den TVB Osttirol ein....

18 Gemeinden „des übrigen Bezirkes“ haben nur rd. 21.300 Einwohner, aber viele Gäste, und zahlen 51% in den TVB Osttirol ein...Glaube nie eine Statistik, die du nicht selbst „gefälscht“ hast, heißt es so schön!

Und nach all diesen tollen Vergleichen: Hat „Osttirol“, als „kleinster gemeinsamer Nenner“, dadurch jetzt auch nur einen einzigen Gast mehr...?

Mottinger

Was für sinnlose Vergleiche im Sinne von „teile und herrsche“, a la Franz Theurl: Geht‘s hier um Tourismus, also um Gäste, oder was? Fünf Gemeinden in der Nationalparkregion (darunter St. Johann im Walde...), haben mehr Übernachtungen und Aufenthaltsangaben, als alle 15 Gemeinden des Planungsverbandes Lienzer Talboden. Vergleicht man das noch mit den drei Deferegger Gemeinden zusätzlich, die auch zum Planungsverband Iselregion gehören, dann sieht „der Tourismus im Bezirk“ nochmal anders aus: Ein Großteil der Übernachtungen findet dort statt, mit permanentem Wachstum! Im Talboden ist der Tourismus in den letzten zwei Jahrzehnten ständig zurückgegangen und hat da im Wesentlichen nur die Familie Hamacher dagegengehalten.

Der Planungsverband Iselregion mit seinen 8 Gemeinden zahlt 32% in den TVB ein, der Planungsverband Talboden mit seinen 15 Gemeinden 49%: Führen wir diese willkürlichen Vergleiche weiter fort: Lienz zahlt die höchsten Pflichtbeiträge, hat aber auch am meisten Kommunalsteuereinnahmen, no na! Bei den Pflichtbeiträgen und der Kommunalsteuer liegt Matrei an zweiter Stelle, no na! Was gäbe es aber für einen Sinn, Matrei in diesem Bereich mit Schlaiten, Iselsberg, Amlach oder Tristach im Talboden zu vergleichen?

Bei den Übernachtungen und der Aufenthaltsabgabe liegen hingegen Kals, Matrei und St. Jakob deutlich vor Lienz und das ist dann wohl Tourismus?

Wer kauft z.B. aus Lienz in St. Johann im Walde ein und wie ist das umgekehrt, auch bei zumindest 30 anderen Osttiroler Gemeinden? Wo ist ein Großteil des Bau-und Baunebengewerbes angesiedelt, wo werden die Autos oder Gastrospezialartikel und Getränke für die Beherbergungsbetriebe gekauft?

Warum ist Liebherr in Lienz, wie übrigens auch der Sitz der Felbertauernstraße, deren Gesellschaftsstrecke und Tunnel im Tiroler Anteil (und damit alle Mauteinnahmen bzw. Gelder für die OIG...), aber wieder ausschließlich auf Matreier Gemeindegebiet liegen? „Wo war da mei Leistung ..,?“, muss sich Franz Theurl fragen lassen, dass ein Großteil der Einkaufsmöglichkeiten eben in Lienz und Nußdorf-Debant liegen und fast ganz Osttirol und die meisten seiner Gäste dort einkaufen..? Derartige sinnlose Vergleiche könnte man noch endlos in allen Richtungen fortführen, nur bringen sie dem Osttiroler Tourismus überhaupt nichts! Sie sind nur dazu geeignet, „Osttirol“ weiter „auseinanderzudividieren“, aber wem soll das was bringen?

    Kilian1990

    Bravo Mottinger. Ganz deiner Meinung. Endlich schreibts jemand. Lauter sinnlose Vergleich, die von Neid und Missgunst zeugen. Dem Tourismus bringt das überhaupt nichts. Sehr sehr unprofessionell, eine derartige Diskussion anzuzetteln. Hoffe, es wird nach der Neuwahl professioneller und effizienter gearbeitet.

steuerzahler

Der überwiegende Anteil des Budgets stammt aus Pflichtbeiträgen von Zwangsmitgliedern. Deswegen ist das Interesse besonders groß, diese überholte Struktur beizubehalten. Mit freiwilligen Mitgliedern wäre der zu verteilende Kuchen wohl längst nicht so groß. Tolles Konzept...

Wir sollten auf unseren Einzahlungen vorsorglich "mit Vorbehalt" draufschreiben, damit wir das Geld zurückfordern können, falls der Verein mal aufgelöst wird.

leiWEITERso

Diese Zahlen geben eines ganz klar wieder: die TÄLER leisten – wenn auch knapp - mit 51,5% den Hauptbeitrag zum TVB- Budget. Bei den Aufenthaltsabgaben liegen die Täler sogar bei 75% und erwirtschaften somit den mit Abstand größten Brocken der touristischen Wertschöpfung im Bezirk. Es ist auch keine „Verdienst“ des TVBs unter Franz Theurl, dass 62,5% der Pflichtbeiträge im Lienzer Talboden erwirtschaftet werden, das ist eine reine Tatsache und liegt einzig an der Struktur unseres Bezirkes. Und es ist einfach auch nur eine Tatsache, dass auch die großen Beitragszahler wie zB Banken oder auch die Felbertauern AG ihren Firmensitz in Lienz haben.

    baur.peter

    das einzige, das diese zahlen wieder geben ist: die stadt braucht die täler, und die täler brauchen die stadt. und sonst gar nichts!

oschtirola

Mal sehen ob die Unternehmer aus dem Lienzer Talboden, mit einem Beitrag zum Gesambudget des TVBO von fast 50%, zukünftig Ihr Geld von einer Großunternehmerfamilie aus dem Zillertal, einem Musiker aus Kals oder einem BGM aus Matrei verwaltet haben möchten. In dieser Beziehung denken Osttiroler Unternehmer normalerweise eigentlich ganz anders. Aber wen man jemanden etwas Auswischen will, da hüpft auch der Osttiroler gerne über seinen Schatten und nimmt die Folgen stillschweigend in Kauf, damit liegt man nämlich im Trend und man möchte im Falle des Falles ja doch lieber auf der Siegerseite stehen. Denn viele Argumente gegen die bisherige Arbeit des TVBO, die auch bei einer Konfrontation wo das Gegenüber die Möglichkeit hätte sich rechtzufertigen, bleiben in Wahrheit nicht über. Es ist kinderleicht, genau wie in der Politik, anonym oder in der Oppositionsrolle alles schlecht zu machen, vorallem bei einseitig besuchten Wahlveranstaltungen, wenn man selbst noch nicht viel vorzuweisen hat. Und klar werden die oben genannten Personen dann natürlich nicht so wie es FT immer vorgeworfen wird auf das eigene Wohl oder den eigenen Vorteil schauen sondern ihr Ziel und Augenmerk nur auf die Allgemeinheit in ganz Osttirol richten, egal ob es für Ihre eigenen Unternehmen oder Institutionen gut ist oder nicht. Bin mir jetzt schon sicher, sie werden wie es sich für einen guten Aufsichtsrat gehört, immer schön neutral bleiben und auch immer an die ganz Kleinen denken, wie sie es sonst im Geschäftsleben auch praktizieren. Sind wird schon mal gespannt, welches Ergebnis diese Wahl bringen wird. Hinterher, wenns nach einer Veränderung auch nicht deutlich besser wird, kein jammern bitte !!! Zum Mitreden haben wir in Lienz, aufgrund der minimalen Vertretung aus dem Lienzer Talboden, dann eh fast nichts mehr. Eines noch zum Schluß, damit es nicht so rüberkommt wie es sich die Top-Poster hier in diesem Portal vielleicht wünschen würden. Die Familie Schulz ist ein enorm wichtiger Investor für unseren Bezirk und es sollte versucht werden, sie mit allen Mittlen weiterhin für Projekte in Osttirol zu gewinnen. Ebenso die Kulinarik finde ich als eine wichtige Botschaft nach aussen, da wir hier wirklich die Haute Volée im Bezirk haben. Dennoch finde ich es wäre besser, wenn sie all Ihre Kraft und Zeit in Ihre Kernkompetenz investieren und nicht in die Verwaltung des TVB-Budgets.

    baur.peter

    1/3 machen die pflichtbeiträge der talbodenbetriebe im bezug auf das budget aus. gute gesprächsbasis: eine großunternehmerfamilie aus dem zillertal, oder? sorry dein versuch ist unglaubwürdig. die bezirksliste hat durch ihr verhalten bei der wahl des vorstandes vor einem jahr gezeigt, daß es ihr kein anliegen ist, zusammen zuarbeiten.

wolfgangwien

Über die Mittelverwendung kann man sich nächste Woche im Büro des TVBO durch Einsichtnahme in den Jahresabschluss informieren.

genaugenommen

Die Wahlen nach dieser Wahlordnung sind eigentlich überflüssig! Vertreter der jeweiligen Region entsenden, mit Stimmgewichtung je nach Aufenthaltsabgaben und Pflichtbeiträge. - Fertig!

    steuerzahler

    Stimmgewichtung ist höchst undemokratisch! Das gehört verboten!

    Wie viele Stimmen hätten dann wohl die Wirtschaftsbosse bei einer Nationalratswahl??

    So etwas gibt es sonst nirgends.

    Und wenn es schon Zwangsbeiträge gibt, dann wohl gefälligst ohne Mindestsatz. Und die Einhebung unter einem Mindestbetrag sollte ausgesetzt werden, weil sich das nicht rechnet.

      genaugenommen

      @steuerzahler du hast schon recht, aber das ist keine „Normale“ Wahl. Hier geht es um den Einfluss auf Verteilung der durch die Abgaben eingenommen Gelder. Wer zahlt schafft an!! Der „Normalbürger“ ist zur Wahl ja gar nicht zugelassen.

Warum

gratulation herr pirkner, super information, danke und weiter so !!!