Mayerl und WWF loben Salzburger Wolfsmanagement

Naturschützer finden den Herdenschutz gut, Bauernvertreter die Abschussempfehlungen.

Nun ist es amtlich. Ein aus Italien vorübergehend eingewanderter Wolf hat in St. Jakob einen Hirsch erlegt und gefressen. Eine weitere Spur wird noch ausgewertet, allerdings sind das die einzigen Hinweise auf den vieldiskutierten Beutegreifer in Osttirol. Dennoch warnt der Osttiroler Landtagsabgeordnete und Bezirksbauernobmann mit drastischen Worten vor dem Tier: „Der Preis, den unsere Gesellschaft für die Rückkehr der Wölfe zahlt, ist hoch,“ heißt es in einer Aussendung.

Martin Mayerl sieht – wie die meisten Osttiroler Bauern – den Wolf als Problem für die Almwirtschaft. Foto: Expa/Groder

Dolomitenstadt hat im Mai 2018 ausführlich über eine Diskussion der Osttiroler Bauern zum Thema Wolf berichtet. Mayerl wiederholt im Prinzip die Argumentation. Kälber, Schafe und Ziegen seien leicht zu erlegendes „Futter“ für Wölfe, die mit Sicherheit nach Osttirol kommen werden und die Almwirtschaft gefährden. In Südtirol würden bereits mehrere Almen aus Angst vor dem Wolf nicht mehr bestoßen. Mayerls Fazit: „Auch wenn die Senkung des Schutzstatus für den Wolf auf europäischer Ebene derzeit politisch unrealistisch ist, werden wir weiterhin auch grenzüberschreitend dafür eintreten, dass das möglichst rasch erwirkt und umgesetzt wird.“

Naturgemäß anders sieht der WWF das Thema Wolf. Die Naturschutzorganisation hat am Salzburger Wolfsmanagementplan beratend mitgearbeitet und bewertet das Ergebnis „trotz einiger Defizite als Schritt in die richtige Richtung“. Das Bundesland Salzburg beschäftigt sich schon länger und besonders intensiv mit dem Wolf. Der Plan enthalte mehrere WWF-Vorschläge, anerkenne die zentrale Rolle von Herdenschutz und sehe den Wolf als „Schlüsselart“, die sich unter anderem positiv auf die Reduzierung der Wildschäden auswirken könne. Wenig Gefallen findet der WWF an den Abschussempfehlungen der Salzburger. „Wolfsabschüsse nach einer willkürlich gewählten Anzahl von Nutztierrissen festzulegen, widerspricht dem EU-Naturschutzrecht und macht auch fachlich keinen Sinn. Damit ist langfristig keinem Landwirt geholfen, da die Problematik mit dem nächsten durchziehenden Wolf von vorne beginnen würde. Am Herdenschutz führt kein Weg vorbei“, erklärt Christian Pichler, Wolfsexperte beim WWF Österreich.

Christian Pichler, Wolfsexperte beim WWF. Foto: Bright-Light-Fotography

Martin Mayerl beurteilt das Salzburger Modell anders und findet genau das gut, was dem WWF missfällt. Von Herdenschutz hält er nichts: „Die Kosten für Zäune, Hirten und Hunde übersteigen den Wert der Schafherden um ein Vielfaches.“ Positiv bewertet der Osttiroler VP-Abgeordnete die Abschussempfehlungen der Salzburger. „Darin wird vorgesehen, wann ein Verfahren nach dem Jagdgesetz zur Entnahme eines Wolfs eingeleitet werden soll. Das ist der Fall, wenn er sich un­provoziert aggressiv gegenüber Menschen oder Hunden in unmittelbarer Nähe von Menschen verhält, wiederholt Schutzzäune überwindet oder 15 geschützte oder in nicht schützbaren Bereichen befindliche Nutztiere tötet oder verletzt. Weiters, wenn er 25 ungeschützte Nutztiere innerhalb eines Monats oder 35 in vier Monaten tötet oder verletzt.“

Vor wenigen Wochen wurde die Einrichtung eines „Österreichzentrums Wolf, Luchs, Bär“ im steirischen Raumberg-Gumpenstein auf Schiene gebracht. Auch diese Maßnahme beurteilen beide Lager im Wolfsstreit positiv. Die Tiroler Landesverwaltung bietet auf der Landes-Website Infomaterial und Downloads von Meldeformularen bei einem Wolfsriss an. Überschrift über der entsprechenden Seite: „Der Wolf ist da – nur keine Panik!”

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4 Postings bisher
unholdenbank

Ja, wenn ein so böser Wolf ein Wildtier attackiert dann kommen gleich die Forderungen "weg mit dem Wolf, tötet ihn" Wenn ein "braver" Husky-Hund auf der Turrach ein Reh zu Tode hetzt, dann heißt es "der wollte ja nur spielen". Das wird dann auch noch gefilmt. Blödes Reh, das einem edlen Husky über den Weg rennt, dummes Reh, das einem bösen Wolf in die Fänge gerät. So liest man dann von doch einigen wildernden Hunden - aber nur von einem Wolfsriss. Immerhin war der Wolf früher auf der biologischen Erde als der Husky - hat daher ein älteres Recht. Das geht aber nicht in den Kopf der selbstgerechten Tierliebhaber.

Biker

Es sollte eigentlich keine Diskussion entstehen wenn in einer "Nationalparkgemeinde" ein ursprüngliches Wildtier auftaucht welches vor nicht allzulanger Zeit fast ausgerottet wurde. Die Verantwortlichen sollten sich überlegen wozu es einen Nationalpark gibt.

blaubaer

Die Aufregung ist umsonst. Der Wolf wird nicht dauerhaft in einem Tourismuskerngebiet - wie Osttirol eines ist - sesshaft werden. Dass die großen Beutegreifer über die Alpen ziehen wird künftig öfters vorkommen. Bei den Bären sind wir es ja schon gewohnt und von Liebe alleine kann er sich nicht ernähren. Nebenbei werden unsere Landschaftsgärtner sicherlich eine entsprechende Entschädigung erhalten :-)