„Bettlerpaar“ von Margarethe Oberdorfer aus der Reihe „Kopflose“. Die Köpfe der Figuren sind austauschbar. Foto: Oberdorfer

„Bettlerpaar“ von Margarethe Oberdorfer aus der Reihe „Kopflose“. Die Köpfe der Figuren sind austauschbar. Foto: Oberdorfer

Keramikarbeiten und Bilder von FrauenART

Margarethe Oberdorfer und Yvonne Steurer zeigen ihre Kunst.

Bereits 2015 gründeten Roswitha Selinger, Regina Mayr, Eva Meissl, Susanne Resl, Margarethe Oberdorfer und Yvonne Steurer die Gruppe FrauenART, um gemeinsam Kunst in unterschiedlichen Bereichen zu machen. Wie vielfältig sie dabei sind, bewiesen sie schon 2017 in ihrem Theaterstück „Rosen für Emerenzia. Sechs Frauen und ein Monochord„, das sie nicht nur gemeinsam schrieben, inszenierten und spielten, sondern auch mit ihrem Gesang, Tanz und selbst gestaltetem Bühnenbild zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk machten. Inzwischen arbeiten sie an dem neuen Stück „Die Vorbeterin“, das im Herbst 2019 auf die Bühnen kommen soll. Margarethe Oberdorfer und Yvonne Steurer präsentierten nun aber auch ihre eigene, höchst persönliche Kunst in zwei Ausstellungen.

Im Kreuzgang des Franziskanerklosters findet am Sonntag, den 10. Februar, ab 16:00 Uhr die Finissage zu „Kopflose“ von Margarethe Oberdorfer statt. Diese „Kopflosen“ gehören zu den bedeutendsten Arbeiten der 1952 geborenen Osttiroler Keramikerin, die nach einer Fotografenausbildung 1979 in Linz die Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung abschloss und seit über 40 Jahren mit Ton arbeitet. Vor ungefähr 30 Jahren – so erzählt sie – entstand durch Zufall ihre erste Skulptur, bei der sie den Kopf nicht mehr auf dem Körper ihrer Figur befestigte, sondern in einer kleinen Wölbung so positionierte, dass er nicht nur bewegt, sondern auch ausgetauscht werden konnte. Damit ergeben sich, wie die imposante Ausstellung nun zeigt, völlig überraschende Möglichkeiten und Perspektivenwechsel ihrer ansonsten sehr schlicht gehaltenen Figuren.

„Nachtisch – Leben“ heißt diese Figurengruppe von Margarethe Oberdorfer. Foto: Oberdorfer

So besitzt beispielsweise der „Genderengel“ nicht nur ein männliches und ein weibliches Gesicht, sondern kann durch diese ungewohnte Beweglichkeit auch gleichzeitig dem Himmel und der Erde zugewandt bleiben, wenn man seinen Kopf leicht schräg setzt. Der Figur „Schauspieler – Manchmal fühl ich mich …“ kann je nach Stimmung der Kopf eines Königs, eines Clowns, eines Kindes, einer Frau oder eines Mannes gegeben werden. Einige der Figuren warten in den Vitrinen im Kreuzgang des Klosters und dann bei Margarethe Oberdorfer im „Sinnron“ – ihrem „Kunsthaus mit Weitblick“ in Dölsach – sogar bewusst noch auf ihre Endfertigung und können damit vom Käufer noch mitgestaltet werden.

Die „Kopflosen“ gehören zu den bedeutendsten Arbeiten der Osttiroler Keramikerin. Foto: Ebner

Gemeinsam sind den Figuren – neben den losen Köpfen – die beruhigende Natürlichkeit der Tonfarbe, die grazilen Pinselstriche, die ihnen das nötige Leben einhauchen und die Aussagestärke der dargestellten Themen. Sie zeigen nicht nur die unterschiedlichsten menschlichen Verbindungen („Geborgenheit“, „Die Brückenbauer“, „Unzertrennliches Paar“ …), sondern greifen auch sozialkritische und politische Themen auf. So stellen Oberdorfers Figuren u.a. das Leid der Flüchtlinge („Die Flüchtlingsstraße“, „Das letzte Hab und Gut“ …), soziale Ausgrenzung („Die Judenbank“, „Die Bettlerin“, „Wer ohne Schuld“ …), menschliche Schwächen („Die Gier“, „1,2,3 und 4 x Nichts“, …) oder religiöse Botschaften („Bergschale“, „Der Sonnengesang“, „Wo zwei, oder drei“ …) dar.

Themenvielfalt prägt auch das künstlerische Schaffen von Yvonne Steurer, deren „Menschenbilder“ im Tirolerhof in Dölsach noch bis Ende März zu sehen sind. Die 1958 geborene Holländerin, die schon seit 1983 in Abfaltersbach lebt und genauso lange Fortbildungen in allen Bereichen der Malerei besucht, wird am 21. 2. und 7. 3. um 16:00 Uhr auch persönliche Führungen durch ihre Ausstellung machen, um die Geschichten hinter den Bildern zu erzählen. Gleichzeitig gibt sie damit einen Einblick in die Vielfalt ihrer Techniken, die von Kohlezeichnungen über Collagen bis zu mit Kalligrafie versetzten Ölbildern oder Aquarellen reichen.

Yvonne Steurer in ihrem Atelier. Foto: Privat

Ihre Werke erzählen von persönlichen Begegnungen („Frau mit Sonnenblumen“, „Mädchen mit Eis“, „Seppl mit der Quetsche“…), Interessen („Die 5 Chinesischen Elemente“, „Seilmannschaft“, „Aufstieg zur Hütte“ …) und Impressionen, die oft von anderen Künstlern inspiriert sind. So zeigt zum Beispiel das Bild „Jedermann“ den gesamten Text des gleichnamigen Liedes von Pizzera und Jaus und auf dem Akt einer jungen Frau in Bewegung liest man den Satz „Das Flüstern einer schönen Frau hört man weiter als den lautesten Ruf der Pflicht“, der von Pablo Picasso stammt.

Diese Begeisterung für Kalligrafie, die sie seit 2005 studiert, gibt sie deshalb regelmäßig in der von ihr organisierten Kalligrafie-Kursen mit Prof. Charly Witschnigg im Kreativzentrum Rondula in Obergöriach weiter. Diese Kunst besitzt für Yvonne Steurer ebenfalls „eine magische Anziehungskraft, denn Emotionen, Gefühle und Inhalte lassen sich auch über Schrift ausdrücken“. Worte, Bilder, Keramikfiguren – und bald auch wieder ein Theaterstück. FrauenART macht jedenfalls auch weiterhin Kunst in vielen verschiedenen Formen.

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